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Presse/Berichte

13.01.: PNP-Bericht "Wenn Unterschiede zur Normalität werden"

Das Lachen auf den Gesichtern der Kinder – hier beim Mathematikunterricht der vierten Klasse – ist nicht gespielt. Klassenlehrer Toni Söldner (Mitte) und Sonderpädagogin Maria Fußeder (vorne 2.v.l.) können auf ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Regelschülern und den Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sowie der Partnerklassen stolz sein. − Fotos: Werner

Die Passauer Neue Presse zeigt folgenden Bericht über die Inklusion in Salzweg auf Seite 3:

Vielfalt in der Gemeinschaft – dieser Schriftzug an der Mauer gegenüber der Eingangstür sticht sofort ins Auge, wenn man das Foyer der Grund- und Mittelschule Salzweg betritt. Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Inklusion passt er perfekt, ist die Grundschule doch die einzige Grundschule im Landkreis Passau, die das Miteinander von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung im Schulprofil verankert hat.

An Schulen mit diesem Profil gestalten Lehrkräfte der Regelschulen und Lehrkräfte für Sonderpädagogik das gemeinsame Lernen. Regelschule meint dabei die allgemeinbildenden Schularten, zu denen neben Haupt-, Real- und Gesamtschulen auch die Grundschulen zählen. In Salzweg steht die Inklusion auf zwei Säulen: Zum einen werden Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Regelkinder gemeinsam unterrichtet, zum anderen gibt es die sogenannten Partnerklassen. Partnerklasse bedeutet, dass die Klassen K1/2 und K3 der K-Schule vom Caritas Förderzentrum Passau/Grubweg gemeinsam mit den Regelschülern der Grundschule lernen, neben Kunst- und Sportunterricht auch in Mathematik sowie in Heimat- und Sachkunde. Die Schüler der Grund- und der K-Schule sind jeweils zwischen sechs und zehn Jahren alt. Die Einschränkungen der Kinder unterscheiden sich dabei stark: Während die Regelschüler eher Probleme beim Lernen, mit der Sprache oder im sozial-emotionalen Bereich haben, sind die K-Schüler überwiegend körperbehindert, teils schwer und auf den Rollstuhl angewiesen.

Gut eingebunden in KlassengemeinschaftWie sehr die Inklusion jedoch nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität des täglichen Unterrichts gelebt wird, ist dabei förmlich greifbar. Beispielsweise im Mathematikunterricht der vierten Klasse: Dort steht Sonderpädagogin Maria Fußeder vom Sonderpädagogischen Förderzentrum Passau Klassenlehrer Toni Söldner zur Seite – beide zusammen erstellen die Förderpläne für die Kinder. 22 Grundschüler besuchen die Klasse, drei davon mit sonderpädagogischem Förderbedarf. An diesem Tag kommen noch drei K-Schüler hinzu. Die gute Einbindung in die Klassengemeinschaft wird schon deutlich, als die drei Partnerklassen-Schüler das Klassenzimmer betreten. Sofort und ohne aufgefordert zu werden, melden sich alle Schüler, neben denen noch ein Sitzplatz frei ist. Berührungsängste gibt es nicht, im Gegenteil: Die Kinder werden von den Grundschülern einfach als reguläre Mitschüler anerkannt.

"Was ist fünf mal zehn?", möchte Söldner wissen. Fast alle Finger schnellen in die Höhe. "Und fünf mal 15?" Noch immer weiß fast jedes Kind die Antwort. "Dann machen wir es mal ein wenig schwieriger", sagt der Mathematiklehrer. "Wer kann mir sagen, was sechs mal 18 ist?" Bei dieser Aufgabe müssen die Schüler schon etwas länger überlegen, es gibt nur noch vereinzelte Meldungen – auch von K-Schülern.

Nach diesen kurzen Aufwärmübungen hat Toni Söldner eine besondere Überraschung parat: Ein Arbeitsblatt mit Rechenaufgaben – zur durchgehenden Freude aller Schüler. Nur schwer können sie es erwarten, scharren förmlich mit den Füßen unter ihren Tischen, und kaum ist das letzte Blatt verteilt, fangen sie wie auf Kommando an, mit ihren Bleistiften an den Aufgaben herumzurechnen.

Nicht anders stellt sich die Lage beim Sportunterricht der 25 Schüler der zweiten Grundschulklasse zusammen mit 13 Kindern der Partnerklasse K1/2 dar, der von der stellvertretenden Schulleiterin Cornelia Reiter und der Sonderschullehrerin Kathrin Laubereau geleitet wird. In der Mehrzweckhalle ist für die Kinder ein großer Stationenlauf zum Thema "Bälle" aufgebaut worden. Vorne jonglieren die Schüler Tennisbälle auf den Schlägern, links und rechts rollen sie in gebückter Haltung Medizinbälle über kleine Rampen. Zentral werden aufgestellte Hütchen im Slalom umrundet, und im hinteren Teil der Halle versuchen die Schüler, mit einem Ball am Hockeyschläger vorwärts und rückwärts zu laufen. Besonders auffällig: Bei allen Stationen sind auch die Rollstuhlfahrer mit von der Partie, voller Elan und mit großem Spaß.

Der Grundstein für die in Salzweg gelebte Inklusion ist nach Aussage von Schulleiterin Susanne Bulicek bereits im Schuljahr 2010/2011 gelegt worden: "Zu diesem Zeitpunkt ist unser Schulhaus behindertengerecht und barrierefrei gestaltet worden." Zudem wurden die Klassenzimmer renoviert, auch ein behindertengerechter Eingangsbereich wurde gebaut. Dies sei nötig gewesen, um die räumlichen Voraussetzungen für die K-Schüler zu erfüllen und diese überhaupt an die Regelschule holen zu können. Sowohl die Gemeinde als auch die Elternschaft hatten in dieser Angelegenheit von Anfang an ein offenes Ohr, erinnert sich Bulicek.

Regierung übernimmt Kosten von 200000 EuroEtwa 200000 Euro wurden damals investiert, erklärt Karl Bischof, der Schulleiter des Caritas-Förderzentrums für Körperbehinderte in Passau/Grubweg. Diese seien aber in voller Höhe von der Bayerischen Regierung übernommen worden, "wobei der Caritasverband für die Diözese Passau als Bauträger aufgetreten ist". Zudem habe man sich darauf geeinigt, keine Miet-, sondern lediglich die Betriebskosten zu zahlen – "schließlich haben wir ja alles saniert". Im vergangenen Schuljahr wurde ihrer Schule vom Bayerischen Kultusministerium schließlich das Schulprofil "Inklusion" verliehen, erklärt Bulicek. Dafür müsse man mehrere Voraussetzungen erfüllen: Die jeweilige Schule muss ein Bildungs- und Erziehungskonzept vorlegen, das sowohl von der Schulfamilie als auch dem Sachaufwandsträger mitgetragen wird. Zudem muss die Schule Erfahrungen im Unterricht von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf gesammelt haben, des Weiteren soll Inklusion ein besonderes Gewicht bei der Schulentwicklung einnehmen, mindestens zehn Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf müssen die Schule besuchen.

"All diese Vorgaben haben wir letztendlich erfüllt", sagt Bulicek. Inzwischen habe man mit Maria Fußeder zudem für 13 Stunden in der Woche eine Förderschullehrerin der Hans-Bayerlein-Schule in Passau gewinnen können sowie für zehn Stunden wöchentlich eine zusätzliche Regel-Lehrkraft zum Fördern der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf – das sind in diesem Schuljahr 14.

Besonders erfreulich: Kritische Stimmen oder Vorbehalte gab es Bulicek zufolge weder seitens der Eltern noch seitens der Kinder. Gegenüber einem Menschen, der verschiedenartig ist, herrsche keine große Abwehr mehr, ist ihr Eindruck. Vielmehr werde er zur Normalität. "Die Kinder gewöhnen sich daran, lernen so beispielsweise auch den Rollstuhl kennen und die Schwierigkeiten, damit im Alltag umzugehen."

Ein weiterer Vorteil: Die Schüler hätten häufiger Erfolgserlebnisse, "da sie durch die zusätzliche Förderung auf einen Stand gehoben werden, den sie im Vorfeld nicht hatten". Auch Bewertungen könne man für ein Jahr aussetzen, um damit den Notendruck zu minimieren. Erhöhte Anforderungen würden dagegen an die Lehrer gestellt, da diese regelmäßig enge Absprachen mit den Zusatzlehrern treffen müssten, um die bestmögliche "Passform" zu erreichen. "Das alles geschieht natürlich außerhalb der Unterrichtszeit."

"Ein Lehrplan für jeden Schüler ist illusorisch"Schulleiterin Susanne Bulicek ist fast gänzlich zufrieden mit der gelebten Inklusion an ihrer Schule – nur einen Aufzug würde sie sich noch wünschen. "Aus Platzgründen musste die neue Schulmensa im ersten Stock gebaut werden", weswegen ein gemeinsames Essen mit den Partnerklassen, vor allem mit den Rollstuhlfahrern, noch nicht möglich sei. Ansonsten gibt es bereits eine Fülle an gemeinsamen Veranstaltungen, neben dem Sport-, Mathematik- und Kunstunterricht auch eine Tanz-AG, Theaterfahrten, Wandertage oder das gemeinsame Feiern von schulischen Festen. Auch gemeinsame Fortbildungsfahrten von Grundschullehrern und Sonderschulpädagogen stünden regelmäßig auf der Agenda.

Stolz macht Bulicek auch, dass einer der K-Schüler, der in Salzweg den Regelunterricht Mathematik besucht hat, zuletzt gar den Sprung auf eine Realschule in München geschafft hat. "Das ist definitiv ein großer Erfolg für uns", freut sich die Schulleiterin.

So gut die Inklusion am Standort Salzweg auch funktioniert, gibt es dennoch auch skeptische Stimmen. Einer der Kritiker ist Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), in dem sich 55000 Pädagogen in Bayern organisiert haben. Wenzel lehnt die Inklusion nicht als solche ab und führt zum Beleg sein selbst als "3-K-Dilemma" tituliertes Konstrukt an – Kommunikation, Kompetenz und Kapital. Aber: "Zunächst hätte man von Anfang an mit allen Lehrergruppen reden sollen." Einige Sonderpädagogen hätten Angst davor gehabt, dass ihr Beruf in der Folge abgeschafft würde. "Das ist natürlich nicht der Fall, allerdings wurde nicht richtig kommuniziert, sodass in der Lehrerschaft eine gewisse Skepsis groß wurde." Auch die Eltern aller Kinder hätte man besser informieren müssen.

Des Weiteren fehle es vielen Lehrern schlicht und einfach an Kompetenz und Routine. Inzwischen gebe es zwar gute Ansätze in der Lehrerausbildung, "dennoch fordern wir, dass die Universitäten sich mit diesem Thema beschäftigen". Wichtig sei dies vor allem unter dem Gesichtspunkt der langen Vorlaufzeit. "Obwohl ich ganz klar sage, dass Inklusion nicht Aufgabe der Schulen, sondern Aufgabe der Gesellschaft ist, müssen bereits jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden."

Auch das Geld spiele eine große Rolle. Zwar entsende der Freistaat jährlich 100 zusätzliche Lehrer in das System – "das klingt anfangs ganz passabel, was es im Bundesvergleich auch ist. Bei rund 5000 Schulen in Bayern macht das jedoch nur einen Lehrer auf 50 Schulen, und schon ist es erschreckend wenig", so Wenzel.

Schließlich bringt Klaus Wenzel noch ein viertes "K" ins Spiel: den Kopf. "Inklusion beginnt im Kopf der Menschen und endet in der Gesellschaft." Dabei sei in erster Linie die Politik gefragt. Nach fünfjähriger Erfahrung sehe die Bilanz nur wenig rosig aus. "Gerade mal in zehn Prozent aller rund 300 Schulen mit Inklusions-Schülern funktioniert es gut." Ansonsten fehle es an Sozial- und Sonderpädagogen, an Schulpsychologen wie an medizinischen Bediensteten. Die Politik habe "in den kommenden fünf Jahren viel zu tun, damit Inklusion nicht zur Ausnahme, sondern zur Regel wird". Ein Anfang wäre es, für jede Inklusions-Schule mindestens eine Vollzeitstelle einzurichten, fordert der BLLV-Präsident.

Kritik kommt auch von Bernd Ahrbeck, dem Leiter des Instituts für Rehabilitationswissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität. Der Professor mit dem Schwerpunkt Verhaltensgestörtenpädagogik hat das Buch "Inklusion – Eine Kritik" geschrieben, in dem er das Alter des Kindes im Hinblick auf die Inklusion thematisiert. "Ich halte es für sehr gut vertretbar, dass beispielsweise geistig behinderte Kinder mit nicht-behinderten gemeinsam eine Grundschule besuchen, in den weiterführenden Schulen dagegen wird es schwierig, wenn das Kind dort dem Unterricht nicht folgen kann." Dann bestehe die Gefahr, dass das Kind emotional und sozial auf der Strecke bleibt. Viele Schüler könnten inklusiv gut beschult werden, bei anderen sei dies nicht der Fall. "Sie sind in speziellen Schulen oder Klassen besser aufgehoben." Eine wichtige Frage dabei sei stets: Wie fühlen sich die Kinder im Klassenverbund, wenn sie nirgends mithalten können? In einer Gemeinschaftsschule immer am Rand zu stehen, sei für manche Schüler schrecklich, weiß Ahrbeck aus seiner Beratungsarbeit als Psychologe. "Das Ganze funktioniert nur, wenn die Schüler einen einigermaßen ähnlichen Leistungsstand haben. Es ist völlig illusorisch zu glauben, ein Lehrer könne für jeden Schüler einen eigenen, auf ihn zugeschnittenen Lehrplan entwickeln." "Selbstverständlich soll ein blinder Schüler, der begabt ist, das Abitur machen, sei es inklusiv oder auf einem Spezialgymnasium." Auch andere Kinder mit vielen anderen Behinderungen seien dazu in der Lage. Für andere Schüler hingegen seien die Ziele niedriger zu hängen, "aber das heißt doch nicht, dass sie sich nicht auf ihrem Niveau anstrengen sollen. Wenn alle per Beschluss gleich gut sind, ist die Leistung eines jeden entwertet."

Inklusion darf keine "Paradiesmetapher" seinBehinderte und nicht-behinderte Kinder sollten einen ganz normalen Umgang miteinander haben. "Ich finde es beklemmend, dass es heute offenbar als erschreckend gilt, wenn Behinderte unter sich bleiben. So, als ob es ihnen untereinander nicht gut gehen könnte", argumentiert der Wissenschaftler. "Manchmal beschleicht mich der Verdacht, dass es in der ganzen Debatte in Wahrheit weniger um die Behinderten, sondern eher um die Befindlichkeiten der Nicht-Behinderten geht." Wer Zweifel anmelde und widerspreche, gerate schnell in den Verdacht, ein Inklusionsfeind zu sein, "und ich bin wirklich kein Gegner der Inklusion", versichert Ahrbeck. Man solle künftig weniger Sonderschulen haben, diese aber nicht im Prinzip aufgeben. "Die Inklusion darf nicht zu einer ,Paradiesmetapher‘ werden, die einen Aufbruch in eine neue Welt, in eine ,neue‘ Menschlichkeit verspricht – anlässlich unseres Grundgesetzes ist dies reichlich überzogen." Es gehe um eine Inklusion mit Augenmaß, die neben den Möglichkeiten auch bestehende Grenzen anerkenne.

Über alle Grenzen hinweg wird in der Grund- und Mittelschule Salzweg jedoch eines ganz deutlich: Zwischen allen Kindern herrschen ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und ein gutes Lernklima, in dem einer vom anderen lernt – immer getreu dem schulinternen Leitbild: Voneinander lernen – miteinander lernen – gemeinsam geht es besser. 

 


 

11.01.: Spiegel online "Inklusion - alle sind überfordert"

03.01.: PNP berichtet über "Abenteuer ohne Barrieren"

Der  Stefan Knollmüller und Tobias Koch arbeiten an unserer K-Schule. Sie haben. Die PNP berichtet über ihre tollen Aktivitäten (hier klicken)

26.10.: PNP-Bericht über Muskelschwund "Leon will leben"

Leon und seine Eisenbahn: Der sechsjährige Bub ist geistig hellwach. Seine Eltern, Sonja Welzel und Martin Reimann, genießen jede Minute mit ihm.  − Foto: Bormeth

Zwei Jahre hatten die Ärzte dem Buben gegeben − Diagnose Muskelschwund. Doch mittlerweile geht der Sechsjährige zur Schule. Und hat klare Vorstellungen davon, was er braucht. Wenn Sonja Welzel (26) und Martin Reimann (27) ihren Sohn in seiner Einliegerwohnung des Intensivpflegedienstes in Ruhstorf (Landkreis Dingolfing-Landau) besuchen, sind sie für jede Minute mit ihm dankbar. Denn es hat lange nicht so gut ausgesehen. Von Anfang an war Leon ein Sorgenkind, kam acht Wochen zu früh zur Welt und musste sofort wegen eines Nierendefekts operiert werden. Seine Bewegungen waren langsamer als die anderer Kinder. Er setzte sich nicht von alleine auf und machte nie seine ersten Schritte. Als ein Arzt dann sagte, dass ihr Sohn maximal zwei Jahre leben würde, brach eine Welt für die jungen Eltern zusammen.

Die Prognose war falsch. Der Schock hat sich mittlerweile gelegt. Die Verzweiflung allerdings nicht. Leon braucht die Schwestern, die ihn täglich umsorgen. Er braucht Hilfe, wenn er nur den Kopf drehen möchte. Geistig ist er hellwach. Dass Leon ohne Furcht sterben kann, in einer vertrauten Umgebung, mit den Eltern an seiner Seite, das hat sich die Familie immer gewünscht. Bis zum Mai galt Leon bei der Krankenkasse als Palliativpatient. Dass sein Zustand nun seit geraumer Zeit stabil ist, hätten weder Ärzte noch Eltern erwartet. Sonja Welzel und Martin Reimann fühlen sich bestätigt, dass es richtig war, Leon den Schulbeginn zu ermöglichen. Zweimal wöchentlich wird er seit September in die Papst-Benedikt-Schule in Straubing gebracht, ein Förderzentrum für körperbehinderte Kinder.

16.10.: PNP-Bericht "Plädoyer für eine Wende im Kopf"

Sie alle haben alle in ihrem Alltag in irgendeiner Form mit Inklusion zu tun: (v.l.) Marianne Rechhardt-Plank, Karl Bischof, Uschi Dupper, Stephan Wrana, Alban Westenberger, Manuela Dickl und Silke Drexler. Den Delegierten des Diözesanrats gewährten sie sehr persönliche Einblicke in ihr Leben.  − Foto: Osdarty

PNP (von Barbara Osdarty) : "Sie alle haben alle in ihrem Alltag in irgeneiner Form mit Inklusion zu tun (v.l.): Marianne Reichhardt-Plank, Karl Bischof, Uschi Dupper, Stephan Wrana, Alban Westenberger, Manuela Dickl und Silke Drexler. Den Deligierten des Diözesanrats gewährten sie sehr persönliche Eindrücke in ihr Leben.

Inklusion, das heißt nicht, dass alle gleich leben müssen, aber es bedeutet, dass Möglichkeiten geschaffen werden, dass jeder so leben kann, wie er möchte – und zwar ganz unabhängig von den Einschränkungen, die er möglicherweise mitbringt. Inklusion ist die Vision einer Welt, in der Menschen so angenommen werden, wie sie sind, in der jeder dazugehören kann. Dass wir davon noch weit entfernt sind, davon sind viele Mitglieder des Diözesanrats, der das höchste Laiengremium im Bistum darstellt, überzeugt. Dass alle Menschen, ganz besonders aber Christen, den Auftrag haben, auf eine Welt wie die oben beschriebene hinzuarbeiten, das steht für das Gremium ebenso fest. Aus diesem Grund hat der Diözesanrat seine Herbstvollversammlung dem Thema Inklusion gewidmet, mit dem Schwerpunkt Inklusion in der Schule.

Prof. Dr. Matthias Dalferth aus Regensburg führte in die Thematik ein und versuchte, zentrale Missverständnisse gleich zu Beginn auszuräumen. So verdeutlichte er beispielsweise anschaulich, dass Integration und Inklusion keineswegs einfach zwei Begriffe für die gleiche Sache sind. Ausführlich ging er auch auf die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein. Es war den Organisatoren darüber hinaus ein besonderes Anliegen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die in ihrem Alltag in irgendeiner Form mit Inklusion zu tun haben:  Zwei Schulleiter von Fördereinrichtungen, eine Lehrerin, die seit Jahren Inklusion betreibt, ein Fachanwalt für Sozialrecht und zwei Mütter, die selbst behinderte Kinder haben, gaben in einer Podiumsdiskussion Einblick in die Chancen, aber auch die Probleme, die mit Inklusion verbunden sind. Sie alle zeigten: Oft sind es nicht die Pflastersteine in der Fußgängerzone, die Menschen, die anders sind, ihr Leben schwer machen, sondern die Hürden in den Köpfen der Menschen. "Erst wenn sich in den Köpfen etwas ändert", betonten die Diskussionsteilnehmer, "ist Inklusion wirklich möglich – vielleicht können Veranstaltungen wie die heutige helfen, Vorurteile abzubauen."

Im Konferenzteil der Versammlung legte der Vorsitzende Wolfgang Beier seinen Bericht vor und ging dabei vor allem auf den Gesprächsprozess "Im Heute glauben" ein, wobei er für das Bistum Passau eine wichtige Aufgabe im Handeln in und für die Welt sah. Daneben betonte er, wie sehr der Diözesanrat die Position von Staatsminister Dr. Marcel Huber zum Donauausbau unterstützt. Beier schloss mit einem Ausblick auf die nächste Vollversammlung: Sie wird sich dem Thema "Aus dem Glauben heraus politisch handeln" widmen, Landtagspräsidentin Barbara Stamm wird als Referentin erwartet.

24.09.: PNP-Leitartikel "Down ist kein Grund zur Traurigkeit"

Sie fühlen und erleben sich als

Die Passauer Neue Presse berichtet heute auf ihrer dritten Seite über das "Down-Syndrom. An der K-Schule werden mit Felix und Barbara zwei Kinder mit "Trisomie 21" mit unterrichtet. Der Artikel berichtet über den Eggenfeldner Gesprächskreis betroffener Familien und den Ärger über den neuen Bluttest:

"Simon schiebt ein großes Stück Currywurst in seinen Mund. "Mmh", murmelt er und tunkt ein Kartoffelstäbchen in die rote Tomatensoße. Eine Hand nähert sich seinem Teller, Simons Mama Heidi versucht, eines der Pommes frites zu stibitzen. "Nein", presst der 18-Jährige hervor und schiebt die Hand zur Seite. Daneben löffelt Ronja, 13 Jahre alt, Stracciatella-Eis aus einem Becher. Am Tischende spießt die gleichaltrige Susanne gewissenhaft ein Spätzle nach dem anderen mit der Gabel auf. Wie die drei auf der Terrasse eines Restaurants am Eggenfeldener Stadtplatz sitzen und ihr Essen verspeisen, unterscheiden sie sich kaum von anderen Jugendlichen. Doch sie haben das Down-Syndrom. "Es ist auch nicht anders als mit anderen Kindern", sagt Heidi Sommer und lächelt.

Der neue Bluttest ärgert die Mütter:Sie ist stolz auf ihren Buben, der zwar schielt und abstehende Ohren hat, aber sonst ein aufgeweckter junger Mann ist und viel lacht. Heidi Sommer wünscht sich, dass die Gesellschaft offener wäre im Umgang mit behinderten Kindern. Besonders der vor kurzem entwickelte Praena-Bluttest für werdende Mütter ärgert die dreifache Mutter: "Ich habe damals die Fruchtwasseruntersuchung abgelehnt. Das war für mich kein Thema." Nach der Geburt habe sie sich dann aber doch gefragt: "Was habe ich den anderen angetan? Hätte ich die Untersuchung doch machen sollen?" Doch von ihrer Familie wurde Heidi Sommer nicht im Stich gelassen. Nur von Nachbarn oder Bekannten habe es vereinzelt negative Reaktionen gegeben: "Mein Mann ist dann ganz wütend geworden und hat gesagt, wenn einer unserer anderen Buben einen Unfall hätte und behindert wäre, würden wir ihn ja auch nicht umbringen." Mit der Diagnose Down-Syndrom hat sich die 54-Jährige schnell angefreundet. "Simon ist eine Bereicherung für uns. Natürlich waren wir im ersten Moment geschockt. Aber er ist ein Wunschkind", sagt Heidi Sommer. Während Simon seine Currywurst mit Pommes vertilgt, stochert Susanne weiter in ihren Käsespätzle. "Die isst sie immer alle einzeln", sagt ihre Mama Gudrun Waldemer. Da schaut die Tochter mit den langen braunen Haaren zwar ein bisschen beleidigt drein, aber aus dem Konzept bringen lässt sie sich nicht.

Beim Mittagsstammtisch des Gesprächskreises für Angehörige von Down-Syndrom-Betroffenen in Eggenfelden sitzt auch Ronjas jüngere Schwester Lea am Tisch. Die Elfjährige schleckt wie ihre ältere Schwester ein Eis. Lea ist gesund, sieht darin aber weder Vor- noch Nachteil. Sie erzählt sogar, dass es für Ronja ab und zu eine Art "Behindertenbonus" gebe: "Früher hat sie das Eis immer so bekommen, einfach weil sie ein bisschen anders aussieht." Doch so leicht ist das Leben nicht immer. Gleich nach der Geburt stellten die Ärzte bei Ronja einen Herzfehler fest, der nur durch eine OP korrigiert werden konnte. Probleme mit dem Herzen sind bei Down-Kindern eine häufige Komplikation. Viele Untersuchungen musste auch Simon über sich ergehen lassen. "Das erschlägt einen fast, weil man so oft von Arzt zu Arzt muss, das hat uns schon belastet", sagt Heidi Sommer. Als Simon dann in den Kindergarten kam, hätten viele Angst vor "dem Unbekannten" gehabt. Doch nach und nach sei diese gewichen. Auch die Mütter von Ronja und Susanne haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

Die 13-jährige Ronja springt vergnügt zu ihrer Mama Angela. Die pink- und orangefarbig leuchtenden Spangen können das blonde Haar kaum bändigen. Ronja hat einen Prospekt über einen Freizeitpark entdeckt. Sie tippt ihre Mama an. Gegen die Sommerrodelbahn hat Angela Baumgartner nichts einzuwenden. Ronja strahlt über das ganze Gesicht und vertieft sich dann in ein Buch. Heidi Sommer schiebt Simons Teller beiseite: "Simon ist ein Gesellschafts-Esser." Er könne ewig "dahinessen". Doch mit Down-Kindern müsse man konsequent sein. "Da lernt man richtig die Erziehung", sagt Gudrun Waldemer. Die Frauen am Tisch sind sich einig, wenn sie erzählen, wie viel Freude sie an ihren Kindern haben. Das belegt auch eine neue Studie der Universität Montreal: 97 Prozent der befragten Eltern von Down-Kindern gaben an, ein erfülltes Leben zu führen. Außerdem waren sie überzeugt, dass ihr Kind glücklich ist. So wie die Eggenfeldener Mütter. Das Essen ist beendet, auf die Kinder wartet aber noch eine Aufgabe. Im alten Eggenfeldener Rathaus hängen noch die Bilder der Down-Kinder, die im Rahmen einer Ausstellung über junge Menschen mit Down-Syndrom zu sehen waren. Susanne, Ronja und Simon recken ihre Finger zu den Fotos: "Kennst du ihn?" "Nein." "Und die?" "Ja, das bin ich doch selber." Ein Bild nach dem anderen tragen die Fotomodelle nach unten, wo Gudrun Waldemer die 20 Bilder auf Holzrahmen in ihr Auto verfrachtet. Dann ist endlich "Feierabend". Simon verbringt den Samstag am liebsten bei seiner Oma und ist deswegen schon ein bisschen quengelig. "Ich will Spazieren gehen und Radl fahren auf dem Heimtrainer", sagt Simon. Das habe er wohl von seinem Papa, der fahre auch viel Fahrrad.

"Wir leiden nicht, in keiner Weise":Während Simon zu seiner Oma braust, albern Ronja und Susanne im Eggenfeldener Stadtpark herum. Zwischen grünen Pflanzen schaukeln sie wild durch die Luft und erzählen sich Geheimnisse. Eines der Mädchen springt von dem Schaukelbrett und läuft zur Rutsche, das andere hinterdrein. Die Mütter betrachten das Treiben amüsiert aus der Ferne. "Wir leiden nicht, in keiner Weise. Die Kinder sind gut aufgenommen in der Gemeinschaft", sagt Heidi Sommer. Natürlich könne sie die Ängste verstehen, die Eltern vor der Geburt plagen. Doch sie möchte allen Eltern Mut und Zuversicht zusprechen. "Down-Kinder wachsen genauso auf wie ihre gleichaltrigen Spielkameraden − nur eben verzögert."

05.09.: PNP berichtet über die Vergabe der Busförderung

Nächsten Donnerstag beginnt die Schule wieder. Viele Kinder der K- und der G-Schule Grubweg werden an diesem ersten Morgen ein neues Gesicht am Steuer ihres Busses sehen. Der Malteser Hilfsdienst (MHD) übernimmt den kompletten Fahrdienst für die 280 körperlich oder geistig behinderten Schüler. Die Caritas als Schulträger hat die Fahrten im Juli neu ausgeschrieben. Der Auftrag wurde in mehrere Lose unterteilt und nun liegt das Ergebnis vor: Die Malteser bekommen alle Fahrten. Das Paket beläuft sich auf eine gute Million Euro.

Von diesem Kuchen erhielt der MHD schon bislang das größte Stück, er war das Standard-Transportunternehmen der St.-Severin-Schule, die die K- und die G-Schule beinhaltet. Rund eine Million Kilometer fuhren die Malteser bislang für sie, teilt Diözesan-Geschäftsführer Rainer Breinbauer mit. Jetzt werden es einige mehr werden, wie viele genau weiß noch niemand. Die Schulleiter Karl Bischof (K-Schule) und Thomas Deschner (G-Schule) tüfteln derzeit an der Einteilung der Linien. Eine schwierige Aufgabe bei dem riesigen Einzugsgebiet, das tief ins Rottal hineinreicht, bis nach Zwiesel und hinauf ins Deggendorfer Land. Um das bewältigen zu können, haben die Malteser neue Fahrzeuge beschafft, bzw. bestellt. Breinbauer spricht von rund 15 neuen Kleinbussen, einigen Autos, teilweise mit rollstuhlgerechten Hebebühnen. Auch wurden neue Mitarbeiter eingestellt. Ein Teil davon kommt von den Bus- und Taxi-Unternehmern, die bei der Neuvergabe nicht mehr zum Zug kamen. Die Stimmung unter ihnen ist etwas angesäuert. "Wir haben einige Leute entlassen müssen und Fahrzeuge verkauft", berichtet zum Beispiel die Chefin des Bus-Unternehmens Escherich aus Wegscheid. Im vorigen Jahr habe es noch geheißen, man sei mit den Preisen bestens dabei "und jetzt plötzlich das." Was allen unterlegenen Transport-Unternehmen besonders sauer aufstößt: Nun arbeiten zwei kirchliche Unternehmen zusammen unter Ausschluss privater Anbieter. Von Wettbewerbs-Verzerrung ist die Rede, weil die Malteser auch auf ehrenamtliche Helfer oder z. B. Bufdis (Nachfolger der Zivildienstleistenden) zurückgreifen können und sich so viele Personalkosten sparen. MHD-Geschäftsführer Breinbauer weist das zurück. Erstens laufen die Fahrdienste ihm zufolge in der Malteser gGmbH und in der gebe es keine Ehrenamtlichen. Zum zweiten gelte die Regel, dass ein Bufdi niemals einen hauptamtlichen Mitarbeiter ersetze. Er freue sich, auch geringfügig Beschäftigte fair entlohnen zu können.

Die Beförderung von Kindern und Jugendlichen mit Handicap stellt natürlich ungleich höhere Anforderungen an Fahrer und Fahrzeug als der "normale" Schülertransport. Das spiegelt sich in den Ausschreibungs-Unterlagen wider, die so umfangreich sind, dass die Caritas sie nicht selbst verfasste, sondern ein Töginger Projektbüro damit beauftragte. Rund 40 Seiten umfasste der Anforderungskatalog. Der Chef eines Busunternehmens, das bislang für die Severin-Schule fuhr: "Mir war gleich klar, dass das so zugeschnitten ist, dass die Malteser es bekommen." Also sparte er sich die Arbeit und machte bei der Ausschreibung gar erst nicht mit. Caritas-Vorstand Dr. Michael Bär begrüßt das Ergebnis: "Die Malteser sind ein nahestehender Partner. Sie sind zuverlässig, wir sind froh, mit ihnen zu tun zu haben." Die Schulleiter Bischof und Deschner hätten nichts dagegen gehabt, wenn es so weitergelaufen wäre wie bisher: "Es gab keine großen Probleme. Unsere Schüler kennen die Fahrer, sind an sie gewöhnt." Doch auch mit den Maltesern als Alleinunternehmer könne man sicher gut leben. Ihnen ist wichtig, "dass nicht irgendein fremder Unternehmer mit Dumping-Preisen irgendwoher kommt und nach einem halben Jahr ist er pleite und weg." Dieser Gefahr ging man auch aus dem Weg, indem so lange wie möglich nicht neu ausgeschrieben wurde. Normalerweise fordert die Regierung von Niederbayern das alle drei bis vier Jahre. St. Severin machte das zuletzt vor zwölf Jahren, informiert Regierungssprecher Michael Bragulla. "Die Standards setzt aber die Schule selbst fest − und sie ist auch für deren Kontrolle verantwortlich."

Passau. Seit Januar 2010 ist Dr. Wolfgang Kues Direktor der Caritas im Bistum Passau. Der 1964 in Meppen geborene promovierte Theologe und diplomierte Betriebswirt verantwortet in Passau einen Haushalt von rund 120 Millionen Euro und ist für rund 5000 Mitarbeiter zuständig. Im PNP-Interview erklärt er, welche Visionen er für den Caritasverband hat.

Sie haben über 200 Kindergärten, viele Krippen und Horte. Macht Ihnen die Novellierung des Bayerischen Kindergarten- und Betreuungsgesetzes zu schaffen? Können Sie mit dem vorhandenen Personal die immer mehr werdende Arbeit noch bewältigen?

Dr. Wolfgang Kues: Die Novellierung des Kindertagesstättengesetzes reicht nicht vollständig aus. Es geht in erster Linie um einen Personalschlüssel, um die Qualität der Betreuung der Kinder in den Einrichtungen. Das zweite, was wir immer gefordert haben, ist eine solide, saubere und einigermaßen auskömmliche Finanzierung. Das ist im Moment das Problem. Es gibt einen Basiswert, die sogenannte kindbezogene Förderung. Da müsste man noch mal ran und den Wert modifizieren, sonst kommen wir auf Dauer in Schwierigkeiten. Es wird die Kommunen auf Dauer belasten und auch uns als Träger, weil ja nicht unerhebliche Kirchensteuermittel in der Kindertagesstättenlandschaft stecken.

Ist der Personalschlüssel zu niedrig? Wie sollte eine Verbesserung ausschauen? 

Kues: Er muss mindestens eins zu zehn betragen. Eine Erzieherin, eine Fachkraft auf zehn Kinder. Dann haben wir noch die Differenzierung zum Beispiel bei behinderten Kindern. Es ist ja politischer"Fundament sind unsere über 14 500 Mitglieder" Wille und auch richtig, dass beeinträchtigte Kinder in den Regeltagesstätten gefördert werden. Hier gibt es einen höheren Schlüssel, weil der Betreuungsaufwand größer ist. Wir haben auch Kinder mit Migrationshintergrund, da sind Sprachförderungen notwendig.

Wie lange ist der Spagat zwischen Finanzierung und optimaler Betreuung auszuhalten?

Kues: Diesen Spagat müssen wir derzeit leider als Caritasverband aushalten, aber auch die Kommunen, auch teilweise die Eltern, sie müssen ja einen Beitrag leisten. Für mich ist es ein sehr bemerkenswertes Gesetz. Wir haben seit Mitte der Neunzigerjahre eine Ökonomisierung der sozialen Arbeit beobachtet. Man versucht, marktwirtschaftliche Elemente in die soziale Arbeit einzufügen. Das haben wir zum Beispiel mit Einführung der Pflegeversicherung erlebt. Wenn man auch den Elementarbereich, den Kindertagesstättenbereich ökonomisiert, dann muss man sich klar darüber sein, dass es auskömmlich finanziert sein muss und Risiken gleich verteilt sind. Das scheint mir im Moment nicht der Fall zu sein.

Die Landesregierung sieht das anders . . . 

Kues: Ja, mich wundert auch, dass das Gesetz in dieser Form eingeführt worden ist. In den stationären Altenpflegeeinrichtungen beispielsweise hängt die Finanzierung letztlich von der Belegung ab. Man kalkuliert eine Durchschnittsbelegung von 95 Prozent, damit diese fünf Prozent bis zur Vollbelegung als Puffer dienen. So etwas haben wir bei den Kindertagesstätten nicht, obwohl die Finanzierung auch von der Belegung abhängt.

Der Gesetzgeber gesteht jedem Kind einen Betreuungsplatz zu. Die Krippen schießen wie Pilze aus dem Boden. Was wirft das für die Träger für Probleme auf?

Kues: Das ist weniger für die Träger ein Problem, weil dank des Konjunkturpaketes viele Mittel bereitgestellt wurden und gerade die Kommunen sehr stark bemüht waren, Mittel zu generieren und Baumaßnahmen durchzuführen. Wir müssen aber wohl ein wenig aufpassen bei unserer Bevölkerungsentwicklung. Können in zehn, fünfzehn Jahren die Immobilien, die heute geschaffen werden, mit Kindern gefüllt werden? Ich habe an der Stelle etwas Bedenken. Wir sind jedoch alle dafür verantwortlich, unsere Region so attraktiv zu machen, dass Menschen hier leben, Familien hier leben, Kinder geboren werden.

Wie ist denn Ihre grundsätzliche Meinung zum Betreuungsgeld?

Kues: Ich habe eine differenzierte Haltung dazu. Grundsätzlich ist die Überlegung, die Elternverantwortung in der Familie zu stärken, ausdrücklich zu begrüßen. In der konkreten Ausformung des Betreuungsgeldes habe ich meine Bedenken. Denn einem Hartz-IV-Empfänger wird das Betreuungsgeld auf die Regelleistung angerechnet, eine Alleinerziehende, die selbst erziehen will, jedoch einen Kita-Platz nehmen muss, bekommt kein Betreuungsgeld. Zeitgleich bekommt aber ein Ehepaar, das sich ein Aupair-Mädchen leisten kann und damit keine öffentlich geförderte Krippe in Anspruch nimmt, das Betreuungsgeld. Dass das nicht zusammenpasst, darauf müssen wir als Caritasverband hinweisen.

Wie beurteilen Sie die Diskussionen nach der Schlecker-Insolvenz, die in die Richtung gingen, Verkäuferinnen zu Erzieherinnen umzuschulen?

Kues: Immer wenn irgendwo ein Arbeitskräfteüberhang besteht, versucht man, Arbeitslose in den Sozialbereich zu bringen. Wir hatten das schon einmal bei der Altenhilfe. Man hat gemeint, möglichst viele Hartz-IV-Empfänger über Qualifikationsmaßnahmen in die Altenhilfe zu bringen. Das muss scheitern. Einen solchen Beruf muss man wollen und sich dazu berufen fühlen. Die eine Seite sind die Schleckerfrauen − den Begriff empfinde ich übrigens als Verunglimpfung − die angesprochen werden sollen und auf der anderen Seite gibt es eine Diskussion über die Akademisierung dieser Berufe. Das passt nicht zusammen.

Die Erzieherinnen zum Beispiel sind ja über fünf Jahre hinweg gut ausgebildet?

Kues: Ja. Da muss etwas passieren, ohne Zweifel. Ich habe mich über die öffentliche Diskussion gewundert, als man feststellte, dass bei zunehmender Krippenzahl möglicherweise das notwendige Personal fehlt. Man muss sich vorher Gedanken darüber machen.

Die Erzieher und Erzieherinnen hierzulande werden ziemlich stiefmütterlich behandelt?

Kues: Die Ausbildung dauert fünf Jahre. In dieser Zeit machen Akademiker ihr Studium und verdienen dann im Vergleich zu den Erziehern deutlich mehr. Wenn der Beruf attraktiv bleiben soll, besteht Handlungsbedarf.

Die Caritas ist ein großer Arbeitgeber. Wer bei der Caritas beschäftigt ist, ist bei der Kirche beschäftigt und die ist ein strenger Arbeitgeber, Stichwort Geschiedene und Wiederverheiratung. Da ist oft von christlicher Nächstenliebe oder christlicher Großherzigkeit keine Rede mehr.

Kues: Die Regeln sind klar. Aber ob sie immer so streng sind, wie es gerne kolportiert wird, bezweifle ich. Die kirchliche Grundordnung ist angesprochen. Es gibt abgestufte Loyalitätskriterien. Wenn jemand eine Leitungsfunktion übernehmen will, dann müssen bestimmte Loyalitätskriterien erfüllt sein. Bei anderen Funktionen, in denen man nicht in die Nähe der kirchlichen Verkündigung kommt oder keine Leitungsfunktion hat, sieht die Grundordnung eine andere Praxis vor. Die Fälle, die es in"Ja, langweilig ist es bei uns nicht" die Medien schaffen, sind oft tragische Fälle, bei denen man aufgrund des Regelwerkes teilweise nicht anders handeln kann. Dass es nach außen hin dann als Unbarmherzigkeit interpretiert wird, ist gewissermaßen nachvollziehbar. Es gibt im kirchlichen Spektrum viele Signale, dass man sich an dieser Stelle eine Weiterentwicklung wünscht, weil es ja auch um das Scheitern von persönlichen Lebensentwürfen geht.

Sie bekommen Ihr Geld unter anderem aus Kirchensteuermitteln, sechs Millionen, die nach oben hin gedeckelt sind. Dabei sind die Einnahmen aus den Kirchensteuern gestiegen. Wie ist die finanzielle Situation der Caritas?

Kues: Ich würde sagen, dass wir in den entgeltfinanzierten Einrichtungen, Altenheime und Behindertenheime, Pflege- und Entgeltsätze verhandeln konnten, die uns die Arbeit gut ermöglichen. Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir auch von den Kommunen und vom Bezirk mit Zuschüssen versehen werden, die es uns ermöglichen, zum Beispiel eine Suchtberatungsstelle oder eine Erziehungsberatungstelle vorzuhalten. Die Kirchensteuermittel sind ja eigentlich dazu da, Dinge zu finanzieren, von denen wir heute schon wissen, dass sie definitiv nie kostendeckend sein werden, aber notwendig sind. Das zweite Kriterium ist, dass wir als Kirche sagen, da wollen wir für die Menschen präsent sein, in der Beratung zum Beispiel oder den Kitas. Das Geld kann natürlich immer mehr sein, aber es gibt momentan keinen Grund zu klagen.

Wenn Sie mehr Mittel hätten, was würden Sie damit machen?

Kues: Ich könnte mir innovative Projekte für behinderte Menschen vorstellen, die die Inklusion verwirklichen. Das zweite wären armutsorientierte Projekte. Wir haben auch in Südostbayern immer wieder soziale Brennpunkte, wo wir mit den normalen Strukturen von Beratungsstellen gar nicht ankommen und wir viel niedrigschwelliger agieren müssen. Ein weiteres Feld ist die Wohnungslosenhilfe, ein Bereich, der leider oft ein Schattendasein führt.

Wie man hört, gehen die durch Sammlungen erzielten Gelder zurück, sowohl die von ehrenamtlichen Sammlern als auch die Kollekten in Gottesdiensten. Wie fangen Sie diese Mindereinnahmen auf?

Kues: Da muss man differenzieren. Die Einnahmen stagnieren. Aber die Anzahl der Sammler geht zurück. Sie sind oft schon älter. Auffangen kann man das nur, indem man sich kreativ auf neue Wege der Spendenakquise einlässt. Der Mailingweg ist eine Möglichkeit. Wir sind aber auch dabei, über neue Wege von Fundraising nachzudenken. Wir müssen auch neue Zielgruppen erreichen, auch junge Menschen.

Sie haben eine Vision mit dem Titel "Caritas 2018" entwickelt? Was hat es damit auf sich?

Kues: Wir wollen Meinungsführer werden. Das heißt nicht, dass wir in jedem Feld der sozialen Arbeit die meisten Einrichtungen haben, sondern dass wir bestimmte Themen besetzen, bei denen jeder weiß, dass man im Caritasverband einen kompetenten Ansprechpartner hat. Ein Beispiel: Bei der Behindertenhilfe weiß jeder: die Caritas fragen wir, die haben nicht nur Einrichtungen, die können auch politisch etwas sagen. Dasselbe gilt zum Beispiel auch für Armutsfragen. Wenn man uns zu diesen Themen anspricht, dann bekommt man eine fachlich fundierte Antwort, nicht eine Antwort, die nur schnell in die Gazetten kommt und eine Headline hergibt.

Sie sehen als Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche nicht nur soziale und gesellschaftliche, sondern auch politische Aufgaben?

Kues: Unbedingt. Die Caritasverbände in Deutschland haben immer eine sozialpolitische Aufgabe. Es wäre zu wenig, wenn wir nur Träger von Einrichtungen wären und nicht die Interessen derjenigen, die bei uns betreut werden, auch in der Politik vertreten. Beispielsweise, wenn es Tendenzen gibt, behinderte Menschen nach ihrer Verrentung aus der Werkstatt in einem Pflegeheim unterzubringen. An der Stelle müssen wir widersprechen und uns kritisch einbringen und zu Wort melden.

Wie wollen Sie die Vision 2018 umsetzen?

Kues: Das Fundament sind unsere über 14 500 Mitglieder, tausende Ehrenamtliche, die im Kleinen das tun, was wir als Zentrale nicht tun können, sehr konkret vor Ort hinschauen und helfen. Was in der Vision steht, ist aber im Wesentlichen ein Ansporn für die Fachleute in unserem Hause. Wenn ich zum Beispiel eine fachlich fundierte Stellungnahme abgeben will, muss ich im täglichen Geschäft sein.

14 500 Mitglieder. Das ist eine starke Macht? Im öffentlichen Konzert wird die Caritas aber gar nicht mehr so wahrgenommen?

Kues: Es ist ein Teil der Vision, das zu ändern. Wir wollen uns öffentlich einbringen mit den Themen, die wir zu besetzen haben, und"Harte Arbeit, die gut bezahlt werden sollte" auch landes- oder bundesweite sozialpolitische Themen ansprechen. Uns unterscheidet aber von so manchem anderen Akteur, dass, wenn wir eine Stellungnahme abgeben, diese dann fundiert und differenziert ist und nicht nur eine schnelle Schlagzeile bringen soll.

Bei der Vision geht es um einen inhaltlichen und strukturellen Umbau der Caritas?

Kues: Inhaltlich: Wir wollen unsere Einrichtungen alle mit einem sozialräumlichen Profil versehen. Eine Behindertenhilfeeinrichtung zum Beispiel kann auf der Wiese stehen und mit dem, was drum herum passiert, nichts zu tun haben. Was wir wollen, ist, dass unsere Einrichtungen in das Gemeinwesen eingebunden sind. Wir laden das Gemeinwesen ins Haus ein, wir integrieren dadurch die Menschen, die wir betreuen. Strukturell ist es so, dass wir bei uns im Haus einen Organisationsentwicklungsprozess durchmachen. Die Vision ist letztlich für einen Fünfjahreszeitraum gedacht. Aus dieser Vision ergeben sich für jedes Jahr Ziele für den Gesamtverband, daraus brechen wir für unsere einzelnen Abteilungen Ziele herunter. Das heißt, wir verstehen unser Management und unsere Führung als Führen mit Zielen. Das setzt eine ganze Menge bei den Mitarbeitern, aber auch bei den Führungskräften voraus.

Das hört sich nach größerer Baustelle an?

Kues: Ja, langweilig ist es bei uns nicht. Alle Veränderungsprozesse machen zunächst einmal unsicher und machen Angst. Dem Vorstand des Diözesan-Caritasverbandes geht es letztlich darum, die Arbeit, für die wir stehen, so effizient zu gestalten, dass wir unsere Ziele erreichen, dass wir für die Menschen, für die wir da sind, unsere Kraft einsetzen können.

Wie ist konkret bei der Altenpflege das Konkurrenzverhältnis zu den privaten Einrichtungen?

Kues: Dass es die private Konkurrenz gibt, ist eine Tatsache. Das ist aber nicht schlimm und vom Gesetzgeber so gewollt. Die privaten Anbieter sind in vielen Bereichen günstiger, was die Pflegesätze angeht. Die Privaten haben aber oft ein anderes Gehaltsgefüge als wir. Unsere Tarife sind an den öffentlichen Dienst angedockt. Ich verteidige das ganz bewusst, denn es geht nicht um irgendeinen Job, sondern um harte Arbeit, die gut bezahlt werden sollte. Viele gut ausgebildete Mitarbeiter kommen gerne zur Caritas, weil wir einen guten Ruf haben und weil man bei uns auskömmlich verdienen kann. Ansonsten müssen wir gegenüber den privaten Mitbewerbern durch Qualität überzeugen. Das sind Dinge, die man nicht verstecken muss. Im ostbayerischen Raum haben wir eine Bevölkerung, der ein kirchliches Profil im Alter wichtig ist. Auch dafür stehen wir.

Das Interview führten Ernst Fuchs und Stefan Rammer

21.07.: PNP berichtet über neuen Sportrollstuhl für Tenniskids

Große Freude herrscht bei der Tennisgruppe darüber, dass nun ein weiterer Sportrollstuhl zur Verfügung steht. Gespendet wurde er vom Verein

Büchlberg. Das ist gelebte Inklusion, wenn die körperbehinderten Schüler der St.-Severin-K-Schule in die Tennishalle des DJK TC Büchlberg zum Training kommen. Der Coach ist Weltranglistenspieler Peter Seidl, der Tennissport ebenfalls vom Rollstuhl aus betreibt. Seidl kann sich jetzt mit seinen Schülern über einen weiteren Sportrollstuhl freuen und damit über Zuwachs in der Tennisgruppe. "Wir haben gesehen, wie begeistert sich die Kinder in der Halle bemühen, das Tennisspielen zu lernen und dass ihnen noch Sportrollstühle abgehen", meinte Helmut Meisl, der Sprecher der Vorstandschaft des Vereins "sportlich helfen". Als Peter Seidl meinte, so ein Sportrollstuhl koste über 4000 Euro, da habe man einmal kurz geschluckt. "Wir haben uns anschließend in der Vorstandschaft abgesprochen und entschieden, die Kinder der K-Schule bekommen einen Sportrollstuhl", so Meisl weiter. Das löste natürlich bei der Tennisgruppe der K-Schule Freude aus. Bisher spielen regelmäßig sieben Kinder mit Trainer Peter Seidl. Einmal pro Woche fährt die Gruppe von Passau-Grubweg in die Büchlberger Halle. Da wird zunächst aufgewärmt, dann rund 20 Minuten lang Hockey gespielt. "Vier bis fünf weitere Kinder warten schon auf den Einstieg in die Tennisgruppe", erläutert Daniela Hasbauer von der K-Schule, die schon seit fast fünf Jahren dafür verantwortlich ist. Sie stellte den Gästen die Gruppe vor, in der Patrick schon ein echter Crack ist, weil er ja auch schon über drei Jahre lang spielt. "Der könnte auch in einem Tennisverein schon mittrainieren", meint Hasbauer anerkennend. Auch Benni, der keine Unterschenkel mehr hat, ruft: "Tennis macht mir Spaß." Schulsprecherin Bianca Brandl erzählte vom Training mit Peter Seidl, bei dem jetzt auch die Kleinen mitmachen wollen. Seidl wäre bereit, sogar eine zweite Gruppe aufzumachen. Aber ohne Sportrollstühle ist das nicht möglich. "Die Kinder werden in ihren Rollstühlen meist geschoben", erklärt Schulleiter Karl Bischof. Im Sportrollstuhl müssen sie selbst aktiv werden und anschieben, das sei für sie eine ganz neue Erfahrung. Bischof dankte dem Verein "sportlich helfen" für die Spende. Es sei nicht das erste Mal, dass von dort eine große Unterstützung komme. Gerade mal 30 Mitglieder habe man, erklärt Helmut Meisl, Passive und Aktive, dazu noch Gönner. Alle stammten aus der Region, weshalb auch Kinder in der Region gefördert werden. Bisher gebe es eine sportliche Kooperation der K-Schule mit dem DJK TC Büchlberg und dem WSV Otterskirchen, führte der Rektor weiter aus. "Es wäre schön, wenn noch weitere Vereine eine aktive Zusammenarbeit eingehen würden", meint Karl Bischof. Es sei wichtig, dass die Kinder, wenn sie die Schule einmal verlassen, sich auch weiterhin sportlich betätigen. "Übrigens, die Eltern stehen voll dahinter", so der Schulleiter. Sie sähen ja auch die tollen Fortschritte, die ihre Kinder dadurch machen. Der Schulleiter versprach dabei zu sein, wenn am 6. Oktober zwei Läufer des Vereins in der Passauer Fußgängerzone ankommen. Thomas Dobler und Guide Herzog werden tags zuvor am Kapellenplatz in Altötting starten und nonstop nach Passau laufen, und das alles wieder für einen guten Zweck. (Bericht Josef Heisl)

17.05.: PNP berichtet von einer Studie über Schulbegleiter

Passau. Im Zuge der Inklusion wächst der Bedarf an Schulbegleitern für Kinder mit Behinderungen erheblich. Um 37 Prozent ist ihre Zahl seit 2008 in Niederbayern gestiegen. Doch dies offenbart nicht nur finanzielle und personelle Defizite an Förder- und Regelschulen, sondern auch inhaltliche und formale, sagt Sascha Schneider von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Bayern Gemeinsam Leben − Gemeinsam Lernen e.V.

Von 274 Schulbegleitern in Niederbayern waren 2010/11 an Regelschulen 33, an Schulen für Körperbehinderte 63 und an Schulen für geistig- und mehrfachbehinderte Kinder 178 eingesetzt. Über die Hälfte haben als Zweitlehrkraft fungiert, wie der Sonderschullehrer Dr. Wolfgang Dworschak vom Pädagogik-Lehrstuhl der Ludwig-Maximilians-Universität München in seiner aktuellen Studie zu Schulbegleitern 2010/2011 in Bayern darlegt.

Nur für lebenspraktische Hilfe vorgesehen

Und dies, obwohl "Schulbegleiter keine Zweitlehrkräfte, Nachhilfelehrkräfte, Hausaufgabenbetreuer oder Assistenten bei der Vermittlung der Unterrichtsinhalte" sein dürfen. So steht es in einer überarbeiteten gemeinsamen Empfehlung des Verbands der bayerischen Bezirke und des Kultusministeriums vom 1. März dieses Jahres, die der UN-Behindertenkonvention angepasst wurde. Danach sollen Schulbegleiter beitragen, dass Schüler mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen den Schulalltag besser und möglichst selbstständig bewältigen können − durch lebenspraktische und pflegerische Tätigkeiten.

Experten scheint die Empfehlung nicht genug, sie schlagen Alarm − aus mehreren Gründen. Prof. Roland Stein vom Institut für Sonderpädagogik an der Uni Würzburg warnt vor einer "Deprofessionalisierung der Sonderpädagogik", sofern unqualifizierte Schulbegleiter pädagogische Aufgaben übernehmen − und sofern Schulen mit Schwerpunkt Inklusion ohne adäquate Vorbereitung und Ausstattung die bewährten Sonderschulen ablösen würden. Dworschaks Studie scheint Steins Befürchtungen zu untermauern, denn die Hälfte der Schulbegleiter soll fachfremd oder in Ausbildung sein, 13 Prozent fühlen sich nach eigenen Angaben gar unsicher.

Die Initiative Qualifizierte Schulbegleitung in Unterfranken hatte die weitreichenden Konsequenzen für Schüler − von Überforderung bis zu unzureichender Integration − bereits Anfang 2011 dem Bayerischen Landtag in einer Petition mit mehr als 2200 Unterstützern vor Augen geführt. Unterzeichner Prof. Manfred Stollenwerk: "Die derzeitigen Vereinbarungen zur Regelung von Schulbegleitung haben sich als nicht praxistauglich erwiesen." Er forderte neue Verhandlungen zwischen Bezirken und Staatsregierung. Die LAG sieht den Ausweg im Einsatz pädagogischer Zweitkräfte an Regelschulen, um Klassen mit behinderten Kindern gerecht werden zu können. Schneider: "Diese Kräfte müssen pädagogisch ausgebildet sein, um mit der Lehrkraft zusammenzuarbeiten, damit alle Kinder profitieren. Unser Ziel ist nicht ein Nebeneinander von Schülern mit und ohne Behinderung, sondern das Miteinander."

Die jetzt praktizierte Schulbegleitung stigmatisiere behinderte Kinder jedoch, kritisiert Hannelore Langwieser, Behindertenbeauftragte des Bezirks Niederbayern. "Schulbegleiter bringen Behinderte aufgrund der Einzelbetreuung durch eine schulfremde Person in eine Sonderrolle." Zuweilen würden zum Lernen sogar andere Räume aufgesucht. Schneider kennt auch Bezirke, in denen im Unterricht hospitiert und der Schulbegleiter entzogen wurde, sobald er anderen Schülern geholfen hatte. Das entspreche nicht der geforderten Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention durch Inklusion. "Auf diese Weise kann ein inklusives Schulsystem nicht realisiert werden", sind sich Langwieser und Schneider einig. "Der Einsatz der Schulbegleiter darf nicht länger dazu dienen, Personaldefizite auszugleichen."

Eltern müssen zu Arbeitgebern werden Der Verband der bayerischen Bezirke hat den Freistaat daher per Resolution aufgefordert, Regelschulen personell so auszustatten, dass eine Beschulung junger Menschen mit Behinderung ohne Schulbegleiter möglich wird − und damit ohne Eingliederungshilfe. Unverzichtbar sei der rasche Ausbau des Einsatzes von Kräften des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes (MSD). Die LAG fordert aber stringent Zweitkräfte als pädagogische Assistenz an Schulen mit behinderten Kindern.

Das würde aber die Kosten in die Höhe treiben und verlagern − bisher finanzieren die Bezirke die Schulbegleiter auf Antrag der Eltern als Leistungen der Eingliederungshilfe. Die Vergütung pro Betreuungsstunde liegt bei durchschnittlich 13 Euro, die wöchentliche Betreuungszeit im Schnitt bei 25 Stunden. Teils müssten Eltern für die Kosten in Vorleistung gehen oder mit den Schulbegleitern selbst Arbeitsverträge abschließen. Sascha Schneider: "Mit den Arbeitgeberpflichten wie Entgeltfortzahlung im Krankheitsfalle werden Eltern allein gelassen − wobei ihnen staatlicherseits noch nicht mal Muster-Schulbegleiter-Verträge zur Verfügung gestellt werden." Und dies, obwohl die Bayerische Verfassung in Art. 129 die Unentgeltlichkeit des Schulbesuchs gewährleiste. Schulbegleiter − gerade an Regelschulen − seien schulische Angelegenheit, betont Schneider. Sozialministerin Christine Haderthauer geht bei der Schulbegleitung jedoch von reiner Assistenz aus: "Die Schulbegleiter erfüllen einen sozialhilferechtlichen Hilfebedarf. Es erscheint nicht sinnvoll, diesen aus der Zuständigkeit des Sozialministeriums herauszulösen und auf das Kultusministerium zu übertragen." Das Kultusministerium sieht Inklusion als "gesamtgesellschaftliche Aufgabe", wie Pressesprecher Ludwig Unger betont. Praxiserfahrungen, die im ersten Jahr inklusiven Unterrichts gesammelt werden, müssten aber ausgewertet und mit den Beteiligten besprochen werden. Aber: "Nicht alles, was zeitlich während des Besuchs der Schule notwendig ist, liegt auch automatisch in der Kostenverantwortung des Freistaats."

Dennoch hoffen die Kritiker des bestehenden Systems, dass die LMU-Studie die Entscheider von nötigen Änderungen und mehr Fachpersonal überzeugt. Der Sozialausschuss im Landtag hat das Thema aktuell auf dem Tisch.

FAKTEN DER LMU-STUDIE Über die Hälfte (53,5 %) der Schulbegleiter (SB) hat einen sozialen Beruf erlernt, knapp ein Viertel (24 %) ist fachfremd, knapp ein Viertel (22,5 %) geht der Tätigkeit während des Freiwilligen Sozialen Jahres oder Studiums nach.

Über die Hälfte (51,7 %) der SB gibt an, nicht eingearbeitet worden zu sein. Rund die Hälfte plant aber eigene Sequenzen für die Einzelförderung (56,3 %) bzw. bereitet Unterrichtsmaterial ( 47,1 %) vor.

Über die Hälfte der SB fühlt sich ausreichend qualifiziert (54,8 %), 2 Prozent nicht, ein knappes Drittel (32, 7 %) sagt eher ja, knapp 11 % sagen eher nein.

Fachspezifische Qualifikation war in 38,8 %der Fälle Voraussetzung für die Tätigkeit − meist im pädagogischen Bereich (80 %!), im psychologischen/kommunikativen (16,7 %) oder auch im medizinischen (6,7 %).

Knapp 90 %der SB, aber nur 79 % der Klassenleiter geben an, der Schüler sei besser integriert. 3,6 % der Klassenleiter bescheinigen der SB gar negative Wirkung.

Als Alternative zur SB sehen drei Viertel der Klassen-, Schulleiter und MSD-Lehrer nur ein durchgängiges Zwei-Lehrer-System.

In rund 95 % der Fälle wurden SB für den Besuch an Allgemeinschulen beantragt. Die Praxis zeigt, dass sie nicht selten als Spezialisten für Sonderpädagogik wahrgenommen und eingesetzt werden, auch ohne Qualifikation. Jeder zweite MSD-Lehrer gibt an, dass SB die Aufgabe haben, "den Unterricht an den Schüler ... anzupassen". 90 % der SB begründen ihren Einsatz mit Lernen und fordern daher eine bessere Qualifikation.

89,5 % der MSD-Lehrkräfte geben an, dass der Schüler beim Besuch eines Förderzentrums mit Schwerpunkt geistige Entwicklung keine SB bräuchte. Grund: An Regelschulen befinden sich weniger beeinträchtigte Schüler in Integration. An Förderschulen gibt es nur wenige mehrfachbehinderte Schüler, die ausschließlich SB zur Pflege bekommen, ohne dass diese pädagogisch arbeiten.

Studie: Dr. Wolfgang Dworschak "Schulbegleitung im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung an der allgemeinen Schule − Ergebnisse einer bayerischen Studie im Schuljahr 2010/11" mit 58 Schulen und 290 Lehrkräften, LMU, Lehrstuhl für Pädagogik b. geistiger Behinderung/Pädagogik b. Verhaltensstörungen

26.03.: PNP berichtet über glanzvollen Auftritt der Power-Girls

... "Als erste beeindruckte Jaqueline Pöppl von der K-Schule, die nicht sprechen kann, aber mit einem Sprachcomputer die erste Ansage der Tanzgruppe "Power Girls" ihrer Schule übernahm. Die Mädels boten dann auch gleich tolle Tänze und akrobatische Figuren. Rollstuhl-Tennis-Crack Peter Seidl erläuterte die Kooperation mit der K-Schule Passau-Grubweg, die zum Tennisspielen im Rollstuhl regelmäßig nach Büchlberg komme. Diese Sportart unterscheide sich vom Tennis nur dadurch, dass der Ball zweimal aufspringen dürfe, erklärte der national und international erfolgreiche Seidl. Die V.I.P.-Initiative habe mit ihrem Einsatz die Beschaffung mehrerer Rollstühle ermöglicht..." (Josef Heisl). Aus dem Ertrag der Veranstaltung erhält die K-Schule 1000 Euro!

06.03.: PNP berichtet über Außen-Arbeitsplätze der Werkstatt

Sabrina Sitter absolvierte als Mitarbeiterin mit Behinderung erfolgreich ein Praktikum im Edeka-Aktivmarkt in Hacklberg, den Maximilian Seidl leitet.  − Foto: Hieke

Praktika in der Stadtgärtnerei und bei Edeka in Hacklberg, ein Job im Bauhof von Windorf oder bei der Firma Gautzsch in Passau – die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung gelingt durchaus. Die Caritas-Werkstätten Donauhof sind bestrebt, Leuten mit Handicaps geeignete Praktika und Außenarbeitsplätze anzubieten, um ihnen Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Seit 1. März arbeitet Hermann Nöbauer aus den Donauhof-Werkstätten in der Stadtgärtnerei als Praktikant. Leiter Hermann Scheuer sammelt "durchwegs positive Erfahrungen" mit Menschen mit Behinderung. Sie fühlten sich hier angenommen und wirkten sich "wahnsinnig gut auf das Betriebsklima" aus. Soziale Verantwortung und Verpflichtung stehen im Leitbild der Stadtgärtnerei. Es gebe nur gute Rückmeldungen von Eltern und Betreuern.

Im Februar gewann Sabrina Sitter im Edeka-Lebensmittelmarkt in Hacklberg bei ihrem Außenpraktikum Einblick in das Berufsleben. Ihr bereitete es viel Freude, Waren einzuräumen, sie nach Haltbarkeit und Artikel zu sortieren oder Reinigungsarbeiten zu erledigen. Marktleiter Maximilian Seidl nimmt gerne wieder Menschen mit Handicap auf. Johann Glück, ebenfalls Mitarbeiter der Donauhof-Werkstätten, der gehörlos ist, schätzt sich besonders glücklich, denn er schaffte den Sprung an einen Außenarbeitsplatz im Bauhof des Markts Windorf. Er wurde nach Praktika als Vollzeitmitarbeiter beschäftigt und packt bei Winterdienst oder Grünpflege mit an. Gemeinde und Bauhof-Kollegen stehen ihm gerne zur Seite. Auch sie sammeln nur gute Erfahrungen. "Es gibt keinerlei Probleme. Wir verständigen uns mit Händen und Füßen und in Zeichensprache", erzählt Johann Höltl. Eugen Nikolajcuk bewältigte eine weitere Hürde und gewann eine sozialversicherungspflichtige Anstellung bei der Firma Gautzsch in Passau, die zunächst auf ein Jahr befristet ist. Er ist besonders stolz auf seinen Job. Er kümmert sich um Warenannahme und Auslieferung für den Versand, arbeitet auch am Computer. Er fühlt sich wie alle anderen Mitarbeiter im Team anerkannt und wertgeschätzt.

Caritas-Direktor Dr. Wolfgang Kues und Robert Schnellhammer, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) planen ebenfalls eine Kooperation. Rund 15 landwirtschaftliche Betriebe seien bereit, Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz zu bieten, freut sich Kues. Gespräche liefen an. "Wir haben ausgelagerte Arbeitsplätze als Angebot der WfbM aufgenommen", sagt Josef Wenk, Leiter der Werkstätte für behinderte Mitarbeiter (WfbM) Donauhof. Voraussetzung für eine Beschäftigung sei, dass diese bereit sind, einen Schritt weiter in Richtung Selbständigkeit zu gehen. Auch Eltern und Betreuer würden eingebunden. Es gehe um realistische Einsatzstellen, den richtigen Zeitpunkt, psychische und physische Grundstabilität der Mitarbeiter. Die berufliche Integration von Mitarbeitern mit Handicap gelinge über Ganz- und Halbtags-Praktika, zum Beispiel auch beim Landschaftsgärtner oder Rollladenbauer, in Küche oder Büro, bei einer Spedition oder auf dem Reiterhof sowie über Außenarbeitsplätze und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oder die "ganz normale Werkstattarbeit", informiert Wenk.

 Die Fachleute der Donauhof-Werkstätten begleiten die Menschen mit Behinderung zum Vorstellungsgespräch und betreuen sie zusammen mit den Ansprechpartnern im Betrieb auch am Arbeitsplatz. Viele von ihnen brauchten die "Rückkopplung", manche am Anfang tägliche Besuche aus der Werkstätte, sagt Sozialdienstleiterin Kerstin Hieke von den Donauhof-Werkstätten. Nach einer gemeinsamen Reflexion über das Praktikum entscheiden sie und die Betroffenen, ob ein weiteres Praktikum, ein Außenarbeitsplatz oder eine Vermittlung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt möglich sind. Im letzten Jahr absolvierten elf Donauhof-Mitarbeiter 13 Außenpraktika. Voraussetzung für einen Außenarbeitsplatz seien nicht nur die Bereitschaft und Fähigkeit der Menschen mit Behinderung zu mehr Selbständigkeit, sondern auch soziales Engagement des Betriebs, erläutert Josef Wenk. Er achtet zudem auf Arbeitssicherheit und Entlohnung. Die Donauhof-Werkstätten zahlen für die Außen- wie für die Innenmitarbeiter die Sozialabgaben. Sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse wie bei der Firma Gautzsch seien die Ausnahme, sagen Wenk und Tanja Steinberger. Sie erforderten eine enge Kooperation zwischen Mitarbeitern, Werkstätte und Betrieben sowie manchmal jahrelange Qualifizierung innerhalb der WfbM. 17 Mitarbeiter mit Behinderung beteiligten sich am Führerschein- und Beifahrerprojekt der WfbM. Auch dieses ermögliche Mobilität, Teilhabe und Inklusion, sagt Wenk. Ein großer Pool an Praktikumsstellen und Außenarbeitsplätzen, Unterstützung von der Politik, Verständnis und Flexibilität würden die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung fördern, betont Wenk. Doch man dürfe nicht vergessen, dass die 280 Arbeitsplätze innerhalb der Werkstätten keineswegs zweite Wahl sind. Sie ermöglichten Menschen mit Handicaps Schlüsselkompetenzen und fachliche Zusatzausbildung, böten Beschäftigung, Pflege, Betreuung und soziale Absicherung. Es gehe nicht um eine hohe Quote von Außenarbeits-plätzen, sondern um qualitativ gute Stellen. Diese Linie vertritt auch die Diakonie Bayreuth, deren Projekt "Integra" mit 40 Außenar-beitsplätzen Gerhard Tröger vor 120 Teilnehmern in den Donauhof-Werkstätten vorstellte

22.10.: PNP berichtet über Spende des VdK Salzweg

Einen Tretroller für Rollstuhlfahrer haben Raimund Kneidinger (v.l.), Willi Heinzelsperger, Rosmarie Schneider, Hannelore Pritzl (5.v.l.), Vorsitzende Dorothea Fischer (Mitte) und Ewald Junghans (4.v.r.) vom VdK Salzweg-Straßkirchen den Schülern der Klasse 1a/2 der K-Schule Grubweg, die an der Salzweger Grundschule lernen, übergeben. "Das ist ein schöner Tag für uns", sagte Schulleiter Karl Bischof (rechts), der die Spende entgegennahm. Der VdK fördere das Vorzeigeprojekt zwischen Grund- und K-Schülern in Salzweg gerne, sagte Raimund Kneidinger. Mit dem Tretroller könnten Kinder mit und ohne Handicap zusammen spielen, sagte Vorsitzende Dorothea Fischer. Die Kinder nahmen das Fahrzeug mit ihren Lehrerinnen Brigitta Handwerker (3.v.r.) und Cornelia Rauch (2.v.r.) sowie Valerie Bittner (4.v.l.), die derzeit ihren Freiwilligendienst an der K-Schule leistet, entgegen.

13.10.: PNP "Stürmischer Empfang für Radfahrer Helmut Meisl"

Radfahrer Helmut Meisl (Mitte) überreichte Schulleiter Karl Bischof (r.) in der K-Schule einen Scheck in Höhe von 17 000 Euro, die er auf einer Radtour rund um Niederbayern sammelte, um Kindern mit schwerer Behinderung Kommunikation mit einem Augencomputer zu ermöglichen.  − Foto: Wildfeuer

Radfahrer Helmut Meisl (46) aus Niederbrünst bei Hauzenberg hat der K-Schule St. Severin in Grubweg eine Spende in Höhe von 17 000 Euro für Kinder mit Behinderung übergeben. Das Geld sammelte er mit dem Fahrrad auf einer Tour rund um Niederbayern, um für die K-Schule einen augengesteuerten Computer zu "erstrampeln". Die Schüler bereiteten dem engagierten Radler einen stürmischen Empfang.

 "Radlfahrn" schmetterte die Cheerleader-Gruppe, die Helmut Meisl und die Mitglieder des Vereins "sportlich helfen" unter Leitung von Rainer Schmoigl, welche die Aktion unterstützten, mit fetzigem Rock willkommen hieß. "So einen Verrückten gibt es in ganz Bayern nicht", sagte Schulleiter Karl Bischof. Was Helmut Meisl leistete, sei unglaublich. Er habe 17 000 Euro für die Schule geholt, sei Tag und Nacht gefahren. Dieses Verrücktsein habe einen Sinn. Es helfe Johannes und anderen Kindern, die aufgrund ihrer schweren Muskelerkrankung nur die Augen bewegen können. Der Computer "My Tobie" ermögliche ihnen, mit anderen zu kommunizieren, E-mails und Aufsätze zu schreiben oder zu spielen.

 Helmut Meisl freute sich über den beeindruckenden Empfang. Es gehe jedoch nicht um ihn. "Allein hätte ich es nicht geschafft, rund um Niederbayern zu radeln", versicherte der Sportfreund. Das Team von "sportlich helfen" und auch seine Familie hätten ihn tatkräftig unterstützt. Vor allem Frau Claudia und die Töchter Patricia und Nathalie hätten seine "Launen" hautnah gespürt, "wenn ich loadig wurde", erzählte der Hobbyradler.

 Helmut Meisl startete seine "Tour de Niederbayern" bei Regen am 13. August um 4.30 Uhr in der Passauer Fußgängerzone, um je gefahrenen Kilometer 27 Euro mit Hilfe von Spenden zu "erradeln". Insgesamt legte er 650 Kilometer zurück. Am nächsten Tag um 20 Uhr traf er wieder in Passau ein. Er gönnte sich dabei keinen Schlaf, sondern nur Essens- und Massagepausen.

 Doch sei es ein "Fünf-Sterne-Urlaub" gewesen, schilderte Meisl. "Ich habe mit den Fingern geschnalzt und schon erhielt ich Essen, Trinken und Massage", lachte der Radler. "Gibt es einen schöneren Urlaub als 40 Stunden auf dem Radl?", fragte er die Schüler. Er würdigte den Einsatz der Spender und Sponsoren, darunter Richard Reidl, selbst Marathonläufer, und Tina Mutz vom dm-Markt Grubweg, die ebenfalls in die K-Schule kamen.

 Die Schüler löcherten den "Weltrekordler", wie ihn Karl Bischof bezeichnete, mit vielen Fragen. "Haben die Füße wehgetan?", fragte ein Mädchen. "Am übernächsten Tag, ich musste rückwärts gehen", erzählte Meisl. Mit dem Training habe er im September vor einem Jahr begonnen, antwortete er auf eine weitere Frage. Eine längere Pause sei in Haidmühle nötig gewesen, weil Frau Claudia die nassen Schuhe mit Hilfe eines Föhns trocknete. Nachts habe er angesichts der vielen Lampen am Fahrrad wie ein Christbaum ausgeschaut.

 "Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht", resümierte Meisl. Doch aufgrund des Regen war er zunächst ziemlich "deprimiert". "Aber ich nahm mir etwas vor und tat etwas dafür und erreichte es", sagte Meisl. Dies wolle er auch den Schülern vermitteln. Er habe tolle Augenblicke erlebt, zum Beispiel in Dommelstadl, wo ihn Kinder erwarteten. "Ich bin stolz, dass es so viele Verrückte gibt", sagte Meisl im Blick auf die Gruppe, die ihn unterstützte. "Heut ist ein Tag, an dem ich ewig singen kann", schmetterten die K2 und K3. Mit einer Bilderschau verabschiedete sich Meisl.

08.10.: PNP-Bericht über K-Schüler Michael: "Der passt perfekt"

Ein Teil des Deals ist erfüllt: Michael Fesl (Mitte) freut sich über seinen Ausbildungsplatz in der Stadtgärtnerei und mit ihm Peter Niedermeier (v. l.), Dienststellenleiter bei der Stadt für Arbeit und Qualifizierung, Katharina Werner von der Christlichen Arbeiterjugend, Hermann Scheuer, Chef der Stadtgärtnerei, und OB Jürgen Dupper.  − Foto: Geisler/rogerimages.de

Michael Fesl heißt der neue Auszubildende in der Stadtgärtnerei. Dass er die Stelle bekam, hat er einem Deal zwischen der Stadt und der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) Passau zu verdanken. Die Christliche Arbeiterjugend hat das Projekt "Der Deal − Wir schaffen einen Ausbildungsplatz" ins Leben gerufen. Mit dem Ziel: Gemeinsam mit der Stadt zwei zusätzliche Ausbildungsstellen zu schaffen. "Wenn die Stadt einen Ausbildungsplatz schafft, dann macht die Christliche Arbeiterjugend das auch. So lautete der Deal", sagt OB Jürgen Dupper. "Da war uns klar, darauf gehen wir ein. Und in der Stadtgärtnerei ist immer Bedarf", sagt Dupper. Die Stadt hat ihren Teil der Vereinbarung eingehalten. Michael Fesl hat im September seine Ausbildung begonnen.

"Die Stadt hat gut vorgelegt. Wir werden unseren Teil des Deals auch einhalten und nächstes Jahr eine Ausbildungsstelle schaffen", sagt Katharina Werner von der Christlichen Arbeiterjugend Passau. Damit diese finanziert werden kann, sammeln sie Spenden. Am Passauer Christkindlmarkt haben sie einen Stand, an dem Weihnachtsgebäck verkauft wird. "Das kommt alles diesem Projekt zugute, dass wir Jugendlichen helfen und ihnen eine Ausbildung ermöglichen können", sagt Werner. Michael Fesl (19) hat nach seiner Schulzeit in der K-Schule ein Praktikum bei der Stadtgärtnerei absolviert und da war ihm klar, dass er einen Beruf haben will, bei dem man viel draußen ist. Hermann Scheuer, Chef der Stadtgärtnerei, ist begeistert von seinem Auszubildenden: "Das passt perfekt. Michael passt gut zu uns. Er hat sich in kurzer Zeit schon sehr gut eingearbeitet."

11.08.: PNP berichtet über Spende für unsere blinde Sarah

Die Fastenaktion an der Columba-Neef-Realschule Neustift war dieses Jahr ein besonders großer Erfolg. Wie jedes Jahr vor Ostern verkauften Schülerinnen in der Pause selbst zubereitete Brote. Beim Zählen der Einnahmen staunten sie nicht schlecht: Die Spendenbereitschaft der Mädchen und ihr Appetit auf die leckeren Pausenbrote hatten 1400 Euro eingebracht. Im Auftrag aller Schülerinnen entschieden die Klassensprecherinnen über die Verwendung des Geldes. 700 Euro gehen an die Partnerschule in Togo, die andere Hälfte kommt der Körperbehinderten-Schule in Passau-Grubweg zugute. Die K-Schule will davon besondere Fühlmaterialien für die sechsjährige Sarah kaufen, ein blindes Mädchen, das ab dem kommenden Schuljahr die K-Schule besuchen wird. Dass das Geld auch sicher in guten Händen ist, davon konnten sich zwei Neustifter Schülerinnen persönlich überzeugen. Im Rahmen des Sozialpraktikums „Compassion – Mensch sein für andere“ lernten Nicole und Julia den Alltag an der K-Schule kennen.

25.07.: PNP: So ein Tanzprojekt gibt es sonst nirgendwo in Bayern

 

 „Herz, Kuss, Arabesque“, rief Tanzpädagogin Isabelle Logelin und die Kinder zeigten Figuren aus dem klassischen Ballett, variierten und verwischten diese oder interpretierten sie neu mit Formen aus dem zeitgenössischen und freien Tanz − auch die Rollstuhlfahrer konnten mitmachen, drehten sich im Kreis, zeigten Pantomime. Kinder mit und ohne Behinderung fassten sich an den Händen, tanzten fröhlich miteinander.

 Isabelle Logelin hatte die Tanzperformance mit einer ausdrucksstarken Ouvertüre eröffnet. Sie ermunterte die Kinder zum Mitmachen und Improvisieren, regte sie an, die Figuren auf ihre Weise zum Ausdruck zu bringen. „Wir wurden verzaubert und entführt in eine Welt der Leichtigkeit des Tanzes“, schwärmte Schulrätin Johanna Buchberger-Zapf. „Wir haben viele kleine Seelen gesehen, die ihr Bestes gegeben haben.“

 Es gebe etwas ganz Besonders zu erleben, sagte die Schulrätin zu Beginn der Projektpräsentation vor Schülern, Lehrern, Eltern und Ehrengästen, darunter Doris Cihlars von Lehrstuhl Schulpädagogik der Universität Passau, die Rektoren Martina Müller (Schule Salzweg) und Karl Bischof (K-Schule) sowie die Schulamtsleiter Ursula Schwarz und Luitpold Krieger.

 Die Präsentation sei Ergebnis einer wochenlangen Tanzarbeit auf Basis von Elementen des zeitgenössischen Tanzes, sagte die Schulrätin. „Tanz stärkt. Tanz verbindet. Tanz bildet Bayern“, sagte Buchberger-Zapf. Sie berichtete, dass das Projekt kurz vor dem Scheitern stand, weil dem Münchner Team die Entfernung zu groß war. Dass niederbayerische Kinder auf Erfahrungen mit zeitgenössischem Tanz verzichten sollen, „werden und wollen wir nicht akzeptieren“, sagte Buchberger-Zapf. Mit Lydia Urban, Schultanzbeauftragte für Stadt und Landkreis und „Mutter des Projekts“, sei es gelungen, Isabelle Logelin als Tanzlehrerin zu gewinnen, die allerdings noch keine Erfahrung mit integrativen Tanzprojekten hatte. Sie und Urban entwickelten daher das „Salzweger Konzept“. Fördermittel in Höhe von 1000 Euro kamen von der Regierung von Niederbayern. Kleiner Wermutstropfen sei, dass Salzweg den Zuschlag für das Schulprofil „Inklusion“ heuer nicht erhielt, obwohl ab kommendem Schuljahr sogar zwei Partnerklassen der K-Schule an der Salzweger Grundschule lernen, sagte die Schulrätin. Die Inklusionsstunden würden somit nicht vom Ministerium, aber vom Schulamtsbudget unterstützt.

 Das integrative Tanzprojekt sei bislang in Bayern einmalig und spiele eine Vorreiterrolle, betonte Lydia Urban. Sie hoffte auf Nachahmer und würdigte den Einsatz von Isabelle Logelin sowie die Kinder, die sich auf das Abenteuer Tanz einließen.

„Mir gefällt, wenn Behinderung keine Rolle mehr spielt“, sagte Karl Bischof. Das Schöne an der Vorführung sei, dass die Kinder mit Behinderung Teil eines Ganzen waren. Er betonte die Unterstützung der Gemeinde, welche die K-Schule aufgenommen habe, sowie der Lehrer, die weitere integrative Projekte in Theater oder Musik starteten. (von Theresa Wildfeuer)

29.01.: Ehemalige Praktikantin berichtet über Arbeit in Tansania

Die Herzen der Kinder hat Eva-Maria Posch erobert. Die 23-Jährige aus Dommelstadl arbeitet in Daressalam in einem Kindergarten. Dort unterrichtet sie unter anderem Precous (v.l.), Humphrey, Deborah, Amina und Danie in Englisch und Kunst.

Von Carola Brunner
Neuburg am Inn. 7000 Kilometer liegen zwischen Dommelstadl und Daressalam, Luftlinie versteht sich. Das ist nicht die Welt, in gut 13 Stunden ist man schließlich dort mit dem Flieger; dass dennoch Welten liegen zwischen dem niederbayerischen Dorf und der tansanischen Millionenstadt, diese Erfahrung hat Eva-Maria Posch gemacht. Die 23-Jährige aus Dommelstadl verbringt ein Jahr als „Missionarin auf Zeit“ (MaZ) in der Stadt am indischen Ozean. Knapp fünf Monate hat sie nun schon neue Eindrücke und Erfahrungen gesammelt - ebenso wie Christopher Siedenhans (22) aus Neukirchen am Inn. Auch er ist als „MaZler“ im Einsatz, in einem Dorf namens Mkuranga. 7000 Kilometer Luftlinie hin oder her - dank Internet sind beide ihrer Heimat, Freunden und Familie stets nahe. Für die PNP erzählen die beiden „Mzungu“ zur Halbzeit über ihren Alltag in der Ferne.
„,Mzungu’, so werden wir immer noch genannt“, schreibt Eva-Maria Posch. „Mzungu“, das heißt so viel wie „Weiße“ oder „weit Gereister“, und trifft - so oder so - den Nagel auf den Kopf. Weit gereist sind die beiden jungen Menschen aus der Gemeinde Neuburg nun wirklich, um sich den Traum zu erfüllen von der Auszeit und dem Leben im Ausland. Und bis jetzt haben weder Eva-Maria Posch noch Christopher Siedenhans die Entscheidung bereut - obwohl oder vielleicht gerade weil der Alltag in Tansania, wo beide in Missionsstationen des Salvatorianer-Ordens leben und arbeiten, so grundverschieden ist vom Leben hierzulande.


Das Leben findet auf der Straße statt

„Daressalam ist zwar westlich geprägt, aber mit einer deutschen Großstadt nicht zu vergleichen“, meint Eva-Maria Posch, „denn das Leben hier spielt sich auf der Straße ab.“ Und das, obwohl die Menschen „die Straßenverkehrsordnung recht flexibel“ handhaben, wie Christopher Siedenhans süffisant beschreibt. Auf überfüllten Plätzen wird an jeder Ecke Essen verkauft, hier spielen die Menschen auf der Straße eine Partie Schach, und dazwischen düsen die „Dalla Dalla“ genannten Minibusse herum, die außer den „Bajaji“, motorisierten Dreirädern, das Hauptfortbewegungsmittel der Menschen sind. „Die ,Dalla Dalla‘ sind immer überfüllt; wenn im Bus selbst kein Platz mehr ist, setzen sich die Passagiere schon mal obendrauf. So können dann bis zu 40 Personen transportiert werden“, hat Eva-Maria Posch beobachtet.
Während die Heilerziehungspflegerin direkt in der 2,7-Millionen-Einwohner-Stadt eingesetzt ist und das quirlige Treiben ständig um sich hat, geht es bei Christopher Siedenhans auf dem Dorf, rund 50 Kilometer südwestlich von Daressalam gelegen, ruhig und beschaulich zu. Weil er schon der vierte Freiwillige ist, der in Mkuranga arbeitet, ist der Anblick eines Weißen den Menschen dort schon vertraut. „Hier kennen mich die Leute schon, auf der Straße begrüßen sie mich mit meinem Namen. Ab und an hält man ein kleines Schwätzchen mit einem Dorfbewohner oder man kauft sich Handyguthaben an der Busstation“, beschreibt Christopher Siedenhans - das ist ja fast wie daheim in Neukirchen am Inn. „In Daressalam dagegen geht es hektisch zu. Doch dieser Kontrast macht Spaß“, meint der 22-Jährige, der in Mkuranga in einem Dispensary eingesetzt ist. Das ist eine Krankenstation, in der kleinere medizinische Eingriffe vorgenommen, Wunden versorgt und Medikamente ausgegeben werden. Dort ist er an der Rezeption tätig, füllt Patientenkarten aus, kümmert sich um die Abrechnungen. Dabei hat er seine Kenntnisse in Swahili erweitert. Wie alle MaZler hat auch Christopher Siedenhans vor Beginn seines Einsatzes bei einem vierwöchigen Sprachkurs in Morogoro die Grundzüge der tansanischen Amtssprache erlernt.
Wenn an der Rezeption mal alle Schreibarbeit erledigt ist, hilft der 22-Jährige bei der Ausgabe von Medikamenten oder lernt einfache medizinische Handgriffe wie das Desinfizieren von Wunden. Offenbar macht der Neukirchner seinen Job gut, denn: „Ein Arzt hat mir eröffnet, dass ich nach diesem freiwilligen Jahr ein ,Mini-Doktor‘ sein könnte“, schreibt Christopher Siedenhans, der in den kommenden Monaten zudem einmal pro Woche Englischunterricht geben wird in einer Berufsschule.
30 Kinder zwischen zwei und sieben Jahren in Englisch und Kunst zu unterrichten - diese Aufgabe teilt sich Eva-Maria Posch mit einer anderen freiwilligen Mitarbeiterin. Die beiden jungen Frauen sind in einem Kindergarten tätig, betreuen Mädchen und Buben aus Oberschicht-Familien. Mit einem Kindergarten, wie man ihn hierzulande kennt, hat er allerdings nicht viel gemeinsam, hat Eva-Maria Posch beobachtet. „Jeden Tag von 8 bis 12 Uhr werden die Kinder nach Stundenplan unterrichtet. Das ist meiner Meinung nach etwas fragwürdig. Muss man mit drei Jahren wirklich schon rechnen und schreiben können?“, fragt die 23-Jährige, die auch festgestellt hat, dass die Kleinen wenig Spaß haben am Lernen. „Das Wissen wird ihnen eingetrichtert, sie müssen es auswendig lernen, verstehen den Sinn aber noch nicht“, beschreibt sie die Situation. Auch die Unterrichtsmethoden findet die Dommelstadlerin zu streng: „Die anderen Lehrer haben in der Regel immer einen Stock in der Hand, mit dem sie den Kindern drohen. An diesen Anblick muss man sich leider gewöhnen, ebenso an den aggressiven Tonfall“.
Weil Eva-Maria Posch vom Fach ist, merkt sie, was den Kindern fehlt: „Die Kinder besitzen nur wenig Sozialkompetenzen und Fantasie für freies Spielen und Malen.“ Deswegen setzt sie bei ihrer Arbeit genau da an. Die anderen Lehrer, so berichtet Eva-Maria Posch, akzeptieren das: „Ich kann meine eigenen Ideen einbringen und sie werden dankend angenommen. Und die Kinder sehen mich als Autoritätsperson an“. Dass sie das auch ohne aggressiven Tonfall oder Androhungen mit dem Stock erreicht hat, bestätigt die 23-Jährige in ihrer Haltung und macht sie stolz.


Strandleben und Streifzüge

Doch das Leben der „Missionare auf Zeit“ besteht natürlich nicht nur aus Arbeit. „Wir haben hier sehr viel Freizeit“, berichtet Eva-Maria Posch. Und die wird vielfältig genutzt: Bei Temperaturen von derzeit 35 Grad Celsius trifft man sich mit anderen Freiwilligen am Strand oder unternimmt Streifzüge durch die Stadt und entdeckt dabei viele interessante Plätze und Viertel. Oftmals, so schreibt Christopher Siedenhans, komme man dabei auch an Örtlichkeiten, die vom Tourismus geprägt sind. „Jedoch fühle ich mich so gar nicht mehr wie ein Tourist“, meint er. Beim Einkaufen jedenfalls hat er sich schon eine typische Sitte angeeignet: „Ich liebe es, über den Preis zu verhandeln, vollkommen gleich, um welches Produkt es sich handelt. Ein ums andere Mal lächeln Händler, wenn sie merken, dass man das Spiel verstanden hat. Es scheint sie zu freuen, dass man diesen Teil ihrer Kultur anzuwenden versucht.“ Freilich müsse man wissen, ergänzt Christopher Siedenhans, wo das Handeln seine Grenze hat. „In Restaurants und Einkaufszentren geht das nicht. Die Faustregel lautet: Wenn ein Preisschild dran klebt, gibt es nichts zu verhandeln.“
An das Handeln mussten sich die beiden Niederbayern ebenso gewöhnen wie an das tansanische Essen. „Es gibt immer Reis oder Ugali, das ist eine Art Maisbrei ohne jeglichen Geschmack. Dazu gibt es meist eine Sauce aus Bohnen oder Gemüse wie Paprika oder Karotten“, schreibt Eva-Maria Posch. „Zu Ugali wird bei uns in der Station fast täglich auch Schweinefleisch, Hühnchen oder Fisch serviert. Aber das ist Luxus. Die Familien hier haben nicht jeden Tag Fleisch zum Essen, vielleicht nicht mal jede Woche“, weiß Christopher Siedenhans.


Verliebt in ein facettenreiches Land

Er und Eva-Maria Posch haben viel gelernt über das Land und die Menschen, von denen sie freundlich und neugierig aufgenommen wurden. Und sie haben bei Rundreisen schon viel gesehen - den Kilimandscharo etwa oder die Insel Sansibar. Und all das möchten sie auf keinen Fall missen. „Ich bin bereits jetzt jeden Tag glücklich darüber, diese ganzen Erfahrungen machen zu können und die Kultur so intensiv und ungefiltert erleben zu können“, schreibt Christopher Siedenhans. Und Eva-Maria Posch meint: „Trotz aller kulturellen Unterschiede und der negativen Seiten, die es auch in diesem Land gibt, verliebe ich mich jeden Tag mehr in dieses facettenreiche Land“.
Demnächst hat die junge Dommelstadlerin übrigens Gelegenheit, andere „Mzungu“ an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen und ihnen etwas von dem „echten Afrika“ zu vermitteln, das sie schon entdeckt hat, denn: Im Februar kommen ihre Eltern und ihre Schwester zu Besuch. 7000 Kilometer hin oder her - von Dommelstadl nach Daressalam ist es eben doch nur ein Katzensprung.

DAS PROJEKT „MaZ“
„Missionare auf Zeit“ („MaZ“) nennt sich ein Programm, bei dem junge Menschen als Mittler zwischen den Kulturen auftreten und ehrenamtlich soziale Dienste im Ausland leisten. Es wird auch über Spenden finanziert. Empfänger und Bankverbindung: Salvator-Missionen, Liga Bank eG, Spendenkonto 2333619, BLZ 75090300. Wer möchte, kann bei Verwendungszweck eintragen: „Tansania - Eva-Maria Posch“ oder „Tansania - Christopher Siedenhans“.

30.12.: PNP berichtet über den Kampf um Johannes Kindergeld

Von Carmen A. Laux

Passau. „In Deutschland wird diskutiert, ob Eltern das Kindergeld genommen werden kann, wenn sie nachweislich ihre Kinder vernachlässigen. Anders ist es bei Eltern von behinderten Kindern: Ihnen soll das Kindergeld abgezweigt werden, zumindest wenn sie im Landkreis Passau oder Freyung-Grafenau wohnen“, sagt Alban Westenberger. Der Passauer kennt sich aus: Er ist selbst Vater eines behinderten Kindes und vertritt als Anwalt Eltern, die sich gegen diese neue Praxis wehren. So wie Familie Völk aus Wegscheid.
Sie hat drei Söhne, Thomas (22), Johannes (19) und Robert (7). Dass Johannes behindert ist, merkten die Eltern ein paar Wochen nach der Geburt: „Wir haben ihn als gesundes Baby mit nach Hause bekommen. Aber im Gegensatz zu seinem älteren Bruder konnte er in Bauchlage sein Köpfchen nicht heben, war insgesamt viel schwächer“, erinnert Maria Völk. Mit etwas Krankengymnastik, meinten die Ärzte damals, würde sich Johannes normal entwickeln. Doch das tat er nicht. Trotz Untersuchungen in ganz Deutschland, Behandlungen bei Spezialisten und Therapien aller Art ist der inzwischen 19-Jährige teilweise auf dem Entwicklungsstand eines knapp Einjährigen geblieben. Vor einigen Jahren wurde „Frühkindlicher Autismus“ diagnostiziert. Was das bedeutet? „Johannes kann nicht sprechen, muss gewickelt, gewaschen, angezogen werden, kann nur pürierte Nahrung zu sich nehmen, sitzt im Rollstuhl, kann sich nicht selbstständig beschäftigen“, zählt seine Mutter auf. Und weiter: „Nachts schläft er nicht durch, hat immer wieder schreckliche Schreianfälle. Aber er kann Gefühle zeigen, erkennt jeden aus der Familie und ist ein ganz Hübscher geworden.“ Bestimmt hätte er Chancen bei den Mädchen, würde schon Autofahren und abends weggehen. Er könnte eine Berufsausbildung machen und wäre somit nicht mehr ausschließlich auf die Fürsorge seiner Eltern angewiesen.
Doch solche Gedanken spazieren gehen zu lassen, mag sich die 45-jährige nicht erlauben: „Man darf keine Vergleiche mit gesunden Gleichaltrigen anstellen, das macht einen kaputt.“ Irgendwann müsse man aufhören, nach der Ursache für die Behinderung zu suchen und akzeptieren, dass das Kind immer hilfsbedürftig sein wird. Die Familie aus Wegscheid hat sich mit ihrem Schicksal arrangiert: Maria Völk kümmert sich um Kinder und Haushalt, der Vater arbeitet im Schichtdienst - auch, um daheim mithelfen zu können. Der älteste Sohn wohnt noch zuhause, kann so die Eltern entlasten. Der Siebenjährige geht in die Grundschule, Johannes noch eineinhalb Jahre in die St. Severin-Schule. Und dann? „Da Johannes an keinem Arbeitsprozess teilnehmen kann, wird er danach eine Förderstätte besuchen“, so die Mutter. Dort wird es tagsüber betreut, kommt nachmittags wieder heim. „Solange wir die Pflege kräftemäßig schaffen, soll es so bleiben. Denn nirgends geht es dem Jungen so gut wie bei uns“, ist die 45-Jährige überzeugt.
Weil Johannes daheim versorgt wird, wird der Familie auch das Kindergeld altersunabhängig gezahlt. Doch jetzt will es das Landratsamt Passau vereinnahmen. Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs vor gut zwei Jahren. Dazu muss man wissen: Behinderte Menschen ab dem 18. Lebensjahr können beim Sozialamt Grundsicherungsleistungen beantragen. Sie bekommen zwischen 330 bis 460 Euro pro Monat, je nachdem, ob Mietkosten zu berücksichtigen sind oder nicht. Darüber hinaus haben die Eltern Anspruch auf 184 Euro Kindergeld, wenn sie die behinderten Kinder daheim versorgen.
Doch jetzt kann das Sozialamt von der Familienkasse, die das Kindergeld auszahlt, die Abzweigung an sich beantragen. Ob es damit durchkommt, liegt im Ermessen der Familienkasse, die in der Arbeitsagentur angesiedelt ist. Sie prüfte - und lehnte in vielen Fällen eine Abzweigung an die Sozialbehörden ab.
Doch damit gibt sich das Sozialamt im Landkreis Passau - wie im Landkreis Freyung-Grafenau übrigens auch - nicht zufrieden. Es hat Einspruch eingelegt gegen die Bescheide der Familienkasse. Und damit ruht die Zahlung der monatlich 184 Euro. „Die betroffenen Eltern wurden im Sommer aufgefordert, nachzuweisen, wofür konkret das Kindergeld verwendet wird“, erklärt Alban Westenberger. Denn aus Sicht des Sozialamtes sei der notwendige Lebensunterhalt bereits durch die Grundsicherungsleistungen sichergestellt. „Nur Aufwendungen wie Urlaubsreisen, Freizeitgestaltung oder Besuchs- oder Arztfahrten würden aus Sicht des Sozialamtes einer Abzweigung des Kindergeldes entgegen stehen“, weiß der Fachanwalt.
Das erweckt Bedenken bei Maria Völk: „Durchs Raster fällt, wer sich bei dem geforderten Nachweis nicht richtig ausdrücken kann, und wer ein mehrfach schwerbehindertes Kind hat, dem die Freizeit vorwiegend daheim gestaltet werden muss, weil es kaum öffentliche Freizeitangebote nutzen und deshalb keine entsprechenden Nachweise vorlegen kann.“ Und Alban Westenberger ergänzt: „Das führt naturgemäß zu viel Unmut und Zorn bei den Betroffenen. Sie fühlen sich in der jahrelangen Sorge um ihre behinderten Kinder schlichtweg alleine gelassen und verschaukelt, weil die Rund-um-die-Uhr-Versorgung ihrer Kinder nicht mehr anerkannt wird.“
Es geht aber auch anders, wie das Vorgehen der Stadt Passau zeigt: Dort wird die Entscheidung des Bundesfinanzhofs gar nicht umgesetzt. Das Kindergeld bleibt bei den Eltern.

21.12.: PNP berichtet über das Krippenspiel in Salzweg

Salzweg. Ein eindrucksvolles Krippenspiel haben Kinder mit und ohne Behinderung im Theaterzimmer der Salzweger Schule aufgeführt. Schüler der K 3/4 der K-Schule Passau-Grubweg und Zweit- und Drittklässler der Grundschule spielten gemeinsam die Geschichte von Maria, Josef und dem Jesuskind, die sie mit Lehrerin Cornelia Reiter einstudiert hatten.
Hirten, die Svenja Kölbl, Anika Tichai, Verena Eckerl und Philipp Martin mimten, erzählen staunend davon, was sie in jener Nacht erlebten, und eilen zur Krippe. Hier finden sie Maria (Jasmin Stangl), Josef (David Spielvogel) und das Kind sowie Ochs (Johannes Kopp) und Esel (Konstantin Kollmaier). Auch die drei Weisen aus dem Morgenland, die Lisa Spetzinger, Vanessa Frisch und Theresa Pilzweger darstellten, folgen mit ihren Dienern Alina Müller, Felix Rosenauer und Veronika Bauer dem Stern und kommen zum Stall.
„Komm mit mir, wir gehen zum Stall“, schmettern auch die Bauern, die Laura Holler, Ronja Woiton, Alida Schaubschläger, Janina Artmann, Celine Guschok, Ceylan Korkmaz und Simon Paulus spielten, begeistert. Sie bringen dem Jesuskind warme Tücher, heißen Brei, Brot und Holz.
Maria alias Jasmin Stangl lud auch die Zuschauer ein, „die Herzen zu öffnen“ und beim Kind einzukehren. Besonders faszinierte zudem Svenja Kölbl aus der zweiten Klasse das Publikum, die ihre Soli gelungen vortrug. Begeistert sangen die jungen Schauspieler mit und ohne Behinderung Krippenlieder, die sie mit vielfältigen von K-Schul-Lehrerin Kathrin Laubereau gezeigten Gesten vortrugen. Diese regten auch die kleinen Zuhörer zum Mitmachen an. Grundschullehrerin Cornelia Reiter, die das Stück mit den Schülern einstudierte, begleitete die Sänger am Klavier.
Das etwas andere Krippenspiel sei ein gelungenes Beispiel für die Kooperation der Salzweger Grundschule und der K-Schule in Passau-Grubweg, betonten die beiden Pädagoginnen. Für Cornelia Reiter ist sie ein wichtiger Schritt zur Integration und Inklusion. K- und Regelschüler würden seit September gemeinsam Theater spielen. Sie lernten sich dabei und auch bei Ausflügen, zum Beispiel in das Stadttheater, näher kennen. Das gemeinsame Proben bereite ihnen „unendlich viel Freude“.
„Die Kooperation klappt sehr, sehr gut - auch in anderen Fächern“, sagten die beiden Lehrerinnen. Behinderte und nicht behinderte Kinder haben zusammen Kunst- und Sportunterricht. Davon profitierten beide, unterstrich Cornelia Reiter. So sei die Unterstützung der Texte und Lieder des integrativen Krippenspiels mit Gesten für alle hilfreich gewesen, weil damit die Sprache präziser wird.
Das Krippenspiel ist heute, Dienstag, 9 Uhr, sowie bei der Weihnachtsfeier der Schule um 17 Uhr und 18.30 Uhr nochmals zu erleben. - tw

16.07.: TRP1 berichtet kurz über Absmeier-Abschied

(hier klicken)

14.07.: Charity-Gala für Björn-Schulz-Stiftung und K-Schule

Passauer Runde veranstaltet 5. Benefiz-Gala für krebskranke Kinder

Vorbereitungen der Weihnachts-Charity-Gala bereits sehr erfolgreich, Schirmherrin Regine Sixt und Initiatorin Claudia Gugger-Bessinger engagieren sich für den IRMENGARD-HOF der Björn Schulz STIFTUNG


Passau, Juli 2010. Prominente Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft des Freistaates Bayern und auch bundesweit hat die Initiatorin der "Passauer Runde", Claudia Gugger-Bessinger, zu einer Benefiz-Gala am 26. November 2010 eingeladen. Die international erfolgreiche Unternehmerin Regine Sixt hat die Schirmherrschaft der Weihnachts-Charity-Gala übernommen.

"Wir werden in diesem Jahr den IRMENGARD-HOF der Björn Schulz STIFTUNG gern unterstützen. Hier finden nach einem umfangreichen Umbau des ehemaligen Klostergutes Familien mit einem chronisch und krebskranken Kind einen Ort zur Erholung und Entlastung. Wir freuen uns sehr, daß dieses Projekt eng mit der Region verbunden ist", erklärt die aus Niederbayern stammende Marketingleiterin im eigenen Unternehmen - der MN Maschinenbau Niederwürschnitz, Claudia Gugger-Bessinger, begeistert. Jürgen Schulz, Vorstand und Gründer der Björn Schulz STIFTUNG kommt ebenfalls gern nach Passau. Der BAMBI-Preisträger für Engagement 2009 ist sehr dankbar für die wirksame und nachhaltige Hilfe der "Passauer Runde". Darüber hinaus werden die Körperbehindertenschule in Paussau-Grubweg mit einem Therapiegerät für Muskelerkrankte und das Schimpansenprojekt des von Michael Aufhauser gegründeten Gut Aiderbichl in Salzburg zu gleichen Teilen unterstützt.

Seit fast fünf Jahren engagiert sich die Björn Schulz STIFTUNG im Freistaat Bayern. Die Stiftung ist nach einem kleinen Jungen, der kurz vor seinem achten Geburtstag an Leukämie verstarb, benannt und steht Familien mit einem kranken Kind oder Jugendlichen umfassend, professionell und liebevoll zur Seite. Sie handelt nach dem Leitsatz: Wenn ein Kind so schwer erkrankt, ist immer die gesamte Familie betroffen. Daraus entstanden verschiedene Projekte, wie das Kinderhospiz SONNENHOF, die Ausbildung und der Einsatz von ehrenamtlichen Familienbegleitern, die den Familien auch zuhause beistehen, ein Nachsorgehaus an der Nordsee und vieles mehr.

Im vergangenen Jahr erwarb die Stiftung den Dreiseithof am Chiemsee in Erbpacht von dem Benediktinerinnenkloster Frauenwörth, um kranken Kindern und ihren Familien einen Ort für neue Lebensfreude und Kraft zur Genesung zu schaffen. Ein großer Gemeinschaftsraum wird im Gewölbe der ehemaligen Stallanlage und ein besonderer Raum der Stille in der ehemaligen Kapelle eingerichtet. Werkräume, Spielzimmer, Meditations- und Therapieräume, Gruppenräume, ein Snoezelenraum - ein Raum, in dem alle Sinne angeregt werden - und vieles mehr werden den Familien und ihren Kindern zur Verfügung stehen. Im Dachgeschoß soll eine kleine Sternwarte entstehen.

Die engagierte Initiatorin der Gala hat bereits klangvolle Unterstützer und Sponsoren mit "im Boot", wie Escada, Jung von Matt, Kempinski Hotel, Madame Modemagazin, Clinique, Museum der Moderne Salzburg, Hypokunsthalle München, TeNeues, Roeckl, Feinkost Käfer, Sabo, FC Bayern München, Katjes und Sixt. Aus der Region fördern den exklusiven Event der Passavia Druckservice, MN Maschinenbau Niederwürschnitz, LTG, Mc Donalds, Restaurant Innstaeg, Brauerei Hacklberg, Edeka Buchbauer, Baywa, Bayern Ballooning, Putz Beschriftungen, Brillenhaus Klostergarten, PEB Hallenbäder, Museum Oberhaus, Zweirad Würdinger, Paparazzi-Magazin, Café Greindl, Fürst Reisen und Europäische Wochen Passau wirkungsvoll.

Es ist inzwischen die fünfte Charity-Gala der "Passauer Runde". Zu den vorhergehenden Schirmherren gehörten unter anderem Verleger und Mäzen Florian Langenscheidt und Michael Aufhauser. Die Schirmherrin der diesjährigen Weihnachts-Charity-Gala Regine Sixt erklärt: "Das Engagement der 'Passauer Runde' für den IRMENGARD-HOF unterstütze ich sehr gern. Das Projekt liegt mir persönlich auch sehr am Herzen."

Die "Passauer Runde“ ist ein auf privater Basis gegründetes, hochkarätig besetztes Netzwerk mit führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Schulen, Ärzteschaft, Politik, Kunst, Kultur und Medien aus Passau und der Region. Ziel der Runde ist es, aktiv für die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Belange der Dreiflüssestadt einzutreten, ohne dabei politische Angelegenheiten parteiisch zu bekunden.
Die Freunde der "Passauer Runde“ sehen es als ihren Auftrag, ihre beruflichen Unternehmungen nicht ausschließlich auf das tägliche Streben nach Profit beschränken, sondern darüber hinaus der Gesellschaft, vor allem den Schwächeren und Hilfsbedürftigen, etwas abgeben. Die "Passauer Runde“ leistet auch humanitäre Hilfe, im Besonderen für Kinder auf lokaler und internationaler Ebene.

Höhepunkt der Aktivitäten ist die alljährliche große Weihnachts-Charity-Gala, die jeweils ein konkretes Projekt im In-und Ausland finanziell sehr erfolgreich unterstützt. Anmeldungen für die diesjährige Gala werden gern unter info@passauer-runde.de entgegen genommen.

19.05.: PNP: Peter Seidl rettet Team Deutschland

World Team Cup im Rollstuhltennis: Deutsche Nationalmannschaft bleibt erstklassig. Sie sind weiterhin Weltklasse: Sven Hiller (v.l.), Peter Seidl, Guido Nespethal mit Nora Sommerfeld, Sabine Ellerbrock und Linda Wagemann; im Hintergrund Betreuer Frank Lommel. (Foto: privat)

Der Rudertinger Rollstuhl-Tenniscrack Peter Seidl (39) hat die deutsche Nationalmannschaft beim World Team Cup in Antalya/Türkei vor dem Abstieg bewahrt.
Diese offizielle Mannschafts-Weltmeisterschaft im Rollstuhltennis ging bereits Anfang Mai über die Bühne. Gespielt wurden jeweils zwei Einzel und ein Doppel. Für das Team Deutschland waren auch zwei Mitglieder des DJK-TC Büchlberg am Start: Peter Seidl und Guido Nespethal aus Eschwege. Unterstützt wurden sie von Sven Hiller aus Berlin. Nachdem die deutsche Nummer eins, Steffen Sommerfeld, wegen Verletzung ausfiel, war das primäre Ziel der Nichtabstieg aus der Gruppe 1, in der die besten 16 Nationen der Welt starten.
Zum Auftakt verlor Deutschland 0:3 gegen Belgien. Und auch gegen Spanien setzte es eine 0:3-Niederlage, die Formkurve aber ging schon spürbar nach oben. Das Spiel gegen Japan war schon entscheidend. Eine weitere Niederlage hätte den Abstieg bedeutet. Peter Seidl gewann sein Einzel gegen Yoneda souverän 6:3 und 6:1, Nespethal unterlag Iwata mit 2:6 und 0:6. Das für die Relegation alles entscheidende Doppel gewannen Seidl/Hiller mit 6:2 und 7:5 gegen Homna/Iwata. Das folgende Spiel gegen den Dritten der Gruppe 2, Sri Lanka, musste somit über den Verbleib in der Weltgruppe 1 entscheiden.
Seidl gewann sein Einzel gegen Gamini 6:3, 4:6 und 6:3, Nespethal verlor gegen Rajakaruna mit 6:4, 4:6 und 4:6. Im abschließenden Einzel gewannen Seidl/Hiller das Doppel gegen Gamini/Rajakaruna trotz eines 2:5-Rückstands im dritten Satz mit 6:2, 0:6, 7:6 und sicherten Deutschland somit den Verbleib in der ersten Weltgruppe. Das lässt hoffen für den World Team Cup 2011, der in Südafrika stattfinden wird. - pnp

01.04.: PNP berichtet zum Welt-Autismus-Tag

Leben in einer Welt, die man nicht begreift -  Morgen ist Welt-Autismus-Tag - „Um Menschen wie Aylin zu verstehen, braucht es viel Toleranz“

Stolze Tante: Die Autistin Aylin mit ihrem Neffen Emil. „Dass Autisten am liebsten immer allein sind, ist ein Vorurteil. Wahr ist, dass sie sich alleine wohlfühlen, weil dadurch Schwierigkeiten in der Kommunikation gar nicht erst aufkommen. Trotzdem haben sie das Bedürfnis nach Geselligkeit, nach Freundschaften“, wissen die Eltern der 21-Jährigen, Lidwina und Eilhard Jacobs. (Foto: Privat)

Von Carmen A. Laux

Kellberg. „Was denken denn die Fahrräder, wenn jetzt alle Leute aus dem Zug aussteigen?“ - sagt ein Kind so etwas, finden es die Mitreisenden nett. Sagt es Aylin, erntet sie Unverständnis. Aylin ist 20 Jahre alt und Autistin - eine von geschätzten 14 000 Menschen im Bezirk Niederbayern-Oberpfalz, die diese Behinderung haben. Um die Öffentlichkeit für die Wahrnehmung autistischer Störungen zu sensibilisieren, haben die Vereinten Nationen den 2. April zum Welt-Autismus-Tag erklärt. Er findet heuer zum zweiten Mal statt.
Als Aylin zur Familie Jacobs kam, war sie dreieinhalb Jahre alt. Das Kind sprach nicht, spielte nicht. „Wir wussten, dass das Mädchen schwer traumatisiert ist“, erinnern sich die Pflegeeltern Lidwina und Eilhard Jacobs. Sie wollten dem kleinen Geschöpf das geben, was es bis dahin nicht hatte - eine intakte Familie. Und die ist groß bei den Jacobs: Zu den vier eigenen Kindern kamen eins, zwei, mit Aylin drei Pflegekinder dazu. Im hohen Alter außerdem noch Oma und Opa, und - über Jahre - immer ein Aupair-Mädchen. „Wir waren teilweise 13 Leute hier auf dem Hof“, lacht die Vielfach-Mama, wobei es Zufall war, dass die Großfamilie in der Gemeinde Kellberg sesshaft wurde.
Nach zig Umzügen - der Ehemann und Vater war ein Theater-Mensch, hatte Engagements in ganz Deutschland - streikte die Familie. Lidwina, eine gebürtige Holländerin, wollte endlich wieder eine Heimat haben, die Kinder wollten einen Bauernhof. Und so wurden landwirtschaftlichen Zeitungen durchforstet, bis man auf den Hof in Kapfham stieß. Zur perfekten Idylle für die Kinder kamen auch noch Pferde, Hund und Katzen dazu - und Schwester Aylin.
Zwar fing die Jüngste, gefordert und gefördert von Eltern und Geschwistern, allmählich an zu singen und später auch zu reden, doch blieb sie anders als die anderen. Zwei Jahre wurde sie vom Schulunterricht zurückgestellt. „Wir waren mit ihr bei zig Kinderärzten, bei Psychologen, Psychiatern, Pädagogen, Therapeuten“, erinnert sich der heute 68-Jährige Vater. Mit neun Jahren stand die Diagnose endlich fest: Aylin ist Autistin. Das war für die Familie kein Schock, sondern Erlösung: „Vieles, was bisher unerklärlich war, löste sich auf.“
Die Jacobs machten sich schlau über die angeborene, genetisch bedingte Entwicklungsstörung, die bislang nicht heilbar ist. Sie lernten Familien mit anderen autistischen Kindern kennen, gründeten einen Gesprächskreis, besuchten und veranstalteten Fortbildungen, haben sich dafür eingesetzt, dass es in Passau das Netzwerk Autismus gibt.
Die Ausprägungen der Behinderung sind extrem unterschiedlich: „Es gibt nicht sprechende Autisten mit hoher Intelligenz, perfekt sprechende mit mentalen Einschränkungen und alle möglichen Spielarten dazwischen“, erklärt Lidwina Jacobs. Trotzdem gibt es einen gemeinsamen Nenner: Auffälligkeiten im Sozialverhalten.
„Die meisten gelten als schlecht erzogen, weil sie Mitmenschen wie Gegenstände behandeln, weil sie merkwürdige Sachen machen. Sie können schwer still sitzen, schaukeln deshalb vor und zurück, summen, führen Selbstgespräche“, zählt die 69-Jährige exemplarisch auf. Auch tun sich Autisten hart, Situationen zu erfassen. „Strikte Tagesabläufe sind deshalb ganz wichtig.“ Zuhause in Kapfham hat Aylin eine Tafel mit stundengenauem Wochenplan: Da ist vom Abholdienst übers Schwimmtraining und Reiten bis zu Küchendienst, Kino und Teepausen alles genau vermerkt. Und wenn sich etwas ändert, zum Beispiel ein anderer Fahrer sie abholt? „Dann steigt sie nicht ein“, so die Eltern.
Hinzu kommt, dass das Leben für Autisten unglaublich anstrengend und verwirrend ist, weil sie Reize nicht sinnvoll kanalisieren können. „Da herrscht Chaos im Kopf“, beschreiben die Eltern. Bestes Ventil für Aylin: Bewegung oder körperliche Arbeit, anderenfalls reagiert sie schon mal mit Wutausbrüchen - die ihr danach unendlich leid tun. „Das ist keine Aggressivität, sondern Notwehr. Aber damit dies die Umwelt versteht, braucht es viel Toleranz.“
Die gibt es kaum und gab es vor wenigen Jahren noch weniger. So durfte Aylin trotz aller Bemühungen der Eltern nicht in eine Regelschule, sondern musste in eine Klasse mit geistig behinderten Schülern gehen. Später wechselte sie nach Freyung, wo sie zumindest tageweise auch eine Regelschule besuchen durfte. „Dort war man sehr bemüht um Integration, wollte Aylin auch mal drei Monate am Stück in eine ,normale‘ Klasse geben. Doch da hat der Schulleiter nicht mitgemacht - auch auf Druck der Eltern“, bedauern die Jacobs.
Derzeit arbeitet die 20-Jährige mit viel Freude in den Behindertenwerkstätten in Freyung, soll demnächst ein Praktikum auf einem Reiterhof machen. „Vielleicht kann sie mal in dieser Richtung arbeiten“, hoffen die Eltern und wollen in der Gesellschaft um mehr Verständnis für Autismus werben. Denn: „Unwissenheit führt zu Missachtung und Ausgrenzung. Darum ist der Welttag der Aufklärung über Autismus so wichtig.“ Und so sammeln die Jacobs schon Ideen für den 2. April 2010. Rund um den Termin wollen sie eine Aktionswoche mit Filmen, Vorträgen, Infoabenden organisieren.


Info und Beratung: Netzwerk Autismus Niederbayern-Oberpflaz (NANO), info@nano-passau.de oder 0851/75 63 81 97.

25.02.: PNP berichtet über 1300 Euro-Spende von Medizinlabor

Die Schüler des Caritas-Förderzentrums K-Schule Passau können sich freuen. Die Belegschaft des auf Labormedizin spezialisierte MVZ Dr. Schubach und Kollegen spendet jedes Jahr für karitative Einrichtungen. Die mehr als 250 Mitarbeiter aus dem Labor, das seit 1972 Blutanalysen, mikrobiologische und spezielle molekularbiologische Untersuchungen für über 2000 niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser aus dem ostbayerischen Raum durchführt, haben 1300 Euro gesammelt. Helga Besenhard und Dr. Clemens Engelschalk übergaben die Spende an die K-Schüler Maksym, Nadine, Johannes, Michael, Maximilian, Michael, Dominik, Margarita. Die Schüler bauen gerade professionelle ferngesteuerte Autos, die auch schwer bewegungsbeeinträchtigte Kinder bedienen können. Schulleiter Karl Bischof dankte zudem für die Bereitschaft des Labors, K-Schüler in Praktika zu unterstützen. - red/Foto: privat

22.02.: PNP berichtet über V.I.P-Tennis-Gala in Kellberg

Freuten sich über einen gelungen, unterhaltsamen Abend und über das spendenfreudige Publikum: Organisatorin Olga Frickinger (v.l.), Rosemarie Öxler von Joska, Horst Frickinger, „Motor der Veranstaltung“, Schirmherr Erwin Huber, die Preisträger Gerlinde Mais und Klaus Moosbauer, „Integrationsfigur“ Peter Seidl, Helma Huber, Christine Lehner, Karl Bischof und Rainer Eckelt. (Foto: Heisl)

Grandioser Gala-Abend mit grandiosem Ergebnis
V.I.P.-Sozial-Award für Gerlinde Mais und Klaus Moosbauer - 8000 Euro an Spenden eingenommen

Von Josef Heisl
Kellberg. Grandios ist das Ergebnis der diesjährigen Gala der Euro-V.I.P.-Initiative gewesen, und grandios war auch die Stimmung: Vorsitzender Horst Frickinger hatte mit Eva Zachskorn ein beachtliches Programm mit Gästen aus Tschechien und der Slowakei zusammengestellt. Und so spendeten die gut gelaunten Gäste gerne. Über 8000 Euro wurden eingenommen. Das Geld kommt der Tafel, dem Frauenhaus in Passau sowie der Haiti-Hilfe zugute.
Vor ausverkauftem Kurgästehaus eröffnete Chrissie Dietachmair mit seinem Passauer Lied den Gala-Abend. Auch wenn viele VIPs unter den Gästen waren, machte Organisator Frickinger deutlich, dass die Euro-V.I.P.-Initiative nichts mit „sehr wichtigen Personen“ zu tun habe, sondern das Kürzel sich aus „Verantwortung übernehmen-in-Passau“ ergebe. Über 80 000 Euro habe man bisher für soziale Zwecke zur Verfügung gestellt. Doch als Paten waren doch die „very important persons“ wichtig: „Ohne Helma und Erwin Huber gäbe es das alles gar nicht“, würdigte Frickinger das Engagement des Ex-Staatsministers und seiner Gattin.
Huber, von Beginn an Schirmherr der Veranstaltungen, würdigte Olga und Horst Frickinger als Motor der Initiative, denn: „Auch ein Sozialstaat wie unserer braucht derartige Privatinitiativen.“ Auch Staatssekretär Andreas Scheuer erinnerte als Mann der ersten Stunde daran, wie alles im Wintergarten der Familie Frickinger begann. Bayerns Tennispräsident Dr. Helmut Schmidbauer - der Gala gehen immer Benefiz-Tennisturniere voraus - freute sich, dass es im Tennissport wieder aufwärts gehe.
Dann gehörte die Bühne den Moderatoren Christine Lehner von TRP 1 und Rainer Eckelt, 2. Vorsitzender der V.I.P.-Initiative, die charmant durch das Programm führten. Im Mittelpunkt stand die Verleihung des Euro-V.I.P.-Awards für besondere soziale Leistungen, den Helma und Erwin Huber gestiftet und die Firma Joska umgesetzt hat. Überreicht wurde er an Gerlinde Mais, die sich für querschnittsgelähmte Kinder einsetzt. Als ehemalige Mitarbeiterin der K-Schule wusste sie um deren Bedürfnisse. Und nachdem sie inzwischen Chefin eines Sanitätshauses ist, beschaffte sie sieben Spezialrollstühle im Wert von 28 000 Euro, mit den die Kinder inzwischen von Peter Seidl, Deutscher Meister im Rollstuhl-Tennis, beim DJK TC Büchlberg trainiert werden. „Peter Seidl sprüht vor Lebensfreude und steckt die Kinder damit an. Das ist gelebte Integration“, erklärte ein begeisterter Karl Bischof, Leiter der K-Schule, den Gästen.
Ebenso ging der Preis an Klaus Moosbauer, Gründer des DJK TC Büchlberg. Er hatte schon beim Bau der Tennishalle darauf geachtet, dass auch Rollstuhlfahrer dort ihren Sport ausüben können. Mit Peter Seidl, dessen weitere Trainingsarbeit für fünf Jahre gesichert wurde, sei eine Rollstuhl-Abteilung aufgebaut worden: „Beim TC sind Behinderte willkommen.“
Über so viel soziale Initiative freute sich auch der stellvertretende Landrat Manfred Riedl, der aktiv am Tennisturnier teilgenommen hatte.
Es wurde aber auch Geld verteilt - insgesamt waren über 8000 Euro eingenommen worden. So freute sich Reinhilde Keilbach von der Passauer Tafel über 3000 Euro: „Die Arbeit wird zunehmend schwieriger, weil die Geschäfte nicht mehr so viel zur Verfügung stellen, die Bedürftigen aber zunehmen“, erzählte sie. 3000 Euro gingen an das Frauenhaus: „Wir sind oft die letzte Anlaufstelle für Frauen und Kinder, um sich vor gewalttätigen Männern in Sicherheit zu bringen“, berichtete die Vorsitzende Hildegard Stolper. Eine flammende Rede für die Haiti-Hilfe hielt Jürgen Karl von UNICEF: Er bedankte sich für 1000 Euro und warb für den Benefizabend am kommenden Donnerstag im Großen Rathaussaal. Für das Projekt „Klimamensch“ warb eindrucksvoll Geschäftsführer Dr. Günther Meisinger.
„Richie & the Elevators“ leisteten meisterhaft ihren musikalischen Beitrag, eine Tanzgruppe fescher Mädels aus Südböhmen beeindruckte die Gäste und als Überraschungsgast erschien um Mitternacht die Schlagersängerin Vivian Lindt. Dazu gab es für das leibliche Wohl fantastische Kreationen aus der Küche des Kurgästehauses bis hin zu einem riesigen Mitternachts-Eisbuffet.

21.02.: "Am Sonntag" berichtet über Bi- und Mono-Skikurs

Im Bayerischen Wald lernt Laura (14) das Skifahren - trotz ihrer Körperbehinderung

Echt cool: Die wilden Pistenflitzer von der Passauer K-Schule!

von MICHAEL OSWALD
Auch wenn sie anfangs oft in den Schnee gefallen ist - Lauras Begeisterung bleibt! Für die 14-Jährige ist es bereits ihr vierter Skikurs. Ein großes Erlebnis und im wahrsten Sinne des Wortes eine „echt coole Sache“. Dass Kinder und Jugendliche Skifahren lernen, ist ja eigentlich nichts Außergewöhnliches. Aber Laura Buchheit aus Fürstenzell ist körperbehindert.
Die Schülerin der Klasse 3/5 des Caritas-Förderzentrums K-Schule Passau konnte jetzt an einem einwöchigen Mono- und Bi-Ski-Kurs des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Bayern (BVS) teilnehmen. Im Skigebiet Mitterfirmiansreut im Bayerischen Wald lernt sie gemeinsam mit ihrem Vater Michael, wie es ist, von einem Skilift gezogen zu werden, einen Hang hinunter zu wedeln und auch mal die Nase bei missglückten Manövern in den Schnee zu stecken.
„Für Körperbehinderte gibt es zwei Skimodelle“, erklärt Kursleiter Christian Schoen: „Den Mono-Ski, der eigentlich aus einem normalen Ski besteht, nur dass darauf ein Sitzelement befestigt ist. Zweite Variante: Der Bi-Ski, der über zwei taillierte ,Brettl’ verfügt und zusätzlich zwei kleine seitliche Ausleger hat.“ Damit kann man nur durch die Verlagerung des Körpergewichts fahren. Einfacher wird das Kurvenfahren allerdings erst mit den so genannten Krücken-skiern (kurze Krücken mit kleinen Skiern darunter), die man auch als „Flic Flac” bezeichnet und links sowie rechts in der Hand hält. Die Betreuer selbst benötigen zudem Snowblades (kurze Ski). „Die braucht man, weil wir nah an den Kindern und Jugendlichen dran sein sollen. Außerdem können sich die Betreuer so besser an einem Bügel abstützen oder ein Varioband auf Zug halten“, schildert Inge Drasch, Erzieherin an der K-Schule in Passau den Ablauf.
Nach der Ankunft im behindertengerechten Hotel „Witikohof“ der Caritas in Bischofsreut und dem obligatorischen „Hallo“ mit den anderen Kindern aus Bayern, geht’s gleich ans Eingemachte: Zimmerverteilung, Essensabsprache und natürlich das Wichtigste: Die Verteilung und fachkundige Einstellung der Mono-Ski- und Bi-Ski-Geräte auf die einzelnen Kinder und Jugendlichen. „Thomas braucht eine andere Sitzschale, bei Lucas muss die Fußstütze verändert werden und Corinna soll mal diesen Helm probieren“, so die Tipps von Herbert Winterl, Lehrwart für Behindertenskilauf.
Nachdem alle Mädchen und Jungs in ihre Mono- und Bi-Ski-Geräte eingestiegen sind, kann das Abenteuer endlich beginnen. Auch für Laura in ihrem Bi-Ski und ihrem Papa als Begleiter. Die ersten Abfahrten standen natürlich ganz im Zeichen der Eingewöhnung. „Am besten eignen sich am Anfang verschiedene einfache Übungen, um das Gleichgewicht zu halten oder um im flachen Gelände langsam zu gleiten“, so Winterl. Am Lift angekommen , wartete schon die nächste Herausforderung - das Hochfahren auf den Berg. Doch wer den Berg rauf kommt, muss ihn irgendwie auch wieder runter kommen. In zwei Gruppen, Mono- und Bi-Ski aufgeteilt, wagen sich alle an die ersten Schwünge. Laura, die seit ihrer Geburt an Sprach- und Gleichgewichtsstörungen leidet, erklärt das Fahren einer Linkskurve so: „Den linken Krückenski nach links außen und den anderen dagegen drücken. Dabei den ganzen Körper nach links lehnen. Die Rechtskurve funktioniert dann genau anders herum.“
Na, dann los! „Rechtskurve“, ruft Vater Michael und leitet an dem Griff die Kurve ein. Laura muss mithelfen und durch den Oberkörper das Gewicht verlagern. Und von Herbert Winterl gibt es zu den Kurven natürlich auch die entsprechenden Anweisungen: „Immer daran denken: „Hintern zum Berg, Kopf zum Tal.“ Unten angekommen sind beide mächtig stolz. Auch Laura ist überglücklich: „Der Spaß an der Geschwindigkeit ist für mich einfach unbeschreiblich.“ Die Begeisterung ist grenzenlos. Skifahren hat für Körperbehinderte aber vor allen Dingen einen hohen therapeutischen Wert. „Für sie ist es eine gute Möglichkeit, ihr Gleichgewichtsgefühl zu trainieren”, betont Inge Drasch. Darüber hinaus haben die Jugendlichen einmal das Gefühl der Geschwindigkeit erlebt. Einfach so, als würde man auf normalen Skiern den Berg hinunter düsen. Michael Buchheit: „Es fördert auch das Selbstbewusstsein enorm.“ Und nicht zu vergessen sei, dass viele skibegeisterte Eltern gerne mit ihren Kindern diesen Sport ausüben würden. „So ein Kurs gibt ihnen dazu die Chance”, meint Herbert Winterl. „Aber vor allem war es wieder mal toll, eine Woche fernab von zu Hause in den Bergen zu sein“, schwärmte Laura, für die jetzt schon feststeht: „Klar wedle ich nächsten Winter wieder die Piste runter...“ 

29.01.: PNP berichtet über "Bekenntnis zur Gemeinschaft"

30- und 40-jähriges Dienstjubiläum: Generalvikar Dr. Klaus Metzl dankt

Den geehrten Mitarbeitern dankten Josef Schleicher (v.l.), Dompropst Hans Striedl, Generalvikar Dr. Klaus Metzl und Personalreferent Franz Stadlberger. (Foto: Jäger)

Über 2000 Arbeitsplätze bietet die Diözese Passau mit ihren Pfarreien insgesamt, sie ist damit einer der größten Arbeitgeber in der Region. Generalvikar Dr. Klaus Metzl dankte jetzt 19 Frauen und Männern, die ihr 30- und 40-jähriges Dienstjubiläum feiern. 590 Jahre im kirchlichen Dienst, so der Generalvikar, sei „auch ein Bekenntnis zueinander, zur Gemeinschaft, zur Dienstgemeinschaft in der Kirche“. Denn beim Arbeitgeber Kirche gehe es neben der reinen Tätigkeit im Büro, in der Schule oder in der Seelsorge auch „das persönliche Bekenntnis zu dieser Kirche“, das sich auch außerhalb des Betriebs zeigen müsse.
Seit 40 Jahren arbeiten für die Diözese Helmut Degenhart und Waldemar Zauner, seit 30 Jahren sind im Dienst Josef Bauer, Regina Bauer, Max Brunner, Rosa Eberl, Marlies Eigenschenk-Krenn, Elisabeth Endl-Prieschl, Martin Hamedinger, Viktoria Kagerl, Edmund Kainz, Josef Lendner, Karin Nauert, Hildegard Palsa, Michael Reis, Elisabeth Rosin, Dieter Schlüter, Monika Wimmer und Marianne Ziller.

16.01.: PNP berichtet über die Amtseinführung des Caritasdirektors

Die Caritas begrüßt ihren neuen Chef

Pontifikal-Gottesdienst und Festakt zur Amtseinführung von Dr. Wolfgang Kues - Er bittet um „100 Tage Mindest-Schonfrist“. Der neue Caritasdirektor Dr. Wolfgang Kues (v. r.) ist gestern offiziell in sein Amt eingeführt worden von Bischof Wilhelm Schraml und dem Vorsitzenden der Diözesan-Caritas Passau, Domkapitular Manfred Ertl. (Foto: Jäger)

Von Franz Danninger
Eine Stunde lang wird vorne am Rednerpult bereits begrüßt, gute Zusammenarbeit angeboten und Gottes Segen gewünscht. Unter den 180 Gästen im Seminar St. Valentin haben sich längst leise Tischgespräche entwickelt. Gemurmel im Saal.
Dann betritt die Hauptperson die Bühne und es ist still. Bis jemand zu klatschen beginnt und sofort alle mit einfallen. Wohlwollendes Willkommen für den neuen Chef, den neuen Kollegen, den neuen Caritas-Direktor Dr. Wolfgang Kues. Eine Viertelstunde lang lauscht die Festversammlung, die gestern Nachmittag zu seiner Amtseinführung zusammengekommen ist, fast andächtig seinen Worten. Und am Ende steht wieder Applaus, der über das Höflichkeitsmaß hinausgeht.
Als Betriebswirt wisse er, dass der Caritasverband funktionieren müsse nach den Gesetzen der Logik, der juristischen, der wirtschaftlichen, der fachlichen. „Aber auch der Theologik“, betont der 45-Jährige, der nach seinem Theologiestudium promoviert hat mit einer Arbeit, der er den Titel gab „Werde, der du sein sollst“. Damit habe er bereits in jüngeren Jahren seine Überzeugung manifestiert, „dass jeder von uns einen Auftrag hat“, wie der Vorsitzende der Passauer Caritas, Domkapitular Manfred Ertl, vorher gelobt hatte. Mittlerweile sei Kues „ein erfahrener Caritäter“ (er ist seit 1992 bei der Caritas tätig). Auch die evangelische Dekanin Dr. Edda Weise, stv. Landrat Josef Federhofer und Landes-Caritasdirektor Karl-Heinz Zerrle hatten Kues willkommen geheißen, ebenso wie Markus Neukirchinger namens der Mitarbeiter.
Die nächsten Jahre würden Umwälzungen in allen Bereichen des Sozialwesens bringen, meinte Kues. Er bot allen ein ehrliches, offenes Ringen um die beste Lösung an. Lächelnd bat er aber auch „um 100 Tage Mindest-Schonfrist“.
Vor dem Festakt in St. Valentin hatte Bischof Wilhelm Schraml dem neuen Caritasdirektor bei einem Pontifikal-Gottesdienst im Dom die Ernennungsurkunde übergeben. Dabei erklärte Schraml, dass der Dienst der Caritas mehr sei als Sozialarbeit. Der katholische Wohlfahrtsverband müsse Christus sozusagen im Firmenzeichen tragen. Es gehe darum, den Menschen „aus der Perspektive Jesu Christi heraus zu sehen“. Die Mitarbeiter der Caritas dürften sich „nicht nach den Ideologien der Weltverbesserung richten“. Die tiefste Wurzel ihrer Arbeit müsse im Glauben liegen.
Großen Beifall erhielt die Begrüßung durch Bürgermeister Urban Mangold. Zum einen sprach er wohl allen Caritas-Beschäftigten aus der Seele, als er versprach, die Stadt Passau werde bei allen Auswirkungen der Wirtschaftskrise nicht mit einem Kahlschlag aller freiwilligen Leistungen reagieren. Zum anderen meinte er zu Kues, dass städtebauliche Ästhetik offenbar eine Rolle spiele in dessen Karriereplanung: Er sei von Koblenz nach Passau gekommen, also von einer der schönsten und ältesten Städte Deutschlands in eine andere. „So etwas Schönes gibt es nicht mehr oft. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass Sie lange bei uns bleiben werden.“
Länger vielleicht als sein Vorgänger. Der hatte nach vier Jahren Dienstzeit im Mai vorigen Jahres seinen Rücktritt eingereicht. Der verheiratete Caritasdirektor hatte sich in eine Mitarbeiterin verliebt und das auch offenbart, auch gegenüber seinem Arbeitgeber. Bis sein Nachfolger Kues gefunden wurde, hatte Caritas-Vorsitzender Ertl auch die Aufgaben des Direktors übernommen.

15.01.: PNP stellt neuen Caritasdirektor Dr. Wolfgang Kues vor

 „Die Arbeit der Caritas ist eine Form von Politik“

Dr. Wolfgang Kues aus Koblenz , der neue Caritasdirektor des Bistums Passau, spricht im PNP-Interview über seine Ziele. Dr. Wolfgang Kues (45) übernimmt heute sein Amt im Bistum Passau. Er will die Interessen von Menschen vertreten, die keine Lobby haben. (Foto: Jäger)

Passau. Dr. Wolfgang Kues (45) wird heute, 14 Uhr, mit einem Pontifikalgottesdienst im Passauer Dom als neuer Caritasdirektor im Bistum Passau in sein Amt eingeführt. Im PNP-Gespräch gibt Kues einen Ausblick auf seine Arbeit.

  Was bedeutet für Sie Caritasarbeit?

Dr. Kues: Die Caritas ist für mich ein starkes Stück Kirche. Die katholische Kirche wendet sich Menschen zu, die qualifizierte Hilfe brauchen. Das ist für mich auch eine Form von Politik - die Interessenvertretung von Menschen, die keine Lobby haben.

  Angesichts der Haushaltslage wird es aber wohl immer schwieriger, diese zu leisten. Sind weitere Kürzungen zu erwarten?

Dr. Kues: Die Zeiten werden nicht leichter, das hat mit der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte zu tun. Auf der einen Seite gibt es für viele Hilfen Rechtsansprüche, so bei der Behinderten- oder der Altenhilfe. Auf der anderen Seite stehen aber die vielen freiwilligen Leistungen, für die es keinen Rechtsanspruch gibt. Viele Beratungsdienste sind nicht zu hundert Prozent ausfinanziert. Bei den Eigenmitteln, den Kirchensteuern, ist sicherlich in den nächsten Jahren die Situation angespannt. Ich hoffe sehr, dass die Caritas einigermaßen verschont bleibt. Wir haben aber gerade erst durch die deutschen Bischöfe nochmal starke Rückendeckung bekommen.

  Im Bistum Passau war es ein schwieriges Jahr für die Caritas, mit dem überraschenden Ausscheiden Ihres Vorgängers, der wegen einer Beziehung zu einer Mitarbeiterin den Verband verlassen hatte, und Mobbing-Vorwürfen vor Gericht. Wie gehen Sie damit um?

Dr. Kues: Zu meinem Vorgänger verbietet sich jedes Urteil. Die Mobbing-Vorwürfe halte ich nach allem, was ich weiß, für völlig übertrieben. Der Diözesancaritasverband ist ein Betrieb mit sehr vielen Mitarbeitern, dass es da zu Meinungsverschiedenheiten, möglicherweise auch Auseinandersetzungen kommen kann, ist ganz natürlich. Die Vorwürfe haben sich im nachhinein als unbegründet herausgestellt, meines Wissens hat man sich gütlich getrennt.

  Die Caritas ist auch ein großes Wirtschaftsunternehmen. Zuletzt wurde immer wieder ein Verdrängungswettbewerb in der Altenpflege beklagt. Wie ist die Caritas aufgestellt?

Dr. Kues: Spätestens seit Einführung der Pflegeversicherung sind wir auf einem Markt mit vielen anderen Anbietern, die auch mit guten Konzepten in die Nischen gehen. Wir wiederum setzen auf viele, viele Jahre Erfahrung. Caritas ist eine Marke, mit der die Bevölkerung eine gute Pflege und mehr verbindet. Wir stehen ja auch für ein Menschenbild, für Spiritualität in der Pflege, und ich hoffe sehr, dass sich das durchsetzt.

  Sind veränderte Gewichtungen bei den Beratungsangeboten abzusehen?

Dr. Kues: Ich bin jetzt erst eineinhalb Wochen im Amt und bin momentan ein Hörender und Sehender. Ich werde mir in den nächsten Wochen ein Bild von der Caritas im Bistum machen, Referenten besuchen, Einzelgespräche führen, Kooperationspartner besuchen, zu Kostenträgern und Politikern Kontakt aufnehmen. Das ist mir sehr wichtig. Die Caritas ist ja wie gesagt auch ein Stück Politik und wir brauchen einen guten Draht zu Entscheidungsträgern.

  Ihre Wünsche an die Politik?

Dr. Kues: Ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen, die wir vertreten.


Gespräch: Wolfgang Lampelsdorfer

08.11.: PNP berichtet über tapferen Andrei aus Ruhstorf

Junger Rumäne sitzt seit einem schrecklichen Unfall im Rollstuhl - Am Maristengymnasium will er nun das Abitur machen

Von Regina Ehm-Klier
Ruhstorf/Fürstenzell. Nur sein Verstand ist noch so, wie er immer war. Andrei ist hellwach und blitzgescheit. Er ist 19 Jahre alt und gelähmt vom Hals abwärts. Er arbeitet gerade daran, dass ihm seine Finger wieder gehorchen. Immerhin kann er die Arme bewegen. Doch seit einem Unfall ist nichts mehr so, wie es war. Andrei ist nicht mehr in Rumänien, nicht mehr in seinem katholischen Gymnasium am Schwarzen Meer, die Familie ging auseinander, um zusammenzuhalten. Andreis Mutter und seine Schwester Gabriela (25) kümmern sich um den jungen Mann im Rollstuhl. Vater und zwei Brüder sind in Italien, Geld verdienen. Alles nur, um Andrei zu helfen, „das ist für uns selbstverständlich“, sagt Gabriela, die ihr Studium Internationale Beziehungen in Wirtschaft beendet hatte. Sie spricht Englisch und Italienisch, hatte gerade den beruflichen Einstieg geschafft. Solidarität mit der Familie ist selbstverständlich, doch sie tut auch weh. Es ist Gabriela anzumerken.
Seit Monaten ist sie nur für ihren Bruder da, „er ist unser Kleinster“, sagt sie. Und sie erzählt, was er alles durchgemacht hat in den vergangenen Monaten, von schlechten Krankenhäusern, Operationen, Einsamkeit. Andrei selbst kann über vieles reden, mittlerweile sogar ganz gut in Deutsch, nicht aber über diesen Unfall, der sein Leben und seine Träume zerstörte. Andrei wollte Priester werden. Dieser Wunsch, seine ausgezeichneten Schulnoten und dazu ein bestandenes schweres Examen als Aufnahmeprüfung waren die Voraussetzung, um an einem hoch angesehenen katholischen Gymnasium am Schwarzen Meer aufgenommen zu werden. „Er muss ein ganz hervorragender Schüler gewesen sein“, weiß Dr. Roland Feucht, Direktor des Maristengymnasiums Fürstenzell (Lkr. Passau) aus Andreis Zeugnissen. Mit diesen Noten wären dem jungen Mann jedenfalls kaum Hürden im beruflichen Weg gestanden.
Doch dann passierte es: „Er ist mit dem Kopf aufgeschlagen“, erzählt Gabriela Chiriches, als Andrei gerade mit dem PNP-Fotografen im Schulhaus unterwegs ist, vom Schicksalstag. Andrei war ins flache Wasser des Schwarzen Meeres gefallen, brach sich die Halswirbel. Von einer Sekunde zur nächsten wird alles anders im Leben des damals 17-Jährigen. Und es beginnt ein Leidensweg. Der Schwerverletzte kommt in ein Krankenhaus in Constanta, nach Bukarest zweitgrößte Stadt des Landes und die nächste Stadt von Oituz, dem Dorf, in dem Familie Chiriches lebt. Die schweren Wirbelverletzungen können im dortigen Krankenhaus nicht behandelt werden, Andrei kommt nach Bukarest, Gabrielas dunkle Augen glänzen


Unterstützung durch Kapfinger-Stiftung

vor Wut, wenn sie von den Zuständen dort erzählt: „In Rumänien ist die Krankenversorgung noch viel schlechter als in Afrika. Als wir hierher kamen, war das wie eine andere Welt - wirklich.“ Als Andrei dann endlich nach Regensburg zur Operation kam, war die Schwester an seiner Seite, daran hat sich seither nichts geändert.
Die junge Frau versteht schon gut Deutsch, das Reden fällt ihr nach den wenigen Monaten indes schwer. Ihr Englisch hingegen ist einwandfrei. Doch die nächste Sorge plagt sie. Sie braucht Arbeit. „Wenn ich dem Landratsamt keinen Vertrag vorlege, darf ich nur ein halbes Jahr bleiben.“ Auch innerhalb der EU gelten Regeln. Die gestatten Andrei den Aufenthalt während seiner Schulzeit, ebenfalls der Mutter. Eine Schwester ist im Gesetz nicht vorgesehen. Als EU-Bürgerin darf sie in Deutschland aber arbeiten - und so bei ihrer Familie im Haus in Ruhstorf bleiben.
Wenigstens ein großes Problem für die Chiriches wird kleiner - das Geld. Und dafür sorgte der findige Schulleiter Dr. Feucht, der mehr als seine Pflicht tut, damit der Junge eine Ausbildung bekommt. Zum Beispiel einen behindertengerechter Laptop. Dr. Feucht wandte sich an die Dr.-Hans-Kapfinger-Stiftung. Eine gute Idee. Denn Stiftungsratsvorsitzender Siegfried Reichenbach schrieb jetzt die erfreuliche Nachricht, dass die Stiftung von PNP-Gründer Dr. Hans Kapfinger Andrei ein Stipendium gewährt. Bis zum Ende seiner Schulzeit, das wird 2011 sein, bekommt er monatlich 200 Euro überwiesen. „Eine große Hilfe“, sagt auch Andrei dankbar - und auf Deutsch. Nur im Notfall wechselt er die Sprache - sein Englisch ist nahezu perfekt, sein Deutsch sehr gut, „dabei ist er erst seit Juli hier“, nötigt das selbst dem Schulleiter ordentlichen Respekt ab. Ebenso wie die Solidarität der Familie und der unbändige Wille des jungen Mannes, der so gar nicht mit seinem Schicksal hadert.
Denn das hat es auch gut mit ihm gemeint. So ist sein Arzt in der Reha-Klinik Passauer Wolf in Bad Griesbach, in dem Andrei nach den Operationen behandelt wurde, Elternbeirat des Maristengymnasiums. Er machte Schulleiter Feucht auf den jungen Mann aufmerksam. Und so kam es, dass Andrei wieder zur


Schulkameraden helfen bei Barrieren

Schule gehen kann. Ja, kann. Denn für Andrei ist der Unterricht alles andere als lästige Pflicht. Auf die Frage, was ihm denn hier am meisten Spaß mache, antwortet er „Das Lernen“ und fügt für den verdutzten Zuhörer ein „natürlich“ an. Weil Bildung in Rumänien eben nicht natürlich ist.
Dass ihm Lernen Spaß macht, dafür ist der 19-Jährige selbst der beste Beweis. Er hat schon Freunde gefunden in der Schule. Einer hat ihm eine Vergrößerung für seinen „Joystick“, die Lenkung am elektrischen Rollstuhl, gebaut. „Der war zu klein für mich“, erklärt Andrei den Golfball über dem Hebel, der mit einem Schwein verziert ist, „stark wie Sau“, Andrei lacht verschmitzt und sein Schulleiter freut sich, dass der Zwölftklässler jeden Tag weniger Schützling und immer mehr Schüler wird. Freilich nie ein ganz normaler. Das Maristengymnasium ist kein behindertengerechter Bau. „Man muss improvisieren“, sagt Dr. Feucht. So wurden bei der Stundenplanung eben die Kurse so gelegt, dass sie immer auf einer Ebene stattfinden. Und wenn das nicht geht - bei Fachräumen zum Beispiel - hat Andrei immer Mitschüler an seiner Seite, die ihn über den Nebeneingang in die Schule begleiten. Weshalb es der Schulleiter nicht nur von der menschlichen Seite, sondern auch von der pädagogischen überaus positiv findet, Andrei an der Schule zu haben: „Es schadet gar nicht, wenn die Schüler sehen, dass Gesundheit und Bildung keine Selbstverständlichkeit sind.“
Andrei besucht die K 12, seine Leistungskurse sind katholische Religion und Englisch. Nächstes Jahr will er Abitur machen, sein Schulleiter ist überzeugt, dass er das auch schafft. Wie es weitergeht? Andrei wird nachdenklich: „Ich muss mir etwas anderes suchen, ich wollte ja Pfarrer werden.“ „Vielleicht wird es ja doch etwas“, macht Schulleiter Feucht Mut. „Ja“, sagt Andrei, „ich hoffe es.“

04.11.: PNP-Bericht "Mit Golf das Handicap überwinden"

Der Spezial-Rollstuhl namens Power-Golfer ermöglicht es behinderten Kindern Golf zu spielen. Der 15-jährige Thomas, Schüler der K-Schule in Passau, demonstriert dies in der Puttinghalle des Golfodroms in Holzhäuser Golflehrer Sebastian Lahmer (v.l.) Dr. Hans-Dieter Cleven, Hauptgesellschafter des Hartl Resorts, und Mediziner Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer. (Foto: Jörg Schlegel)

Von Markus Gerauer
Bad Griesbach. Viel war von Stiftungen und Kooperationen zu hören gestern in der Puttinghalle des Golfodroms in Holzhäuser, von Rehabilitation und Gesundheitsbildung. Trockener Stoff. Doch wie lebendig die Zusammenarbeit von sich perfekt ergänzenden Partnern sein kann, das sah man kurz darauf an leuchtenden Kinderaugen. An der Freude von vier behinderten Mädchen und Buben der Passauer K-Schule, die mittels eines speziellen Rollstuhls Golf spielen konnten. Und dabei riesigen Spaß hatten. Da war klar: Das Projekt von Dr. Hans-Dieter Cleven und Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer geht auf.


Partner, die
sich ideal ergänzen

Doch bevor Kinderlachen durch die Halle schallte, ging es formell zu. Denn schließlich kam man gestern im Hartl Resort zusammen, um den Grundstein zu legen für eine Kooperation. Das Golf Resort ist seit gestern offiziell Kooperationspartner des Projekts „Golf bewegt: Überwinde dein Handicap“ der Dietrich Grönemeyer Stiftung. Die 2007 von Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, Bruder des bekannten deutschen Sängers, ins Leben gerufene DG-Stiftung für Prävention und Gesundheit fördert Programme, die erkrankten und behinderten Kindern sowie Erwachsenen helfen, ihre Lebensqualität zu verbessern.
Und genau darin besteht eine Schnittmenge zur Stiftung, die Dr. Hans-Dieter Cleven, Hauptgesellschafter des Hartl Resorts, zusammen mit Ex-Tennisstar Boris Becker gegründet hat. Die Cleven-Becker-Stiftung nämlich hat sich die Gesundheitsförderung durch Sport und gesunde Ernährung auf die Fahnen geschrieben. „Da man gemeinsam stärker ist, haben wir uns dann auch die Suche nach anderen Stiftungen gemacht, mit denen wir zusammenarbeiten können. Für uns war entscheidend: Mit welchem Partner kommen wir am schnellsten voran“, verdeutlichte Dr. Cleven, wie man auf die Dietrich Grönemeyer Stiftung aufmerksam geworden ist.
Nach ersten Gesprächen sei klar gewesen, dass man sich ideal ergänze. Und da sich Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer bereits seit Jahren dafür einsetzt, dass Golf Schulsport wird, war dann auch schnell der neue Wirkungskreis der Kooperation gefunden. Und dann war auch der Weg nach Bad Griesbach nicht mehr weit. „Es gibt wohl keinen geeigneteren Ort für Golfprojekt als das Hartl Resort“, zeigte sich Dr. Cleven überzeugt. Und schon war die Idee geboren: Zusammen setzen die DG-Stiftung, die Cleven-Becker-Stiftung und das Hartl Resort Bad Griesbach auf die Vorteile des Golfsports und nutzen dessen optimale Rehabilitations- und Therapiemöglichkeiten.
Ausgangspunkt ist ein so genannter Power-Golfer, ein spezieller Rollstuhl, der es den Behinderten ermöglicht, in aufrechter Haltung, Golf zu spielen. Gekauft hat dieses erste Exemplar Dr. Cleven. Viele weitere dieser Spezial-Rollstühle sollen folgen. „Ich hoffe, das heute ist der Startschuss zu einer großen Bewegung“, sagte Dr. Cleven dann auch, ehe er das Wort an Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer übergab.
Und der legte richtig los, beschrieb begeisternd und mitreißend das Projekt. „Es geht um Lebensfreude, um Wohlbefinden. Auch der, der im Rollstuhl sitzt, der krank ist, möchte sein Leben mit Wohlbefinden verbringen“, ließ er die Zuhörer an seiner Philosophie teilhaben. Und wenige Sportarten würden mehr Lebensfreude vermitteln als Golf. Und: Beim Golf könne ein behinderter Spieler einen nichtbehinderten besiegen. Das sei sozial und gemeinschaftsbildend.
Wie Dietrich Grönemeyer im Gespräch mit der PNP erklärt, können Behinderten-Schulen Kontakt zur Stiftung aufnehmen. So können die Kinder in den Genuss des Golfspiels kommen. Und später auch Erwachsene. Denn für den Mediziner hat dieses Projekt auch eine gesellschaftliche Komponente: „Man sieht bei uns auf den Straßen kaum Menschen in Rollstühlen. Die verstecken sich. Unser Projekt soll dazu beitragen, dass diese Menschen hinausgehen“, so Grönemeyer, dessen Konzept bereits an 16 Golfplätzen umgesetzt wird.


Wohltätigkeitsturnier
am 22. Mai 2010

Für Dr. Cleven indes ist ein großer Vorteil dieser Kooperation, dass gute Ansätze schnell vorangetrieben werden. Und als Mann der Tat hat er zusammen mit Dietrich Grönemeyer auch schon eine große Veranstaltung anberaumt. Am 22. Mai 2010 wird es im Hartl Resort ein Wohltätigkeitsturnier geben, dessen Erlös in die Anschaffung von weiteren Power-Golfern investiert wird.
Nicht auszuschließen, dass dann auch das ein oder andere Kind der Passauer K-Schule auf den Greens zu sehen ist. Mit ihnen hat der Golfsport gestern neue Anhänger gefunden. Und wenn man sah, wie selbstverständlich die Buben und Mädchen bereits nach kurzer Zeit mit dem Schläger und dem kleinen Ball umgingen, steht fest: Golf ist nicht nur eine prima Therapie, Spaß und Selbstvertrauen bringt es auch noch.

23.10.: PNP "Sigi Pilsl - Ein Leben geht in die Verlängerung"

Die Ärzte gaben ihm als Kind nur vier Jahre zu leben - Diese Woche wurde der Fußballfan 40

Von Stefan Endl
Hauzenberg. In drei Minuten ist Anpfiff. In der Kabine klatscht Trainer Günther Wallner in die Hände: „Auf geht’s Jungs, wir machen einen Kreis.“ Schulter an Schulter formieren sich die elf Spieler und warten auf den letzten, motivierenden Heißmacher ihres Trainers. Alle stehen - nur einer sitzt, mitten im Kreis in einem blauen Elektro-Rollstuhl: Der zwölfte Mann des SV Kropfmühl, Sigi Pilsl.

Der treueste Fan des SV Kropfmühl

Es vergeht kaum eine Woche, in der Siegfried Pilsl aus Haagwies, den sie alle nur Sigi nennen, nicht bei diesem Ritual dabei ist. Ein Fußballspiel seines Lieblingsvereins versäumt er ohnehin nicht. Obwohl er nur zuschauen kann, fiebert Sigi Woche für Woche mit seiner Mannschaft vom Spielfeldrand aus mit. Egal ob Heimspiel oder auswärts, Regen oder Schnee - sobald der Schiedsrichter das Spiel anpfeift, ist der treueste Fan des SV Kropfmühl dabei. „Ich sag oft zu ihm: Schau halt mal raus, wie’s regnet“, erzählt Mutter Marianne, „aber an Spieltagen kannst du sagen, was du willst, den Sigi hält da nichts zu Hause.“
Die Begeisterung für Fußball hat er schon von Kindesbeinen an. Kindesbeine, mit denen Sigi nie gelernt hat zu laufen. Schon seit seiner Geburt leidet er an einer spinalen Muskelerkrankung. Durch eine Funktionsstörung im Rückenmark kommt es zu einem Schwund und zur Schwächung seiner Muskulatur. Geistig ist Sigi topfit, doch seine Arme und Beine kann er nur sehr eingeschränkt bewegen. Seinen Rollstuhl steuert er mithilfe eines Joysticks mit der rechten Hand.
Schon früh mussten die Eltern, Marianne und Siegfried Pilsl, schlimme Nachrichten verkraften. „Ihr Kind wird höchstens vier Jahre alt“, lautete die niederschmetternde Prognose der Ärzte nach einer Operation in München. Doch die Ärzte irrten sich: Aus vier Jahren Lebenserwartung sind 40 Jahre geworden. Jetzt hat Sigi seinen 40. Geburtstag gefeiert. Seine Familie weiß dieses Geschenk zu schätzen: „Es ist fast wie ein kleines Wunder“, sagt Mutter Marianne bedächtig. Kleine Wunder brauchte Sigi bisher schon viele in seinem Leben. Mit 18 Jahren ist er nach einer schweren Lungenentzündung nur knapp dem Tod entkommen. „Er bekam damals vom Pfarrer schon die letzte Ölung“, erinnert sich die Mutter. Fast die ganze Nacht über wachte sein damaliger Hausarzt am Bett des 18-Jährigen. „Irgendwie hat es der Sigi dann doch wieder geschafft.“ Vor ein paar Jahren ein ähnlicher Fall, vorausgegangen war eigentlich nur eine Lappalie: Sigi verschluckte sich beim Essen. Es folgten eine schwere Entzündung der Speiseröhre und mehrere Wochen im Krankenhaus.
Aufgrund seiner Krankheit ist Sigi Pilsl rund um die Uhr auf Betreuung angewiesen, die seine Eltern zusammen mit Großmutter Anna Greindl übernehmen. Anziehen, Zähneputzen und zu Bett bringen - von frühmorgens bis spät am Abend kümmert sich Oma Anna liebevoll um ihren Enkel. Sie lebt im gleichen Haus, schmeißt den Haushalt von Sigi, kocht und geht einkaufen. Eine Aufgabe, die jung hält - das Alter von 81 Jahren merkt man der lebenslustigen Rentnerin nicht an. „Sigi ist für mich wie ein Sohn“, sagt Oma Anna.
Und doch gibt es manchmal Meinungsverschiedenheiten: Bei der Auswahl des Fernsehprogramms kollidieren oft Sigi’s Begeisterung für Fußball und Oma’s Vorliebe für Volksmusiksendungen. Bundesliga, DFB-Pokal und Champions-League hat Sigi abonniert. Doch auch bei diesem Zweikampf um die Fernbedienung hält Sigi den Fairplay-Gedanken hoch: „Ich lass der Oma ihren Silbereisen, und schau halt dann einfach bei meinem Bruder Fußball.“
„Der Sigi lebt einfach für den Fußball“, bestätigt auch sein Vater Siegfried. Bruder Andreas, der vor zwei Jahren ein behindertengerecht ausgestattetes Haus für sich und seinen Bruder gebaut hat, drückt es so aus: „Er ist ein Fußballverrückter.“ Als Jugendlicher jagte Sigi trotz seines Handicaps mit den anderen Jungs aus dem Dorf selbst dem runden Leder hinterher. „Er stand mit seinem Elektro-Rollstuhl im Tor und wehrte die Bälle ab“, erinnert sich Andreas.
Das Durchkommen bei Keeper Sigi war damals gar nicht so einfach: „Wenn’s sein musste, is dir der auch über die Zehen gefahren.“
Trotz aller Sympathien für die Profis vom FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft - Sigi’s Herz schlägt für den SV Kropfmühl. Wenn sich die Mannschaft mit neuen Trikots ausstattet, ist der Dress mit der Nummer 16 für ihn reserviert. Ein Mannschaftsfoto ohne Sigi: undenkbar.

Zum Fußballplatz mit dem Elektro-Rollstuhl

Der 40-Jährige hat schon Aufstiege mitgefeiert, aber auch bei Abstiegen hielt er zu seinem Lieblingsverein. Wenn die Sonne scheint, fährt Sigi die zwei Kilometer lange Strecke zum Fußballplatz mit seinem Elektro-Rollstuhl alleine. Dann ist schon von weitem erkennbar, wer angerollt kommt: Vereinsjacke, ein Käppi auf dem Kopf, und auf der Hinterseite seines Rollstuhls flattern ein roter Fanschal des FC Bayern und ein grüner des SV Kropfmühl im Fahrtwind.
Egal ob Sigi seine Mannschaft das Spiel letztendlich gewinnen oder verlieren sieht, er hält felsenfest zu seinen Freunden. Solange sich die Spieler beim Aufruf des Trainers: „Auf geht’s Jungs, Kreis!“ um ihren zwölften Mann versammeln können, dürfen sie sich ohnehin als Sieger fühlen.

25.07.: PNP-Artikel "Die K-Schule als Künstler-Schule"

Passau.
Nach der Premiere 2008 findet dieses Jahr zum zweiten Mal eine Ausstellung mit Werken von Schülern der K-Schule Passau im Landratsamt statt. Zu sehen sind Lithografien, bunte Masken und Nana-Figuren im Stil der weltberühmten Künstlerin Niki de Saint Phalle.
Entstanden sind die Werke bei zwei Projekten: Gabriele Waldbauer, Konrektorin der K-Schule, Initiatorin und Betreuerin des Ausstellungsprojektes, erläuterte bei der Vernissage die Entstehungsgeschichte. Der erste Themenkreis beschäftigt sich mit der Commedia dell’ Arte. Hierzu recherchierten die Schüler ausführlich in Literatur und Internet, bevor sie bei einem Workshop mit der Künstlerin Waltraud Danzig in der Werkstatt Lithografien anfertigten. In einem zweiten Teil stellten die Schüler zusammen mit einer Schulklasse des Auersperg-Gymnasiums Freudenhain und deren Kunstlehrerin Elisabeth Schneider Masken aus Pappmaché her. Diese werden im nächsten Schuljahr für eine Theateraufführung verwendet.
Das zweite Projekt an der Schule betreute Referendarin Katarina Buch im Rahmen ihrer Zulassungsarbeit. Sie fertigte mit den Schülern Nana-Figuren ähnlich denen der Künstlerin Niki de Saint Phalle an. Die etwa ein Meter großen Skulpturen sind aus Drahtgeflecht und Pappmaché geformt und mit Farben gestaltet (siehe Foto links).Die Klasse 6/7 der Körperbehindertenschule bewarb sich mit ihrem Projekt bei dem von den Kulturstifungen der Länder ausgeschriebenen Wettbewerb „Kinder zum Olymp“. Als Anerkennung bekamen sie eine Urkunde und wurden auf der Homepage von „Kinder zum Olymp“ für ein sehr positives Beispiel von Kooperation zwischen Kultureinrichtungen und Schule ausgewählt. Gabriele Waldbauer überreichte die Urkunde an Eduard Bosch, Pressesprecher des Landratsamtes, und dankte allen Mitarbeitern der Schule sowie den Schülern für ihren großen Einsatz und Fleiß.
Stellvertretende Landrätin Gerlinde Kaupa erinnerte in ihrer Begrüßungsrede daran, dass die Ausstellung im vergangenen Jahr, die unter dem Motto „Mensch und Figur“ gestanden hatte, bei Mitarbeitern und Besuchern des Amtes auf großes Interesse, ja teilweise auch Bewunderung gestoßen sei. Im Beisein von Tagesstättenleiter Martin Hobelsberger, der Lehrer Christian Schöttner und Elisabeth Schneider vom Gymnasium Freudenhain und der Künstlerin und Kulturpreisträgerin Waltraud Danzig überreichte Kaupa an den Leiter der K-Schule, Karl Bischof, eine kleine Spende für die Schule. Kaupas besonderer Dank galt den Mädchen und Buben, „denn es sind ja schließlich eure Arbeiten, die wir nun einen Monat lang hier bewundern dürfen“. - red/Foto: PNP

08.07.: PNP-Artikel "Gemeinsam Kickern, Kegeln und Karaoke"

Projekt „Integrations-Freizeit“: Petra Asenbauer und Zeughaus planen Angebot für Jugendliche mit und ohne Behinderung

Gemeinsame Pläne: Der Leiter der K-Schule Karl Bischof (v.l.), Edmund Kriegl (Zeughaus), Sabine Grundmüller (Lebenshilfe), Initiatorin Petra Asenbauer, Stefan Puchberger (Zeughaus), Günter Kastenhuber (Förderverein der K-Schule), Christian Hertel (K-Schule) und Renate Sommergruber (Bischöfliches Ordinariat) wollen ein Freizeitprojekt für Jugendliche mit und ohne Behinderung auf die Beine stellen. (Foto: Wildfeuer)

Von Theresia Wildfeuer
Im Zeughaus wird es ab September gemeinsame Freizeitangebote für Jugendliche mit und ohne Behinderung geben. Initiatiorin des Projekts ist die Spastikerin Petra Asenbauer. Zusammen mit Karl Bischof von der K-Schule und weiteren Unterstützern sucht sie jetzt junge Leute, die mitmachen wollen. Das nächste Treffen findet am 10. Juli im Zeughaus statt. „Es soll in Passau eine Möglichkeit geschaffen werden, damit Behinderte und Nichtbehinderte ungezwungen gemeinsam ihre Freizeit verbringen können“, wünscht sich Petra Asenbauer. „Integrations-Freizeit“ nennt sie ihr Projekt, das sich an Jugendliche und Junggebliebene ab 16 Jahren richtet.
Petra Asenbauer möchte ein „breites Band an Freizeitaktivitäten“ knüpfen, um junge Leute mit und ohne Handicap zusammen zu bringen. Der offene Treff, der voraussichtlich alle 14 Tage stattfinden wird, lade zu Tischtennis und Billard, „Kickern mit Freunden“, Brett- und Gesellschaftsspielen oder gemütlichem Zusammensitzen ein. Auch Kegeln, Karaoke oder „wii sports“, eine Sportsimulation am Computer für Golf oder Boxen, kann sie sich vorstellen.
Edmund Kriegl vom Zeughaus, Renate Sommergruber vom Kirchlichen Jugendbüro und Behindertenbeauftragte des Bischöflichen Ordinariats, Sabine Grundmüller von der Lebenshilfe, Karl Bischof, Leiter der Schule für Körperbehinderte in Grubweg, der Förderverein der K-Schule und das Zeughaus unterstützen Petra Asenbauer bei ihrem Vorhaben. Günther Kastenhuber vom Förderverein sicherte bereits einen finanziellen Beitrag zu. Offen ist noch, ob ein Fahrdienst für Rollstuhlfahrer eingerichtet werden soll.
„Das Zeughaus ist eine Freizeiteinrichtung, die niemanden ausgrenzt“, betont Edmund Kriegl. Es habe ein passendes Musik- und Raumangebot. Es gebe jedoch keinen barrierefreien Zugang. Dieser werde erst im Rahmen der von der Stadt geplanten Umbaumaßnahmen geschaffen. Er hofft, dass diese heuer noch über die Bühne gehen.
Die K-Schule könne für die Übergangszeit eine mobile Treppenrampe zur Verfügung stellen, schlug Schulleiter Karl Bischof vor. Dennoch sei ein schneller Umbau angesichts der Gründung des Freizeitprojekts wünschenswert, ergänzte Günter Kastenhuber. Ein öffentliches Gebäude benötige einen behindertengerechten Zugang und eine Behindertentoilette.
Das Freizeitprojekt wird im September starten. Dann gibt es regelmäßig Treffen, um Integration zu ermöglichen. Die Organisatoren wollen an Schulen, in Jugendverbänden und Freizeiteinrichtungen dafür werben. Sie orientieren sich an einer ähnlichen Einrichtung in Eggenfelden. Das integrative Freizeitangebot dort, das zunächst mit zehn Jugendlichen öffnete, besuchen mittlerweile 200 junge Leute.
Petra Asenbauer und ihre Unterstützer laden daher zum nächsten Treffen am kommenden Freitag, 10. Juli, um 14 Uhr im Zeughaus Jugendliche mit und ohne Behinderung ein, die an dem Projekt mitarbeiten und ihre Ideen einbringen möchten. Weitere Informationen gibt es im Zeughaus unter Tel.  0851/35 55 3.

08.07.: PNP "Sportfreund Peter überrascht beim Benefizabend"

Bald kann die gemeinsame Radltour von K-Schule und Lukas-Kern-Kinderheim losgehen: Knapp 500 Gäste tummelten sich beim Benefizabend des Eulenspiegel Festivals am Montag im Zelt an der Ortspitze. Etwa 6500 Euro kamen an Eintrittsgeldern zusammen, 3250 Euro gehen also jeweils an K-Schüler und Lukas-Kern-Kinder. Von dem Geld soll es für die beiden Kindereinrichtungen noch vor den Sommerferien einen Hand-Bike-Aufsatz für Rollstühle und zehn Fahrräder inklusive Helm und Schloss geben.
Die Passauer Saudiandln, Martin Grossmann, Michael Altinger mit Alexander Liegl, Luise Kinseher, die Unverschämte Wirtshausmusik, Manfred Kemplinger, Marcus H. Rosenmüller und LaBrassBanda sorgten für einen unterhaltsamen Abend im Eulenspiegel-Zelt. Überraschung des Abends war der Auftritt von Peter Brugger, Sänger der Band Sportfreunde Stiller. „Die Kinder waren begeistert“, erzählt Peter Niedermeier. Brugger gefiel es offenbar auch: Er verbrachte den gestrigen Vormittag mit den Buben und Mädchen der K-Schule.

20.06.: Ein PNP-Leitartikel, der allen Eltern Mut machen soll ...

„Glück ist, wenn unser armes Kind lächelt"

Ihre Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt: Rita Stoiber und Burkhardt Jonescheit können sich nach dem Gerichtsurteil entspannter um ihren Sohn Julian und seine drei Geschwister kümmern. Bernhardiner-Mischlingshund Gismo hat sich zu diesem Familienbild dazugesellt. Schwerstbehindert kam Julian zur Welt. Die Eltern mussten für ihren Sohn neun Jahre lang um finanzielle Hilfe kämpfen. Jetzt sind sie am Ziel.

Von Toni Brandl und
M. Vogl-Reichenspurner

Mutter Rita Stoiber (49) streichelt Julian über die Wange, streicht ihrem Sohn das Haar aus der Stirn. Ihre Blicke treffen sich, dem schwerbehinderten Buben entfährt ein fröhlicher Laut. „Glück ist für uns, wenn unser armes Kind lächelt“, sagt Rita Stoiber - und spricht damit auch für Julians Vater, Burkhardt Jonescheit (54).
Fast zehn Jahre lang haben die Eltern um ihr Recht gekämpft - und es jetzt auch bekommen: Die Familie aus Pleiskirchen (Landkreis Altötting) erhält eine namhafte Summe von der Kreiskrankenhaus Rottal-Inn GmbH. Mit dem Geld soll das Schicksal des Buben erleichtert werden. Euphorie ist bei der Familie über die Nachricht vom Gericht nicht ausgebrochen - zu sehr hat der Streit sie zermürbt. So ganz können sie es auch jetzt noch nicht glauben, dass alles vorbei sein soll.

„Die Kasse zahlt nur das Billigste“

Im Mai fand vor dem Oberlandesgericht München die letzte von zahlreichen Verhandlungen seit 2000 statt - danach herrschte noch einmal „ein Wechselbad der Gefühle“, sagt Rita Stoiber. „Zahlen sie? Zahlen sie nicht?“ Seit wenigen Tagen ist nun klar: Die Kreiskrankenhaus GmbH bzw. deren Versicherung hat das Geld überwiesen.
„Jetzt können wir endlich ohne Probleme die Ausstattung kaufen, die Julian wirklich braucht - die Krankenkasse bezahlt ja immer nur das Billigste.“ Der Bub, der 1995 im Krankenhaus Eggenfelden zur Welt kam, braucht eine so genannte Verhinderungs-Behandlungspflege, muss mit einer Sonde ernährt werden, weil er sich, wenn er normale Kost bekommt, ständig verschluckt und Gefahr läuft, eine Lungenentzündung zu bekommen. Beaufsichtigt werden muss auch die viermalige Medikamentengabe, denn Julian ist auch Epileptiker. Das Pflegegeld und der Pflegedienst, den die Kasse bezahlen, reichen bei weitem nicht für die Pflege aus. Dabei hatte Hauptverdiener Burkhardt Jonescheit in den letzten Jahren in seinem Beruf als Informatiker wegen der intensiven Pflege für Julian Abstriche machen müssen und weniger verdient.
Doch jetzt besteht sogar Aussicht auf die Bezahlung einer Heimpflege, sollte den Eltern die Pflege Julians zu Hause einmal nicht mehr möglich sein. „Was wir natürlich nicht hoffen wollen, denn mit Sicherheit ist die
Geborgenheit in der Familie für Julian das Wichtigste. Aber man weiß ja nie, ob wir immer gesund bleiben. Und dann müssten wir monatlich noch bis zu 5000 Euro drauf legen“, sagt die Mutter.
Das Geld soll auch helfen, dass die drei anderen, gesunden Kinder der Familie im Alter zwischen elf und 18 Jahren ohne Probleme eine angemessene Ausbildung absolvieren können.
Und es geht ein lang gehegter Traum der Familie in Erfüllung: Endlich mal zwei Wochen Urlaub. Ein behindertengerechtes Hotel im Schwarzwald soll es sein. Mehr als ein paar Tage gemeinsame Ferien waren in den letzten Jahren nie drin.
Ausgangspunkt des Streits war ein vom 15. Zivilsenat des Oberlandesgerichts München vorgeschlagener Vergleich. Kernpunkt: Die Krankenhaus GmbH zahlt die Summe und übernimmt die Gerichtskosten sowie die außergerichtlichen Kosten des Klägers. Damit sind alle Ansprüche der Familie gegenüber der GmbH abgegolten. Aber: Die GmbH will die Einwilligung in den Vergleich nicht als Schuldanerkenntnis verstanden wissen: Nach ihrer Lesart ist Julians Behinderung also nicht auf einen schweren Behandlungsfehler bei der Geburt zurückzuführen.
Dies war die entscheidende Frage bei der gesamten Auseinandersetzung. Es gab immer wieder Gutachten und Gegengutachten, die Experten gelangten zu unterschiedlichen Auffassungen. Der Rechtsanwalt der Krankenhaus GmbH, Dr. Christian Drexler aus Landshut, spricht von einer „durchaus üblichen Verfahrensregulierung - irgendwann einigt man sich gütlich.“ Nach all den Jahren sei es nun einfach an der Zeit gewesen, die Sache abzuschließen.
Julian, das dritte von vier Kindern von Burkhardt Jonescheit und Rita Stoiber, leidet an den Folgen einer schweren Hirnschädigung. Der Bub kann sich kaum bewegen, nicht gehen, nicht ohne Stütze den Kopf halten, kann nicht sprechen, sondern sich nur durch Laute ausdrücken. Er wird nie in der Lage sein, ein eigenständiges Leben zu führen.
Woher kam die Schädigung? Das Landgericht Landshut kam in der ersten Verhandlung zu der Auffassung, die Schädigung habe schon vor der Geburt vorgelegen. Hingegen sprach die Berufungsinstanz im Herbst 2006 nach Vernehmung eines Sachverständigen und zweier bei der Geburt beteiligter Ärzte ausdrücklich von groben Behandlungsfehlern. Der nun zur Berufungsverhandlung in München hinzugezogene dritte Gutachter, Dr. Michael Alber vom Universitätsklinikum Tübingen, führte die Entwicklungsstörung Julians auf ein „akutes Ereignis um die Geburt herum“ zurück: „Es muss zwischen zwölf und 72 Stunden um die Geburt herum passiert sein“, sagte der Gutachter auf gezielte Nachfrage des Gerichts.
Julians Eltern waren in den ersten Jahren nach der Geburt gar nicht auf die Idee gekommen, es könnte Behandlungsfehler gegeben haben. Das Eggenfeldener Krankenhaus hatte Julians Behinderung nach Meinung der Eltern als „schicksalhaft“ dargestellt. Allerdings stellten sie selber schon Stunden vor der Geburt einige Ungereimtheiten in der Vorgehensweise des niedergelassenen Gynäkologen und des Krankenhaus-Teams fest. Später nährten Ärzte an Altöttinger und
Sie wollen anderen Mut machen

Münchner Kinderkliniken diesen Verdacht. Rechtsanwalt Jürgen Korioth aus Hennef (Nordrhein-Westfalen), Vorsitzender der „Bundes-Interessengemeinschaft Geburtshilfe-Geschädigter“, stand den Eltern über all die Jahre zur Seite.
In der letzten Verhandlung wies nun auch Richterin Maria Vavra mehrfach darauf hin, dass Rita Stoiber im Krankenhaus Eggenfelden von einem Arzt mit erst geringer Erfahrung betreut worden sei, aber Anspruch auf eine Facharzt-Behandlung gehabt hätte.
Rita Stoiber sagt, die Familie hätte die Belastung der langen juristischen Auseinandersetzung nicht durchgestanden ohne den emotionalen Beistand vieler Menschen. Sie will nun auch anderen Menschen in einer ähnlichen Situation Mut machen. Immer wieder sei sie auf Menschen gestoßen, die sich als Opfer eines Ärztefehlers fühlen. „Doch die meisten sagen, wir hätten nicht die Kraft, einen solchen Rechtstreit durchzustehen.“

29.04.: PNP "Passauer Runde kocht für guten Zweck"

26.04.: Peter Seidl ist Sportler des Jahres in Niederbayern

PASSAUER NEUE PRESSE.   Bodenmais. Biathlon-„Youngster“ Toni Lang aus Hauzenberg und die Kanu-WM-Dritte Manuela Stöberl aus Landshut sind zu Niederbayerns Sportler bzw. Sportlerin des Jahres gekürt worden. Mit ihnen wurden die Ringer des Zweitliga-Aufsteigers SV Untergriesbach als Mannschaft des Jahres und Rollstuhltennis-Ass Peter Seidl aus Büchlberg als Behindertensportler des Jahres vorgestellt. Mehr über die Gala des Sports am Sonntagabend im Kristall-Restaurant von Joska in Bodenmais lesen Sie in der Montags- und Dienstagsausgabe Ihrer Heimatzeitung.

26.04.: AS berichtet über "Kochen für einen guten Zweck"

17.04.: PNP "Vogt-Belegschaft spendet 2640 Euro für K-Schule"

Schulleiter Karl Bischof (2. v.r.) nimmt den Scheck aus den Händen von Roland Osterkorn (v.l.), Vorsitzender des Betriebsrats, Johanna Bieringer, ehemalige Betriebsrätin, und Betriebsrätin Johanna Granat (r.) entgegen. Mit ihm freuen sich die Schüler Tobias Stadler, Michael Schiermeier, Johannes Marold, Maximilian May, Darius Schwenke, Nadine Steil und Anja Kalchgruber. (Foto: Wildfeuer)

Erlau/Passau. Die Mitarbeiter der Vogt electronic AG in Erlau haben 2640 Euro für die Schüler der Schule für Körperbehinderte der Caritas in Passau-Grubweg gespendet. Die Aktion fand im Rahmen der Weihnachtssammlung des Betriebsrats statt, die diesmal der K-Schule zugutekam. „Die Spende in einer Situation, in der viele von Kündigung betroffen sind, ist für uns eine Riesensache“, sagte Schulleiter Karl Bischof. Die Spende findet für das Spielplatz-Projekt Verwendung, das die K-Schule derzeit zusammen mit der St. Severin-Schule für Kinder mit geistiger Behinderung realisiert. Hierfür erhielten die beiden Einrichtungen keinerlei Förderung, obwohl die Spielgeräte, zum Beispiel das Rollstuhlkarussell, sehr teuer seien, erläuterte Bischof. Sie müssten für Rollstuhlfahrer eigens angefertigt werden. - tw

14.04.: PNP "Auf zwei Rädern zurück ins Leben"

Seit vier Jahren testet Gisela Hofbauer den „Segway“ im praktischen Einsatz in der Asklepios-Klinik Schaufling. Für ihre gehbehinderten Patienten Johann Kerschbaumer (links) und Hans-Peter Achatzi ist das Gerät eine wahre Offenbarung.

 

Von Sepp Schiller

Deggendorf. Multiple Sklerose, Tumor, Schädel-Hirn-Trauma, massive Arthrose, Gehirnblutung, Schlaganfall, Querschnittslähmung, Beinamputation: Es gibt Menschen, die das Schicksal hart getroffen hat. Krankheit oder Unfall haben ihnen ihre Mobilität genommen und ihr Leben grundlegend verändert. Doch es ist nur eine Stufe, ein kleiner Schritt, der sie Hoffnung, Kraft und neuen Mut schöpfen lässt: Sobald sie auf dem „Segway“ aufrecht zwischen zwei breitbereiften Rädern stehen und die Hände am Lenker haben, spielt ihre Gehbehinderung keine Rolle mehr. Wieder auf Augenhöhe mit ihrer Umwelt, fühlen sie sich „wie ein König“- frei, schwerelos leicht und in alle Richtungen beweglich.
Wenn Physiotherapeut Johannes Wieser in solchen Momenten in die Augen seiner Patienten blickt, weiß er, dass er auf dem richtigen Weg ist. Der Mann hat eine Vision und seine Zielgruppe ist riesig: Etwa zwölf Millionen Bundesbürger sind aufgrund einer Gehbehinderung in ihrem beruflichen und privaten Lebensradius eingeschränkt. Als Geschäftsführer seiner 2008 gegründeten Firma „stehend mobil“ hat es sich der Deggendorfer Therapeut zum Ziel gesetzt, solche Menschen wieder auf die Beine zu bringen. Im „Segway“, einem selbst balancierenden Transportsystem, das seit August 2007 auch in Bayern zugelassen ist, hat Wieser das „missing link“ für sein Therapiekonzept gefunden.
Deggendorf hat sich in den vergangenen vier Jahren zu einer Art „Segway“-Hauptstadt entwickelt. Im örtlichen Innovations- und Technologiecampus hat die Vertriebszentrale Deutschland ihren Sitz, im Stadtteil Natternberg stellt die Firma „St-Solutec“ Spezialumbauten für Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Lasten- und Kliniktransporte her. Mit „stehend mobil“ hat sich mittlerweile der dritte Betriebszweig in der Donaustadt etabliert. Steht beim „Segway“ grundsätzlich der Fahrspaß im Vordergrund, führt Wieser das Transportsystem auf seine ursprüngliche Bestimmung zurück. 1999 hat der Amerikaner Dean Kamen den „Personal Transporter“ entwickelt, nachdem er beobachtet hatte, wie sich ein Rollstuhlfahrer über einen Bordstein hinaufmühte.

„Das gibt mir meine Lebensfreude zurück“

Rollstuhl oder Elektro-Scooter waren bislang die einzigen mobilen Alternativen für Behinderte. „Doch Sitzen konterkariert das eigentliche Ziel der Therapie“, meint der Physiotherapeut. Da es für den Einsatz des „Segway“ als Therapiegerät keine Erfahrungsberichte gab, führte Wieser mit einem MS-Patienten einen ersten Versuch durch. Auch Dr. Eberhard S. leidet seit elf Jahren an dieser Krankheit und ist praktisch ein Pflegefall. Seit zwei Jahren übt der Zahnarzt aus dem Rottal seinen Beruf nur noch am Schreibtisch aus, seit drei Monaten kann er sich kaum noch auf den Beinen halten. „In fünf Minuten bin ich platt, bekomme Rückenschmerzen und Gleichgewichtsstörungen“, erzählt der 54-Jährige. Auf dem „Segway“ steht S. eine Stunde. „Auf dem Segway kann ich mich weitgehend selbständig fortbewegen. Das gibt mir meine Lebensfreude zurück!“
Eine leichte Verlagerung des Körpergewichts genügt, um das Gefährt auf Touren zu bringen. Je nach Richtung fährt der Roller dann vorwärts, rückwärts und dreht sich im Extremfall auf der Stelle nach rechts oder links um die eigene Achse. Umfallen ist dank einer „dynamischen Stabilisierung“ nicht möglich: Fünf sogenannte Gyroskop- und zwei Beschleunigungs-Sensoren analysieren 100 Mal in der Sekunde das Gelände bzw. die Körperposition des Fahrers und richten Stellung und Geschwindigkeit der Räder so aus, dass der Transporter in jeder Phase die Balance hält.
Mit Dr. Peter Euler, dem Leiter der Abteilung für geriatrische Rehabilitation an der Asklepios-Klinik Schaufling, hat Johannes Wieser einen Pilotversuch gestartet, dem im Januar 2007 eine medizinische Anwenderstudie folgte. Deren Ergebnis liegt seit April 2008 vor, wurde bereits auf mehreren Reha-Messen präsentiert und wird seit heuer praktisch umgesetzt. Zwölf Kooperationspartner hat „stehend mobil“ bereits gefunden, bis Jahresende sollen es 50 sein. Im September wird Wieser seine Firma bei der Direktoren-Konferenz der bundesdeutschen Reha-Kliniken, Ende Oktober auf der „Reha Care“-Messe in Düsseldorf vorstellen. Mittelfristig will die Firma in Deutschland ein flächendeckendes Netz aufbauen.

„Man wird nicht als behindert erkannt“

Wie die Studie ergeben hat, bringt der „Segway“ nicht nur Vorteile für neurologische Patienten, sondern ist auch in der Orthopädie und im Seniorenbereich anwendbar. Gisela Hofbauer, stellvertretende Leiterin der Physiotherapie, betreut das „Segway“-Projekt an der Asklepios-Klinik Schaufling. Seit vier Jahren erprobt sie zusammen mit Chefarzt Dr. Hartmut Bork das Gerät in der Praxis. „Ein sehr gutes Hilfsmittel, um gehbehinderte Patienten in den Alltag zurückzubringen“, meint sie, „und eine sinnvolle Ergänzung im Therapieansatz zwischen Aktivität und Entspannung“. Eine Berliner Klinik testet den „Segway“ derzeit im Parkinson-Bereich, und auch die Fachklinik für Amputationsmedizin in Osterhofen hat sich in die Projektarbeit eingeklinkt.
Für Prof. Hans-Peter Achatzi ist der „Segway“ eine Offenbarung. Vor acht Jahren wurde bei ihm ein Rückenmarkstumor entfernt, seither hat sich seine Mobilität verschlechtert. „Das Handicap tritt völlig in den Hintergrund, weil man im Gegensatz zum Rollstuhl von der Außenwelt nicht als behindert erkannt wird“, freut sich der 54-Jährige, der eine Finanzierung über die Rentenversicherung beantragt hat.

04.04.: PNP-Bericht "Salzweger Kulturwochen bauen Brücken"

Jugendbeauftragte Dr. Brunhilde Heidersberger (von links), Bürgermeister Horst Wipplinger, der Leiter der K-Schule Karl Bischof, Gemeinderätin Astrid Schmid, Künstlerin Waltraud Danzig, der Vorsitzende des Trachtenvereins Richard Schenk, VdK-Ortsvorsitzende Dora Fischer, der Tittlinger Bürgermeister Waldemar Bloch, Lehrerin Gabriele Waldbauer von der K-Schule, die K-Schüler Michael Fesl und Thomas Imreh, Tobias Schenk, Gudrun Bloch, Christa Bauer von der Gemeinde und Reinhold Fesl vom Elternbeirat der K-Schule freuen sich mit den Schülern Benedikt Bloch und Katrin Leitner über die gelungene Vernissage.(Foto: Wildfeuer)

Salzweg. Bei den Salzweger Wochen „Kultur am Goldenen Steig - Niederbayern - Südböhmen“ hat Bürgermeister Horst Wipplinger eine Ausstellung mit Lithografien zum Thema „Commedia dell’ Arte“ und Objekten von Schülern der K-Schule in Grubweg eröffnet. „Die Kunstwerke sind hervorragend“, lobte Wipplinger.
Er beglückwünschte die Schüler mit Behinderung zu ihren ausdrucksstarken Arbeiten und würdigte den Einsatz von Schulleiter Karl Bischof und der Lehrkräfte, die das Kunstprojekt initiierten, allen voran Gabriele Waldbauer. Zugleich hob er den Beitrag des VdK Salzweg um Dora Fischer und des Trachtenvereins um Vorstand Richard Schenk hervor. Die Ausstellung zeigt auch Holzkunst von Künstlern mit Behinderung aus Kubova Hut in Südböhmen. Der Erlös aus dem Verkauf der Werke kam der K-Schule zugute.Im Rahmen des Kulturprogramms trat auch der Salzweger Männerchors unter Leitung von Hans Schmid bei einem Begegnungsabend in Kubova Hut auf.
„Wir brauchen Menschen, die Kinder aufnehmen - im Beruf,im Verein, bei einer Ausstellung“, sagte Karl Bischof. Salzweg sei hier Vorreiter. Die Lithografien der K-Schüler entstanden bei einem Kunstprojekt mit Waltraud Danzig und Sechstklässlern des Auersperg-Gymnasiums unter Leitung von Christian Schöttner.
Dora Fischer hob das Engagement von Kulturwochen-Organisatorin Christa Bauer hervor. Auch viele andere Hände würden zum Gelingen der Vernissage beitragen. Helene Sterzl, Katharina Lenz, Martha Vormann, Maria Thoma, Heidi Neumüller und Zilly Bauer hätten gebacken, Rosemarie Schneider, Annemarie und Willi Heinzlsperger hätten auch mitgeholfen. Den Erlös aus Kuchenverkauf stellte der VdK ebenfalls der K-Schule zur Verfügung. - tw

03.04.: PNP berichtet über Spendenübergabe für Rollstuhl-Kids

Peter Seidl und seine Rollstuhl-Tennis-Schüler (vorne v.l.) Thomas Hackner, Viktoria Rainer, Patrick Kaufmann, Florian Kriegl und Katrin Leitner dankten den Sponsoren und Organisatoren Kaspar Sammer (hinten v.l.) von der Euregio, Dr. Christian Stingl von der Uni Passau, MdB Max Stadler, MdB Andreas Scheuer, Oli und Horst Frickinger, Sängerin Dana Hazmukova, Helma und Erwin Huber, Manfred Mindl, Klaus Moosbauer, Daniela Hasbauer, Ingeborg Mais, Jürgen Fundke, Eva Zachskorn und Siegfried Straubinger sowie Wolfgang Burkhardt (3. Reihe). (Foto: Wildfeuer)

Von Theresia Wildfeuer
Büchlberg. Die stolze Summe von 9000 Euro hat die Euro-V.I.P.-Initiative unter dem Vorsitz von Horst Frickinger auf einem Danknachmittag im Tennisheim Büchlberg an den dort heimischen DJK-TC für den Behindertensport mit der K-Schule und an Rollstuhl-Tennisass Peter Seidl übergeben. Die K-Schule unter der Leitung von Karl Bischof erhält weitere 2000 Euro. Die Spenden ermöglichten zahlreiche Sponsoren auf dem V.I.P.-Galaabend in Kellberg.
„Das ist ein großartiger Anlass“, freute sich DJK-Vorsitzender Klaus Moosbauer. Die Spende sei in guten Händen. Die Hälfte der 9000 Euro finde für den Umbau von behindertengerechten Duschen und sanitären Anlagen Verwendung. Der Rest stehe Peter Seidl zur Verfügung, der 17 Turniere spielen müsse, um Punkte zu sammeln, sein Level zu halten und international anerkannt zu bleiben. Allein das Startgeld dafür betrage 300 Euro.


„Das Spenden darf keine Einbahnstraße sein“

„Ich bin glücklich über das Engagement der V.I.P.-Gala“, sagte Moosbauer. Der DJK-TC habe es sich zum Programm gemacht, Behindertensport anzubieten. Welchen Spaß dieser bereite, könne man beim Training der K-Schüler mit Peter Seidl erleben. Moosbauer würdigte den Einsatz von Erwin Huber und Gattin Helma, der die Schirmherrschaft für die Bayeriachen Rollstuhlmeisterschaften übernommen hat (1. bis 3. Mai).
„Sponsoring und Spenden für soziale Zwecke darf keine Einbahnstraße sein“, fand Horst Frickinger. Mit der Spende sichere die Euro-V.I.P.-Initiative den Tennisunterricht von Kindern mit Behinderung unter Regie von Peter Seidl auf der Anlage in Büchlberg.
Insgesamt habe die Initiative in den letzten drei Jahren 70 000 Euro für soziale Zwecke gesammelt. Dies sei möglich, weil sie an der Spitze des Kuratoriums Helma und Erwin Huber habe, die ihr in guten wie schwierigen Zeiten die Treue hielten.
Ohne Huber würde es den Verein Euro-V.I.P.-Initiative nicht geben, so Frickinger. Er habe ihn vor fünf Jahren mit begründet und signalisiert, sich weiter aktiv zu beteiligen. Er komme bei jeder wichtigen Maßnahme mit Frau Helma nach Passau und Büchlberg.
Seidl und die K-Schüler Viktoria Rainer, Katrin Leitner, Patrick Kaufmann, Florian Kriegl und Thomas Hackner übergaben Helma und Erwin Huber sowie den Vorstandsmitgliedern Rainer Eckelt, Siegfried Straubinger, Eva Zachskorn, Manfred Mindl und Dieter Liebl Pokale als Dankeschön.
Die Initiative verfolge nicht nur soziale Zwecke, sondern sei „guter Botschafter Niederbayerns“, erinnerte Frickinger. Sie pflege sportliche Kontakte zur Passauer Partnerstadt Veszprem, fördere den Tennissport in Oberösterreich mit dem TC Freinberg, empfange jedes Jahr Tennisfreunde aus der Slowakei. Kooperationen gebe es auch mit Budweis und Krummau. Sie nahm mit Hilfe von Sängerin Dana Hazmukova und Kaspar Sammer von der Euregio am ersten Deutsch-Tschechischen Kulturball in Pilsen teil.
Das große soziale Engagement sei in erster Linie der Arbeit von Oli und Horst Frickinger zu verdanken, unterstrich Huber. Er halte auch die Kontakte zu Tschechien und Ungarn lebendig, baue die europäische Komponente der V.I.P.-Initiative auf.


„Guter Botschafter Niederbayerns“

MdB Andreas Scheuer beglückwünschte Frickinger und sein Team, soziale Botschafter Niederbayerns zu sein. Er kündigte eine weitere Spende in Höhe von 1000 Euro der Tank & Rast GmbH an. MdB Max Stadler kritisierte, dass Peter Seidl nicht zu den letzten Paralympics in Peking zugelassen worden war, obwohl er sich dafür qualifiziert hatte. Dass nur Medaillenanwärter mitfahren durften, sei eine Herabwürdigung des Behindertensports.
Auch Wolfgang Burkhardt vom Bayerischen Tennisverband, Kaspar Sammer von der Euregio und Jürgen Fundke, Bürgermeister in Bad Griesbach, drückten ihre Wertschätzung aus. Alex Frickinger umrahmte die Feier mit Musikbeiträgen am Keyboard.

31.03.: Großer PNP-Bericht über unseren Peter Seidl

Für Peter Seidl läuft es richtig rund

Der Rudertinger Rollstuhl-Tennisspieler ist eine feste Größe im deutschen Behindertensport

Kraftpaket mit Racket: Peter Seidl aus Ruderting ist mehrmaliger deutscher Meister im Rollstuhl-Tennis und hat noch einen großen Wunsch: eine Teilnahme bei den Paralympics. (Foto: ROGER)

Von Sebastian Ziegert
Deutscher Rollstuhl-Tennis Meister 2008 im Doppel, deutscher Vize-Meister im Einzel - für Peter Seidl ist das fast schon Routine. Mit seinen bisherigen zwei Einzel- und sieben Doppeltiteln auf Bundesebene ist der erfolgshungrige Rudertinger ein absoluter Erfolgsgarant seines Sports. Und natürlich hat er auch schon den nächsten Titel fest im Blick - den des niederbayerischen Behindertensportlers des Jahres.
Rollstuhl-Tennis - klingt nicht gerade besonders explosiv. Aber weit gefehlt. Sogar den anerkanntesten Tennisspielern bleibt die Spucke weg, wenn sie sehen, zu welchen Leistungen ihre Kollegen auf Rädern fähig sind. „Es ist schon eine große Umstellung. Man kann ja mit dem Rollstuhl nur vor- und rückwärts fahren. Ein Schritt zur Seite wie bei den ‚Fußgängern’ ist nicht möglich“, erklärt der 38-Jährige. Dabei kann der Zuseher nur erahnen, was diese Ausnahmekönner leisten müssen. „Man braucht Kraft im Oberkörper, aber die hast du ja als Rollstuhlfahrer automatisch. Du musst immer überlegen, was der Gegner als nächstes machen könnte. Reaktionsschnelligkeit und ein gutes Auge sind außerdem sehr wichtig.“
Peter Seidl ist seit einem Verkehrsunfall im Oktober 1986 querschnittsgelähmt, von seinem Lieblingssport hat sich der Rudertinger dadurch aber nicht abbringen lassen. „Mein großer Vorteil war, dass ich schon vor dem Unfall Tennis gespielt habe. Die Technik ist ja die gleiche.“ Nach einer Eingewöhnungsphase mit seinem neuen Arbeitsgerät spielt er seit 1989 bei internationalen Turnieren mit. Seither holte er neun deutsche und sieben bayerische Meistertitel. „Das letzte Jahr war sicher eines der erfolgreichsten meiner Karriere. Die letzten drei Jahre sind aber eigentlich alle super gelaufen“, ordnet der Weltranglisten-68. seine jüngsten Erfolge ein.
Hinter den zahlreichen Titeln steckt harte Arbeit. „Pro Woche trainiere ich drei- bis viermal in der Tennishalle. Hinzu kommen einige Fitness- und Ausdauereinheiten.“ Damit nicht genug, der für den Tennisclub Büchlberg startende Athlet gibt auch selbst Kurse im Rollstuhl-Tennis. Außerdem engagiert er sich im Rahmen eines Projekts mit dem Förderzentrum für Körperbehinderte in Passau-Grubweg. Jeden Dienstag unterrichtet er eine Gruppe behinderter Kinder in Tennis, Hockey und anderen Ballsportarten.
Nicht nur seine Schüler will er jeden Tag ein bisschen besser machen. Für die neue Saison steckt er sich auch selbst hohe Ziele. „Ich will mich unter den besten 40 in der Weltrangliste etablieren. Zudem möchte ich bei den deutschen Meisterschaften und beim World Team Cup in England so weit wie möglich kommen.“
Seinen eigentlich größten Traum, bei den Paralympischen Spielen an den Start zu gehen, hat Seidl aber fast schon abgeschrieben. Und das, obwohl er als zweitbester Deutscher die Richtlinien des Internationalen Tennis Verbands ITF erfüllt. „Der deutsche Verband akzeptiert die Vorgaben des ITF nicht und hat sich seine eigenen Regeln ausgedacht. Laut deutschem Verband muss man unter den besten 20 der Welt sein, um starten zu dürfen. Nur wer echte Medaillenchancen hat, wird mitgenommen.“ So kam es, dass bei den letzten Paralympics kein einziger deutscher Spieler nominiert wurde.“
Trotzdem wird Peter Seidl weiter auf Titeljagd gehen. Zu Niederbayerns Behindertensportler des Jahres wurde der 38-Jährige übrigens auch schon einmal gekürt, im Jahr 2005. Vielleicht kann er schon bald den begehrten Glaspokal erneut sein Eigen nennen.

28.03.: PNP: Kunstausstellung in Salzweg wird angekündigt

Schüler und Künstler mit Behinderungen stellen aus

Lithographien, Zeichnungen, Fotografien und Skulpturen zeigen Schüler der K-Schule in Passau-Grubweg im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kultur am Goldenen Steig". Die Ausstellung, bei der auch Holzkunst von Künstlern mit Behinderung aus dem Nachbarland Tschechien zu sehen ist, ist im Trachtenheim Salzweg zu bestaunen ...

22.03.: Toller Bericht über Tennis-Kids im Passauer Bistumsblatt

Leseprobe aus dem tollen Bericht "Das Leben ist in jeder Lage lebenswert!" mit wunderschönen Fotos über unsere Rolli-Kids von Eva Maria Fuchs:

Passau/Ruderting. Für Peter Seidl sind es weit mehr als nur Sportstunden, wenn er mit den acht Mädchen und Buben des Privaten Förderzentrums für Körperbehinderte in Passau/Grubweg (K-Schule) im Tennisclub Büchlberg einmal in der Woche Handball, Hockey und Tennis spielt. Für den mehrfachen und amtierenden Deutschen Meister im Rollstuhltennis ist es eine Mission: „Ich möchte, dass diese Kinder und Jugendlichen das Bestmögliche aus ihrer Behinderung herausholen. Im Sport ist da viel möglich.“ Und der 37-jährige Rudertinger möchte natürlich den Kindern dabei auch Spaß und Freude vermitteln. „Vielleicht können sie daraus Kraft und Mut für die Bewältigung ihres Alltags schöpfen. Denn das Leben ist doch in jeder Lage lebenswert.“ Darüberhinaus wirkt sich das Training auch entwicklungspsychologisch positiv auf die Kinder aus, bestätigt Karl Bischof, Leiter der K-Schule, deren Träger der Caritasverband Passau ist. „Diese Stunden sind für die Kinder so wichtig, weil unter anderem durch Bewegung auch das Denkvermögen gesteigert wird.“

14.03.: PNP-Bericht über Spende für unseren Sebastian

Durchaus mit Stolz hat die Vereinigung Round Table Passau dieser Tage bei einer kleinen Bilanz auf die großen und sozialen Aktionen des vergangenen Jahres zurückgeblickt. (...) Erneut unter dem Motto „Aus der Region für die Region“ stand die große Weihnachtstombola, bei der 5200 Euro eingenommen wurden. Das Geld kommt dem 16-jährigen Sebastian zu, der gemeinsam mit seiner Mutter in Salzweg wohnt. Der Junge leidet am Louis-Bar-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine vererbte und sehr seltene Systemerkrankung. Die Lebenserwartung ist auf Grund chronischer Lungenentzündungen und erhöhter Krebsraten deutlich reduziert: durchschnittlich 20 Jahre. Sebastian erlitt nach der zweiten Chemotherapie eine Sepsis mit beginnendem Multiorganversagen. Er wurde in ein künstliches Koma versetzt, im Rahmen dessen er beatmet und zweimalig reanimiert wurde. Aus diesem Koma fand Sebastian nur sehr langsam zurück. Anfangs konnte er nur mit den Augen Kontakt mit seiner Umwelt aufnehmen. Durch seine große Ausdauer und seinen starken Willen kann Sebastian heute wieder sprechen, kauen, schlucken und - mit Einschränkungen - seine Arme und Hände bewegen. Sebastian wird zu Hause liebevoll von seiner Mutter weitergepflegt. Der Erlös dieser Tombola wird für den behindertengerechten Umbau des Fahrzeuges der Mutter eingesetzt. (PNP vom 14.03.)

08.03.: "AS" berichtet über V.I.P.-Gala in Kellberg

PASSAUER NEUE PRESSE.   Dieser Gala-Abend hatte für die Augen, für die Ohren, für den Gaumen und auch für die Tanzfreunde jede Menge zu bieten - noch dazu im Sinne der guten Tat. Die 13. "Euro V.I.P. – Initiative für soziale Zwecke & gemeinnützige Einrichtungen" in Kellberg ist wieder zum leuchtenden Botschafter von Menschen mit einer großzügigen Ader für soziale Einrichtungen geworden. 8600 Euro wurden an diesem Abend gespendet. "Vor 13 Jahren hatten wir eine Vision, wie man mit Sport und Geselligkeit für soziale Zwecke etwas bewegen kann", blickte Horst Frickinger, der Initiator, auf die Anfänge zurück. In dieser Zeit haben 180000 Euro an Geld und Sachleistungen zur Verfügung gestellt werden können.

17.02.: PNP-Bericht über die Spende der Pislinger Hüttenbrüder

Haag. Anfang des Jahres veranstalteten die „Pislinger Hüttenbrüder“ wieder ihre legendär gewordene „eX!-Party“ im „Anetseder-Stadl“ in Haag. „Feiern für die K-Schule in Passau“ - so könnte das Motto der Party geheißen haben. Denn die fast 20-köpfige Stammtischfamilie spendete, wie auch schon im Jahr zuvor, einen Teil des Erlöses an die K-Schule in Passau/Grubweg. Das private Förderzentrum nimmt körperbehinderte Kinder aus Stadt und Landkreis Passau, aber auch aus anderen Landkreisen auf. Der schulische Förderschwerpunkt liegt in der körperlichen und motorischen Entwicklung. In Passau besuchen derzeit 83 Schüler in sieben Klassen die Schule, die in Kleinbussen oder im Taxi zum Förderzentrum befördert werden. Mit 250 Euro unterstützte in diesem Jahr der Stammtisch die Schule. 100 Euro gab es zusätzlich von der Firma Geistlinger aus Jahrdorf. Die Spendensummen werden in eine „Nintendo-Wii-Konsole“ und „Wii-Spiele“ investiert, da diese den Kindern unheimlich viel Freude bereiten und zudem auch noch die motorischen Fähigkeiten fördern. Die Übergabe fand im Beisein von Schulleiter Karl Bischof statt. Dieser führte Günter Fesl (hinten von links), Wolfgang Steininger und Bernhard Schmid durch sämtliche Klassen- und Therapieräume. Darius, Franziska, Lukas, Nadine und Michael freuten sich sichtlich über die hilfsbereite Geste der Hüttenbrüder.  - win/Foto: Andreas Windpassinger

07.02.: PNP-Bericht über Spende für die Tennis-Rollstuhlkids

200 Euro für die Tenniskinder der K-Schule
Büchlberg.
200 Euro für Sport, Spaß und Spiel hat der Übungsleiter Rollstuhltennis, Peter Seidl (5.v.l.), für seine Tennis-Kinder aus der Grubweger Schule für Körperbehinderte bekommen. Georg Blum (4.v.l.) vom Stammtisch für Brauchtum und Kultur hatte zusammen mit der Wirtin des Tennis-Stüberls, Ulrike Kruchten (5.v.r.), das 1. Büchlberger Rauhnachtspektakel organisiert. Der Reinerlös von 200 Euro ging jetzt an die Tenniskinder. Peter Seidl wird dafür Hockey-Schläger, Hockey-Tore und Bälle besorgen, um ein lustiges Aufwärmtraining und zusätzliche Übungsmöglichkeiten schaffen zu können. Über den Zuschuss freuten sich auch Daniela Hasbauer (3.v.l.), Erzieherin in der K-Schule, und Timo Neudorfer (2.v.r.), der stellvertretende Leiter der Tagesstätte, die das Training regelmäßig begleiten. - tf/Foto: Finnemann

26.01.: PNP - "Ein roter Flitzer für bessere Job-Chancen"

Autohaus sponsert der K-Schule ein Auto.                

Auto und Schlüssel übergaben Thomas Leebmann (3.v.l.) und Dirk Lohschmidt (3.v.r.) an den Direktor der K-Schule, Karl Bischof (r.), Elternbeirat Markus Schmid (2.v.r.), Fördervereinsvorsitzenden Günter Kastenhuber (l.) und den Berufsfindungs-Assistenten der K-Schule, Roland Schneider. (Foto: Finnemann)

„Jobchance K“ ist eine Initiative der Schule für Körperbehinderte (K-Schule) in Grubweg. Mit ihrer Hilfe sollen die Schüler durch Praktika in unterschiedlichsten Berufszweigen aufs Berufsleben vorbereitet werden. Doch die vielen Fahrten zu den Praktikumsstellen stellten schnell eine unüberwindliche Hürde dar: Es gab zu wenig Fahrzeuge für die Praktikanten.
Thomas Leebmann, Geschäftsführer von Leebmann Cars, und Verkaufsleiter Dirk Lohschmidt hörten von dem Dilemma und erklärten sich bereit, zwei Jahre einen Hyundai Getz zu stellen. Elternbeirat Markus Schmid hatte den Kontakt geknüpft. Der Förderverein unter Günter Kastenhuber legte 2000 Euro dazu, Unternehmensberater McKinsey spendete 1900 Euro, den Rest der Kosten trägt Leebmann: Bereitstellung des Autos, Reifen, Versicherung, Steuern und Kundendienste.
Schulleiter Karl Bischof, freute sich sehr über die Möglichkeit, die Mädchen und Buben an ihre Praktikumsorte fahren zu können. Ab der 7. Klasse können die Schüler Berufe kennenlernen, vom Schnuppertag bis zum vierzehntägigen Praktikum. Die Abschlussklasse mit 13 Schülern hat jeden Mittwoch Praktikumstag.
Körperbehinderte Schüler hätten ohne Praktika keine Chance auf einen Ausbildungsplatz, so Bischof: „Nur wenn Arbeitgeber die Tugenden unser Schüler erkannt haben und sehen, dass auch einer unserer Schüler perfekt in ihr Anforderungsprofil passen kann, gibt es die Chance auf einen Ausbildungsplatz“. Die K-Schule hat in Roland Schneider sogar einen Berufsfindungs-Assistenten gefunden, der sich um Organisation und Beschaffung von Praktikumsstellen und Ausbildungsplätzen kümmert. - red

02.01.: PNP-Hinweis "Feiern für die K-Schule"

Haag. Morgen, Samstag, ist der „Anetseder-Stadl“ in Haag fest in der Hand des Partyvolks. Die „Pislinger Hüttenbrüder“ lassen ab 20 Uhr ihre legendär gewordene „eX!-Party“ steigen. Gästen, denen es trotz Heizstrahler nicht warm genug ist, wird DJ Chris kräftig einheizen. Einlass ist ab 16 Jahren, die Ausweise werden kontrolliert. Der Eintritt ist frei. Einen Teil des Erlöses spenden die Hüttenbrüder für die K-Schule Passau in Grubweg. Bei der K-Schule handelt es sich um ein privates Förderzentrum des Caritasverbands für körperbehinderte Kinder und Jugendliche. Die Schüler werden in Kleinbussen oder im Taxi befördert. Derzeit besuchen 83 Schüler in sieben Klassen die Schule in Passau. Auch im letzten Jahr spendete der Stammtisch an die K-Schule und ließ sich das Konzept der Schule von Schulleiter Karl Bischof vorstellen.- win

29.12.: PNP-Bericht "Außer Stufen hat sie nichts gebremst"

Babara Wolf sieht man mehrmals in der Woche an unserer Einrichtung. Unsere Schüler beschreiben sie als "Rollstuhl-Oma, die noch einiges drauf hat".  Die bewegende Geschichte ihres Lebens findet man in der heutigen Ausgabe der PNP: ...Die 67-Jährige ist ein kontaktfreudiger Mensch, lädt gerne Freunde zum Essen ein, singt im Chor und ist im Rollstuhlsport-Verein Ruhstorf auf dem „Vorspannbike“ aktiv. Im Sommer fährt sie einmal pro Woche ihre Tour von Obernzell nach Passau. „Früher hat mich außer Stufen eigentlich nichts gebremst“, sagt die 67-Jährige und lacht...

Teil 3 der PNP-Serie: Ein schwerer Unfall und „glückliche Fügungen“ bestimmen das Leben von Barbara Wolf

Ruhstorf/ Passau. Sich in fremden Ländern verständigen können, so viele Sprachen wie möglich lernen - diesen Traum hatte sich Barbara Wolf nach dem Schulabschluss unbedingt erfüllen wollen. Als Fundament, um später als Fremdsprachensekretärin arbeiten zu können, schien ihr ein Au-pair-Aufenthalt in Frankreich ideal. Doch die Realität machte ihr einen Strich durch die Zukunftspläne.
Nach ihrem Einsatz in verschiedenen Familien wünschte sich die heute 67-Jährige Abwechslung. Diese fand sie bei der Weinlese auf einem Gut in der Nähe von Bordeaux. Sorglose Spätsommertage verbrachte Barbara Wolf mit ihren französischen Arbeitskollegen. Eine Autofahrt in der Mittagspause zum nächstgelegenen Weingut sollte ihr Leben für immer verändern: Eine Kreuzung, rechts vor links, keine Anschnallgurte, ein vorfahrtsberechtigter Lkw - bei dem Zusammenprall wurde Barbara Wolf aus dem Auto geschleudert. Seitdem ist sie von der Hüfte abwärts gelähmt.
„Das haut einen völlig um“, erzählt sie von jenem Tag, an dem ihr die Ärzte die knallharte Diagnose mitteilten. „Warum bin ich nicht tot?“, habe sie sich damals gefragt. An psychologische Betreuung sei damals nicht zu denken gewesen: „Man musste selber damit klar kommen.“
Vor allem ihr Bruder Hans habe ihr in dieser Zeit viel Kraft gegeben, mehrmals besuchte er sie in der französischen Klinik. Auch ihre Mutter trat die lange Reise zum Krankenbett an, schrieb der Tochter jeden Tag einen Brief. „Umgehauen hat mich aber die Anteilnahme der Franzosen, die wussten, dass ich alleine und weit weg von meiner Familie auf der Station liege“, freut sich die Rentnerin noch heute. Herzliche Krankenbesuche wildfremder Menschen machten ihr die schwere Zeit ein wenig leichter.
Erst anderthalb Jahre später sah Barbara Wolf ihre niederbayerische Heimat wieder. Mittlerweile hatte sich die einst lebensfrohe Frau, die mit Begeisterung zum Tanzen gegangen war und als Laienschauspielerin auf der Bühne gestanden hatte, an den Rollstuhl gewöhnt und damit an die Gewissheit, nie wieder laufen zu können. „In der Reha habe ich gesehen, dass es anderen noch viel schlechter geht.“
Auch wenn sie bei ihrer Rückkehr natürlich fließend Französisch sprach - der Traum von der Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin war ausgeträumt. „Es gab hier in der Umgebung einfach keine Schule, die ich als Rollstuhlfahrerin hätte besuchen können“, erklärt sie. Trotzdem lernte sie weitere Sprachen, besuchte Kurse an der Volkshochschule. Spanisch und Italienisch kamen zu Englisch und Französisch dazu. Und Tschechisch hat sie an der Universität in Passau belegt. Anfangs kämpfte sie sich noch durch Kinderbücher in der osteuropäischen Sprache, heute meldet sich Barbara Wolf mit einem fröhlichen „Ahoj“ am Telefon, wenn ihr Sprachpartner Jiri anruft.
Die 67-Jährige ist ein kontaktfreudiger Mensch, lädt gerne Freunde zum Essen ein, singt im Chor und ist im Rollstuhlsport-Verein Ruhstorf auf dem „Vorspannbike“ aktiv. Im Sommer fährt sie einmal pro Woche ihre Tour von Obernzell nach Passau. „Früher hat mich außer Stufen eigentlich nichts gebremst“, sagt die 67-Jährige und lacht. Das glaubt man gerne, wenn Barbara Wolf einem mit optimistischem Lachen entgegenblickt und aus ihrem Leben plaudert. Ihr liebstes Hobby: das Reisen. Meist begleitet von Bruder Hans, durchquerte sie Europa, lernte dabei viele interessante Menschen kennen und verständigte sich mit ihnen in vielen Sprachen.
Beruflich schlug Barbara Wolf den Weg in die medizinische Richtung ein, machte eine Ausbildung zur Zytologie-Assistentin in München, wo sie mit dem Rollstuhl bis ins Klassenzimmer fahren konnte. Nach einigen Jahren in der Landeshauptstadt wechselte sie zu einem Passauer Gynäkologen, bei dem sie bis zur Rente arbeitete. „Glückliche Fügungen“ und „Räder, die ineinander greifen“ hätten seit dem Unfall ihr Leben bestimmt, findet Barbara Wolf rückblickend und lacht ihr gewinnendes Lachen.

12.12.: PNP berichtet über Spende der Passavia-Druckerei

Auf Weihnachtsgeschenke der Passavia verzichten müssen heuer die Kunden des Druckservices. Dafür freuen sich die Kinder im Lukas-Kern-Waisenhaus und in der Körperbehinderten-Schule sowie die Kunden der Passauer Tafel über je 1000 Euro. Passavia-Geschäftsführer Helmut Schöfberger verfügte, dass die gesparten 3000 Euro dem sozialen Zweck zu Gute kommen: „In diesen Einrichtungen wird so viel Gutes geleistet, da wollen wir etwas beisteuern.“ Das Lukas-Kern-Heim will nach den Worten des stellvertretenden Leiters Stefan Zanella mit dem Geld einen Ausflug bezahlen, die Passauer Tafel laut Inner-Wheel-Präsidentin Ute Senff den Weihnachtspäckchen heuer jeweils ein Pfund Kaffee beilegen und auch Rektor Karl Bischof kann das Geld in der K-Schule gut verwenden.  - jkl

02.12.: PNP-Artikel über unsere Magdalena

Verena Krumpholz und Magdalena (6), die seit Geburt im Rollstuhl sitzt, erwarten sich vom Qualitätszirkel mehr Unterstützung und Infos für Spina-bifida-Patienten.

Von Ariane P. Freier
Deggendorf. Kilian ist fünf Jahre alt und ein Spina-bifida-Kind. Kinder wie er werden mit „offenem Rücken“ geboren, meist einhergehend mit Lähmungen in den Beinen, Blasen- und Mastdarmlähmung oder in 80 Prozent aller Fälle auch mit einem Wasserköpfchen (Hydrocephalus) wie Magdalena (6).
Ihre Behandlung macht ein interdisziplinäres Team nötig: neurologisch spezialisierte Kinderärzte, -urologen, -nephrologen und -neurochirurgen, Orthopäden, Psychologen, Pädagogen, Endokrinologen, Ergotherapeuten, Krankengymnasten und Orthopädietechniker.
Um deren Arbeit zu vernetzen, hat die Urologin Dr. Maria Bürst vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am Klinikum Deggendorf den Qualitätszirkel Spina bifida und Hydrocephalus ins Leben gerufen. Er wurde Ende Oktober von der Bayerischen Ärztekammer zertifiziert und trifft sich künftig auf eigene Initiative einmal pro Quartal zu Qualifizierung und Austausch im Rahmen einer „Fall-Konferenz“ mit Impulsreferaten und auswärtigen Experten. Bis dato gab es nur informelle Treffen.
Von den 106 870 Geburten 2007 in Bayern (9591 in Niederbayern) war laut Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung etwa jede tausendste Geburt von Spina bifida betroffen. In Niederbayern sind es rund zehn Kinder im Jahr. Experten gehen in Mitteleuropa und Nordamerika von zwei bis neun Neuralrohrdefekten auf 1000 Geburten aus, wie Dr. Christian Schropp sagt, Leitender Oberarzt im Sozialpädiatrischen Zentrum der Passauer Kinderklinik Dritter Orden.
Kein Spina-bifida-Kind lässt sich mit einem anderen vergleichen. „Die Prognose der Erkrankung hängt entscheidend von einer qualifizierten ärztlichen und psychosozialen Betreuung ab“, so Magdalenas Mutter Verena Krumpholz (27), die drei Jahre das europäische Spina-bifida-Portal www.sternchenforum.de im Internet mit über 700 Mitgliedern betreut hat. Anfangs waren es 15. Eltern, die als Mittelsmänner zwischen Kind und Arzt oder Ärzten fungieren mussten. Im Forum finden sie neben Fachwissen und Ärztetipps Gleichgesinnte - und Mut.


Pilotprojekt: Ein Team für Patienten

 „In der vernetzten fachübergreifenden Betreuung lag bisher die Schwierigkeit. Denn jeder Experte konzentriert sich in erster Linie nur auf sein Fachgebiet“, sagt Kilians Mutter Kerstin Rüpl (39), die wie alle Spina-bifida-Eltern von Arzt zu Arzt durch ganz Bayern und noch weiter pendeln muss. Das bedeute häufig, mit Erklärungen beim Urschleim anfangen zu müssen. Oder es dauert wie bei Verena Krumpholz Jahre, ehe eine optimale ärztliche Betreuung des Kindes gewährleistet ist. Hier greift der Qualitätszirkel ein.

„Wir wollen wichtige Entscheidungen für unsere Patienten im Rahmen eines Kompetenzteams diskutieren“, erklärt Dr. Maria Bürst. Derzeit betreut sie auch in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Stefan Rath, Chef der Neurochirurgie und des MVZ am Deggendorfer Klinikum, sowie Dr. Michael Mandl, Leiter der Kinderklink Deggendorf, 50 Spina-bifida-Patienten. Dr. Bürst: „Wir haben es geschafft, weitere namhafte Kollegen ins Boot zu holen.“ Das Pilotprojekt soll demnächst dem Sozialministerium vorgestellt werden.
Die Mitglieder des Zirkels können sich mit Einverständnis der Patienten über Datenabgleich in allen relevanten Fragen auf dem Laufenden halten. „Jeder schaut über den eigenen Tellerrand“, sagt Dr. Schropp, der in Würzburg eine Spezialsprechstunde für Spina bifida gehalten hat. „Die Befunde werden gesammelt, koordiniert und in eine Gesamtwertung integriert.“
Zirka 400 Patienten befinden sich in der Obhut der bayerischen Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) in Regensburg, Landshut und Passau. Diese sind Mitglieder des Zirkels wie das SPZ Erlangen, das MVZ Deggendorf mit Neurochirurgie und Urologie, die Kinderklinik Deggendorf, die Kindernephrologie Augsburg, die Haunersche Kinderklinik München und die Neurochirurgie an der Uni Regensburg.


Statt Bürokratie Unterstützung

Das vernetzte Konzept überzeugt auch die Eltern. Kerstin Rüpl: „Damit entfällt nicht nur die vage Suche nach Experten, sondern man hat das sichere Gefühl, alles liegt in einer guten Hand.“ Verena Krumpholz erwartet sich auch einen Anstoß für die Politik. „Statt Bürokratie brauchen wir individuelle Unterstützung für Betroffene.“ Diese stehen oft vor existentiellen Problemen. Etwa wenn volljährige, aber nie selbstständig werdende Spina-bifida-Kinder aus dem Betreuungsraster der SPZ fallen und von Haus- oder Fachärzten betreut werden sollen.
Der Qualitätszirkel plant künftig Infotage oder Veranstaltungen, etwa am Tag der Menschen mit Behinderungen. Er möchte Hand in Hand mit der Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V. (ASbH) arbeiten. „Wenn es die Ärzte wollen“, sagt Verena Krumpholz, „binden wir sie stärker in unser Internet-Sternchen-Forum ein.“ Der Weg zu mehr Patientenwohl dürfte ein weiteres Stück bereitet sein.


Infos unter www.asbh.de oder Tel. 0991/3803709.

11.11.: PNP-Artikel "Threesome spielt Jazz für guten Zweck"

Guter Jazz für den guten Zweck: Das Trio „Threesome“ spielte auf der Scharfrichter-Bühne für die K-Schule. (Foto: Lederer)

Von Bea Lederer
Man sieht den Spaß, den die drei Musiker von Threesome auf der Scharfrichter-Bühne haben. Und man spürt ihn - hört ihn, auch bei geschlossenen Augen. So eingängig sind die Interpretationen des Trios, in denen Jazz und Pop miteinander verschmelzen. Doch obwohl ihre Musik zum Träumen einlädt, wollen Threesome Augen öffnen, zumindest am Sonntagabend. Da gaben sie im Scharfrichterhaus ein Benefizkonzert zu Gunsten der Körperbehindertenschule Passau, veranstaltet vom Förderverein. Doch nicht nur der Zweck des Konzerts war ein guter. Gut, ja sehr gut ist auch die Musik von Threesome. Die Österreicher mischen Standards mit eigenen Arrangements, lassen Jazz mit Pop-Nummern eine ganz eigene, harmonische Symbiose eingehen. Leicht und lässig wirkt das Ergebnis. „Easy Listening“ nennen die drei ihr Konzept. Sie haben es verinnerlicht, allesamt. So merkt man nicht, dass sie in dieser Formation erst seit einem Jahr auftreten.
Über 500 Euro konnten Threesome erspielen. Der Erlös kommt - neben der Gage - der Spiel- und Sinneswelt zugute, die derzeit an der K-Schule entsteht. „Das Gelände ist schon modelliert“, beschreibt Gabriele Waldbauer, stellvertretende Schulleiterin, den Fortschritt des Projekts. Das rollstuhlgerechte Inventar des Spielplatzes muss nach und nach wachsen - und finanziert werden.
Doch noch etwas anderes will der Förderverein der K-Schule mit den Benefizkonzerten erreichen: Er will Bekanntheit erlangen, die Augen für die alltäglichen Probleme der Schüler öffnen. „Über Kultur wollen wir im öffentlichen Leben präsent sein“, erklärt Waldbauer. Kulturell präsent werden die K-Schüler im kommenden Jahr aber auch durch selbst Geschaffenes: Zum siebten Mal wird es einen von ihnen gestalteten Kalender geben, der schon Kult- und Sammlerwert hat. Eigene Zeichnungen sind 2009 darin zu sehen, wilde Drachen oder kleine Prinzen. Kinderträume. Die entfalten ihren Zauber anders als die Musik von Threesome jedoch nur, wenn man die Augen öffnet.

 Erhältlich ist der 2009-Kalender der K-Schule für 5 Euro unter Tel.  0851/493 68 20.

08.11.: PNP-Bericht: Behindertenbeauftragte wirft ihren Job hin

Anita Knochner kritisiert Amt als „Feigenblatt der Regierung“ - „Meine Meinung war nicht gefragt

Von Gudrun Bergmann
München/Rosenheim. Seit 16 Jahren sitzt Anita Knochner im Rollstuhl. Nach einer Tumor-Operation am Rücken konnte sie nicht mehr laufen. Seitdem macht sie sich stark für die Bedürfnisse der Behinderten. Ihr Engagement führte die 39-Jährige bis in die Landespolitik. 2004 wurde sie bayerische Behindertenbeauftragte. Nun aber hat sie diesen Job hingeschmissen - aus Protest.


Vorwurf: Forderungen wurden ignoriert

„Dieses Amt ist das Feigenblatt der Regierung“, sagt Anita Knochner. „Ich selber habe einiges getan, um nicht als Feigenblatt wahrgenommen zu werden - aber meine Meinung war überhaupt nicht gefragt.“ Selbst bei der Debatte um das Gleichstellungsgesetz habe sie nichts zu sagen gehabt. Alle 103 bayerischen Behindertenbeauftragten auf kommunaler Ebene hatte sie zusammengetrommelt, um gemeinsame Forderungen zu erarbeiten. Erarbeitet wurden diese auch - anschließend aber von offizieller Seite ignoriert, so ihr Vorwurf.
Anita Knochner ist frustriert. Der Sozialausschuss habe nicht einmal auf ihren Vorschlag reagiert, die Missachtung des Gesetzes zur Barrierefreiheit zu bestrafen. „Das hätte den Staat kein Geld, sondern nur guten Willen gekostet“, sagt die 39-Jährige, die seit diesem Jahr Gemeinderätin in Großkarolinenfeld (Lkr. Rosenheim) ist und seit 2002 im Kreistag sitzt. „Der Landtag hielt nicht einmal eine Anhörung für nötig.“ Für diese Alibi-Funktion wolle sie sich nicht weiter hergeben, sagt Knochner. „Dieses Amt ist zu wichtig, um Spielball im Landtag zu sein. Ich musste Konsequenzen ziehen.“
Am 19. September hat Anita Knochner den Brief geschrieben, in dem sie mitteilt, dass sie unter diesen Bedingungen nicht für eine zweite Amtszeit als Behindertenbeauftragte zur Verfügung steht. Zur Post gebracht hat sie das Schreiben aber erst am Samstag vor der Landtagswahl. „Behindertenpolitik sollte kein Wahlkampfthema sein“, sagt sie.
Ihre Forderung: Das Amt der Behindertenbeauftragten soll nicht weiter im Sozialministerium angesiedelt sein, sondern direkt im Landtag. Nur unter diesen Umständen wäre sie bereit, doch für eine neue Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Die Behindertenpolitik beschränke sich nicht auf die Sozialpolitik und gehöre daher auch nicht in dieses Ministerium. „Behindertenpolitik muss ressortübergreifend gemacht werden.“


Kein Entgegenkommen aus dem Ministerium

Auch der zugehörige Haushalt sei viel zu gering, kritisiert Anita Knochner. „Es kann nicht sein, dass das dem Land nicht mehr wert ist.“ Bleibt die Möglichkeit, dass die neue Sozialministerin Christine Haderthauer versucht, die Ex- Behindertenbeauftragte zurückzugewinnen. Die Pressemitteilung aus dem Ministerium aber klingt nicht danach: „Sollte Frau Knochner es sich anders überlegen, steht es ihr selbstverständlich frei, sich am laufenden Bewerbungsverfahren zu beteiligen“, heißt es. „Ich bin gerne Behindertenbeauftragte. Aber wenn meine Stimme nichts gilt, will ich es nicht bleiben“, sagt Anita Knochner. „Dafür ist mir meine Lebenszeit zu schade.“

20.10.: PNP-Artikel über die Fachtagung der Frühförderung

„Diagnostik und Frühförderung körperlich beeinträchtigter Vorschulkinder“ lautete der Titel einer hochkarätig besetzten Fachtagung in der Caritas- Behindertenhilfe St. Severin. Hauptergebnisse: Die eigentlichen körperlichen oder geistigen Behinderungen seien rückläufig, sie würden zunehmend von sozialen und emotionalen Auffälligkeiten verdrängt. Ein schwieriger Weg sei es für Erziehungsberechtigte auch, die Behinderung ihres Kindes zu akzeptieren.
Die Früherkennung einer geistigen oder körperlichen Beeinträchtigung sei der erste Weg zu ihrer Linderung oder Beseitigung, meint der Passauer Kinderarzt Georg Handwerker. Deshalb dürfe keine der mittlerweile zehn Vorsorgeuntersuchungen von der Geburt bis zum Eintritt ins Kindergartenalter versäumt werden. „Ich kann zwar im Rahmen einer solchen Untersuchung nicht in jedem Fall eine fertige Diagnose erstellen, aber zumindest habe ich einen ersten Verdacht“, sagte der Kinderarzt.
Bei Früherkennung und Förderung gelte es strikt, sowohl körperliche und geistige als auch die sprachliche und psychosoziale Entwicklung eines Kindes im Auge zu haben. Letztere werde oftmals durch gesellschaftliche oder familiäre Gründe, durch Trennung oder eine psychische Erkrankung der Eltern beeinträchtigt, so die Kölner Ärztin und Diplompsychologin Tordis Horstmann, die von den „neuen Kinderkrankheiten“ sprach. Dies bekräftigte der Leiter der St.-Severin- Behindertenhilfe, Max Absmeier. „Die psychosozialen Auffälligkeiten nehmen zu, Einzelbeeinträchtigungen werden zunehmend von Störungen des gesamten Sozialumfeldes überlagert.“ Eine ausreichende Behandlung könne dann nicht allein mit Heilmitteln, z.B. Ergotherapie, erfolgen, sondern müsse pädagogische und psychologische Maßnahmen mit einschließen, sagte Sabine Höck von der Münchner Arbeitsstelle für Frühförderung.
Dabei kämen die Familien immer weniger mit diesen Störungen klar. „Ich bin mir sicher, dass weniger als die Hälfte der Eltern betroffener Kinder rechtzeitig fachliche Hilfe in Anspruch nehmen“, so Karl Bischof von der Körperbehinderten-Schule in St. Severin. Dies erfordere eine Abänderung des Lebensentwurfs sowohl für ihre Kinder als auch für sich selbst. Den Eltern müsse dabei viel Zeit gelassen werden, sich mit einer Diagnose abzufinden. Erst dann könnten sie das Hilfssystem mit Therapeuten, Kinderarzt, Frühförderung und Schule bejahen und dadurch die Entwicklungschancen ihrer Kinder verbessern. Bei einer verspäteten Früherkennung und einer zu späten Förderung verringerten sich die Linderungs- oder gar Heilungschancen erheblich, erklärte Gerhard Krinninger, Leiter des Caritas- Frühförderdiensts in Passau. Aufmerksam zu beobachten seien Sprachentwicklung, Hörfähigkeit, Geh- und Fortbewegungsvermögen: „Wenn ein Kind mit zweieinhalb Jahren noch keine 50 Wörter spricht, muss gehandelt werden.“ Nicht selten seien Hörstörungen Ursache für verzögerte oder defizitäre Sprachentwicklung. Darunter leide die fachgerechte „Eltern-Kind-Interaktion“, die eine Feinfühligkeit der Eltern für die Interessen des Kindes erfordere, Überforderung vermeide und mit viel Lob für kleine Entwicklungsfortschritte arbeiten müsse.
Der Leiter des SPZ Passau, Christian Schropp, verwies auf die gekürzten Finanzmittel. So würden notwendige Hilfsmittel, Rollstühle oder Schienen teils nicht oder erst nach sehr langen Wartezeiten genehmigt. Auch sei es nicht mehr möglich, Kinder in einem Förderzentrum wie den St. Severin- Schulen und dem SPZ gleichzeitig ergänzend zu betreuen. Pflegegeld würde bei Eltern mit behinderten Kindern nur noch schwerlich genehmigt. Hier stehe auch die Politik in der Pflicht. - red

13.08.: PNP-Bericht "40-Meter-Hefezopf zum Jubiläum"

Wintersportverein Otterskirchen feiert 25-Jähriges - Verkaufserlös für gemeinnützige Zwecke

Beim Anschneiden des Hefezopfes (von links): 1. Vorsitzender Thomas Bauer, Initiator Gerhard Gotzl, MdL Gerhard Waschler, Sponsor Klaus Wagner mit Sohn Klaus jun., Schulleiter Karl Bischof mit den Schülern Dominik und Anja sowie Ursula Irlinger und Gabi Gahbauer von der WSV-Rolli-Gruppe. (Foto: Haslinger)

11.08.: Toller Mutmacher-Bericht über unseren Johannes

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08.07.: PNP-Artikel zur Ausstellungseröffnung im Landratsamt

Passau. Landrat Franz Meyer hat gestern Vormittag die Wanderausstellung „Mensch und Figur“ eröffnet, ein Gemeinschaftsprojekt des Förderzentrums für körperbehinderte Menschen (K-Schule) und der 7c des Auersperg-Gymnasiums. Das Landratsamt war schon mehrmals Schauplatz von Ausstellungen, allerdings handelte es sich dabei meist um Sachthemen. Dass auch die Kunst einmal ihren Weg ins Landratsamt finde, freue ihn, sagte Franz Meyer (vorne rechts) „Wenn diese Ausstellung auch noch dazu beiträgt, dass so manch einer künftig noch lieber in unser Amt kommt, dann haben wir damit einen erfreulichen Werbeeffekt erzielt“, meinte der Landrat. Die beiden Kooperationsklassen hatten in der Vergangenheit bereits zahlreiche Kunstprojekte entwickelt. Im Vorfeld des aktuellen Projekts beschäftigten sich die Schüler intensiv mit Körperproportionen. Dazu diente das wohl bekannteste Bild von Leonardo da Vinci, „Der vermessene Mensch“, als Grundlage. Das erlernte Wissen wurde in einem Lithografiekurs bei der Künstlerin Waltraud Danzig in die Praxis umgesetzt. Es entstanden überwiegend Zeichnungen, aber auch eine Skulptur. Die Ausstellung war zuvor bereits anlässlich eines „Tages der offenen Tür“ in der K-Schule in Grubweg zu sehen sowie im Gymnasium Freudenhain. Im Herbst vergangenen Jahres wurden die Kunstwerke im Finanzamt Passau ausgestellt. „Wir freuen uns sehr, dass uns vielerlei Türen in der Stadt geöffnet werden und hoffen, dass wir mit der Kunst unserer Schüler noch viele weitere Türen und Herzen öffnen können“, sagte die Konrektorin der Förderschule, Gabriele Waldbauer (vorne links). Die Exponate der Schüler können noch bis Ende Juli bewundert werden.
joh/Foto: Jäger

26.06.: PNP-Artikel "Träume fliegen über das Wasser"

Von Franz Danninger
Er kennt die Antwort im voraus, trotzdem wirft Jörg Leonhardt die Frage über die Schulter: „Sollen wir das Schiff noch einmal überholen?“ Das Echo hat er schon zigmal gehört, trotzdem zaubert es immer wieder ein zufriedenes Grinsen in das Gesicht des 43-Jährigen: „Jaaahaaaaa!“ Seine sechs Passagiere im Heck werden zu kleinen Kapitänen und Steuermann Leonhardt gehorcht dem Befehl: Seine linke Hand schiebt den Gashebel fast auf Anschlag nach vorn und 300 PS im Heck schieben seine „Hoppetosse“ nach vorn. Sie fliegt über die Schaldinger Donau und nimmt dabei Kinderträume mit.
124 Schüler der K-Schule kamen gestern in den Genuss, mit dem Renn-Schlauchboot rund eine Viertelstunde lang mitzufahren. „Das steigert das Selbstwertgefühl der behinderten Kinder“, weiß Leonhardt aus der Erfahrung von acht Jahren caritativer Arbeit. Er ist selbst seit dem 18. Lebensjahr querschnittgelähmt, war Mitglied der Rolli-Basketball-Nationalmannschaft, springt Fallschirm und vieles mehr. Wenn die Kinder, die oft das Gefühl haben, hintendran zu sein, plötzlich alles andere überflügeln, dann gibt ihnen das einen Schub. Schulleiter Karl Bischof war sich gestern strahlend sicher: „Das war das schönste Erlebnis für unsere Kinder überhaupt.“

19.06.: PNP-Artikel: K-Schüler freuen sich auf die "Hoppetosse"

Gibt es was Schöneres als aus vollem Herzen vor Freude lachende Kinder? Wohl kaum. Und das will Hoppetosse erreichen und kommt daher nach Passau. Die „Hoppetosse“ ist für alle Pippi-Langstrumpf-Fans der Inbegriff von „Eine Seefahrt, die ist lustig...“ - also Lebensfreude pur. Darum geht’s am Mittwoch, 25. Juni, auf dem Kachlet-Stausee in Schalding l.d.D. Die Fußball-Europameisterschaft war Anlass für eine Tour der anderen Art, bei der das Boot „Hoppetosse“ zum Einsatz kommt.
Die „Hoppetosse“ ist ein neun Meter langes Rennschlauchboot. Der Verein „Wings for handicapped“ plant damit eine Tour von Basel, wo das Fußball-Turnier beginnt, über 1355 Kilometer zum Endspielort Wien, der am 28. Juni erreicht wird. Am 25. Juni ist Station in Passau. Jörg Leonhardt, der die Aktion ins Leben gerufen hat und selbst im Rollstuhl sitzt, möchte behinderten Kindern und Jugendlichen ein unvergessliches Erlebnis auf dem Wasser bieten. Und organisiert von Manfred Mühltaler haben sich zahlreiche Institutionen und Firmen vor Ort bereit erklärt mitzumachen.
Die Wassersportfreunde Passau stellen ihr Gelände samt Parkplätzen zur Verfügung. Der Behindertenbeauftragte der Stadt, Klaus Schröpf, unterstützt die Aktion ebenso wie OB Jürgen Dupper, der sich mit seinen Kindern angesagt hat zum Bootstermin.
Klaus Schröpf (Tel. 0851/396243) koordiniert die Termine mit Passauer Behinderteneinrichtungen. So kommt u. a. die Grubweger K-Schule mit körperlich und geistig behinderten Kindern. Leiter Karl Bischof: „Wir freuen uns schon sehr.“ Die Wasserwacht steht genauso zur Verfügung wie die Wasserschutzpolizei, die DLRG und die Feuerwehr, die ihre Boote auch mitbringen wollen. Die Metzgerei Königsbauer stellt einen Verkaufswagen auf, an dem behinderte und kranke Kinder eine kostenlose Brotzeit erhalten. Kostenlose Getränke für diese Klientel gibt es an einem Stand der Hacklberger Brauerei. Brauereidirektor Stephan Marold hat auch Hilfe in Sachen Bierbänke zugesagt. Die Firma Automobile Schuster stellt Pkws aus und verteilt Luftballons.
„Egal, wie stark oder schwach der Einzelne ist, im Schnellboot kommen alle gleich flott voran. Die Teilnehmer erfahren, dass Grenzen überwunden werden können - das stärkt ihr Selbstwertgefühl“, sagt Manfred Mühltaler, der sich gerne in den Dienst der guten Sache stellt. Denn: „Bei Hoppetosse steht der Mensch im Vordergrund, nicht die Behinderung. Es geht um ganz viel Freude am Leben. Und wenn man etwas dafür tun kann, dass etwas auch ganz besonders schön wird, dann ist man selbst gern dabei.“
Bei den Wassersportfreunden in Schalding können die Kinder und Jugendlichen zusteigen und mit Bootsführer Jörg Leonhardt über das Wasser brausen. Die sympathische Aktion findet von ca. 10 bis 17 Uhr statt. Jeweils zur vollen und zur halben Stunde können die jungen Menschen bei einer rund 30 Minuten dauernden Tour dabei sein.
Die Fahrt mit „Hoppetosse“ ist kostenlos, Anmeldungen sind erforderlich, um Wartezeiten zu vermeiden. Erziehungsberechtigte bzw. Betreuungspersonen werden gebeten, die Teilnehmer zu begleiten, eine Betreuung vor Ort ist leider nicht möglich. Für eventuelle Unfälle haften die Teilnehmer selbst, es wird keine Gewähr übernommen. Auf dem Boot tragen alle Passagiere Schwimmwesten, die vor Ort gestellt werden. Weitere Informationen gibt es bei Manfred Mühltaler unter Tel. Tel.  0160/ 97000990.

27.04.: Unser Rollstuhl-Tennis-As Peter Seidl glänzt in Büchlberg

Eröffneten das Turnier: (stehend v.l.) Walter Probst von der Bauerei Hutthurm, Salzwegs Bürgermeister Horst Wipplinger, Röhrnbachs Bürgermeister Josef Gutsmiedl, Gemeinerätin Gerda Maderer, Monsignore Matthias Wilhelm, stellvertretender Landrat Günther Kohl, MdL Konrad Kobler, MdL Gerhard Waschler, Bezirksrat Max Brandl, Büchlbergs Bürgermeister Norbert Marold, Vorstand Klaus Moosbauer, Hubert Fromm von der Brauerei Hutthurm, 2. Vorstand Helmut Schenk, (vorne links) Kinder der K-Schule St. Severin Passau-Grubweg mit Rollstuhlsportlern. (Foto: Neustifter)

26.04.: Tag der offenen Tür mit Säbeltiger und viel Literatur ...

Eine Modeschau wie in der Kreidezeit begeistert die vielen Besucher am Tag der offenen Tür. Vor allem aber wird in den Unterrichtsprojekten "Literaturarbeit" geboten: "Ritter Rost" (K2/3), "Max und Moritz" (Außenklasse K3), "Bremer Stadtmusikanten" (K4/5) und "Der kleine Prinz" (K6/7). Von der SVE bis zur Quali-Abschlussklasse erleben Eltern mit Familie und Freunden die Arbeit an der K-Schule hautnah.

  

  

  

  

  

  

10.04.: PNP-Bericht: Raiffeisenbank spendet für Behinderte

Salzweg/Thyrnau. Ihr soziales Engagement hat die Raiffeisenbank Thyrnau-Salzweg einmal mehr unter Beweis gestellt. „Wir wissen um unsere Verantwortung auch für die Schwächeren in unserer Gesellschaft“, begründete Direktor Alois Döbler bei der Spendenübergabe den Schritt. Je 2000 Euro wurden an die Schule für Körperbehinderte, die St. Severin-Schule zur individuellen Lebensbewältigung in Grubweg und an die Lebenshilfe Passau überreicht. Besonderen Dank zollten die Verantwortlichen dabei Direktor Döbler persönlich. „Wir wissen, dass wir in Ihnen einen Fürsprecher haben“, sagte Max Absmeier, Leiter der St. Severin Schule. Das Geld wird für Spielsachen und besonderes Spiel- und Übungsmaterial verwendet bzw. für die Wartung eines jüngst von der Raiffeisenbank an die Lebenshilfe erst gespendeten Autos zurückgelegt. Auf dem Bild sind (v.l.) Karl Bischof (K-Schule), Horst Matschiner (Vorsitzender Lebenshilfe), Direktor Alois Döbler, Max Absmeier (St. Severin Schule) und Lebenshilfe-Geschäftsführer Thomas Hofbrückl.
pr/Foto: Preuß

14.03.: PNP-Artikel "Stammtisch spendet an die K-Schule"

Haag. Alle Jahre wird von den 19 Mitgliedern der „Pislinger Hütte“, die vor 20 Jahren gegründet wurde, ein Fest organisiert. Seit zwei Jahren stellen die Hüttenbrüder eine „Ex-Winter-Party“ auf die Beine. Aus dem Gewinn wurden kürzlich 250 Euro an die K-Schule in Passau gespendet. Zusammen mit Schulleiter Karl Bischof (l.) besuchten die Stammtischvertreter Thomas Fesl (3.v.l.) und Wolfgang Steininger (r.) die Klasse von Lehrerin Andrea Braumandl und Erzieherin Veronika Ritzer und übergaben die Spende stellvertretend einem Schüler. Auf die Frage an die Klasse, was ein Stammtisch macht, gab ein Schüler die Antwort: „Da wird Bier getrunken und Fußball geschaut.“ Die Spende kommt den Schülern direkt zu Gute, zusammen mit Lehrerin und Erzieherin werden die Schüler beraten, was man mit dem Geld mache. Schulleiter Karl Bischof führte die Stammtischmitglieder durch die Räume und erklärte dabei das Konzept der Schule. Bei der K-Schule Passau in Grubweg handelt es sich um ein privates Förderzentrum. Derzeit zählt die Schule genau 100 körperbehinderte Kinder und Jugendliche. Die K-Schule Passau kann die Schüler sogar bis zum Qualifizierenden Hauptschulabschluss führen. Informationen stehen unter www.k-schule-passau.de zur Verfügung.
win/Foto: Windpassinger

14.07.: PNP-Artikel: Türöffner für Job-Chance K

Die Mitglieder der Kommission Gesellschaft und Politik des katholischen Frauenbunds blickten bei ihrem Besuch in der K-Schule den Schülern während des Werkunterrichts über die Schüler.

von Theresia Wildfeuer
Die Kommission Gesellschaft und Politik des katholischen Frauenbunds und die Gleichstellungsbeauftragten von Stadt und Landkreis, Angela Hasch und Alois Krügl, besuchten unter der Federführung von Stadträtin Sissi Geyer die K-Schule in Grubweg. Schulleiter Karl Bischof erläuterte das Projekt „Job-Chance-K“ der Schule. Dessen Anliegen ist es, in enger Zusammenarbeit mit Betrieben Schüler mit körperlicher Behinderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Integration sei auch das Jahresthema des Arbeitskreises Gesellschaft und Politik, betonte Sissi Geyer. Schulleiter Bischof forciere die Eingliederung der körperbehinderten jungen Leute in den Arbeitsprozess in besonderer Weise. Anliegen von „Job-Chance-K“ sei, die Jugendlichen nicht in Behindertenwerkstätten unterzubringen, sondern Betriebe in ihrer näheren Heimat zu gewinnen, um für sie einen Arbeitsplatz einzurichten, so Bischof. Hierfür benötige die Schule „Türöffner“, um die Wirtschaft dafür zu sensibilisieren. Projektziele seien Berufsfindung und Arbeitsassistenz sowie die Vermittlung von Praktika, damit die Jugendlichen ihre Fähigkeiten kennen lernen und Berufschancen realistisch einschätzen lernten. Auch der Aufbau von „Job-Patenschaften“ sei wichtig.
Eine enge Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Schule ermögliche es, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze auf die Bedürfnisse der körperbehinderten Jugendlichen und der Arbeitgeber abgestimmt werden. In Mittwochs-, Ferien- und Schnupperpraktika testeten die Schüler Geschick und Talent.
Bischof schilderte gelungene Beispiele von Integration. Anton fand zum Beispiel eine Ausbildungsstelle als Orthopädietechniker. Andere sammeln in Steuerkanzlei, Rehaklinik oder beim Autohändler wertvolle Erfahrungen. Auch die ZF und Claudia Gugger-Bessinger von der „Passauer Runde“ sind wichtige Partner.
„Schüler wie Anna wünschten sich eine Welt, in der behinderte und nicht behinderte Menschen friedlich zusammen leben“, sagte Bischof. Seine 94 Schüler kommen aus Stadt und Landkreis sowie den Kreisen Freyung-Grafenau, Regen, Rottal-Inn und Deggendorf.
„Wir wollen, dass sich die Kinder wohl fühlen“, unterstrich Bischof. Die K-Schule sei keine Paukschule. Hier solle Schule in erster Linie Spaß bereiten sowie Lebensfreude und medizinische Hilfe vermitteln.
Ziel der Schule ist es zudem, elementare Fertigkeiten aufzubauen, um die Selbständigkeit der Kinder zu fördern und Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Die Schule bietet hierfür die notwendigen Hilfsmittel. Neben sportlichen Angeboten, zum Beispiel Rollstuhl-Tennis mit Peter Seidl, gibt es an der K-Schule verschiedene Therapieangebote, zum Beispiel konduktive Förderung nach einem ungarischen Modell, um vom Rollstuhl unabhängiger zu werden. Auch soziales Lernen und Teamfähigkeit sind wichtige Lernziele. Zum Abschluss führte der Schulleiter die Gäste durch das Haus und die neuen Räume der Schule.

10.03.: Starker PNP-Bericht über den Marktplatz der Betriebe

Behinderte Jugendliche in den Arbeitsmarkt integrieren


Bei der Vorstellung des Projekts „Job-Chance-K - Marktplatz der Betriebe“ zeigten Jugendliche der K-Schule, wo und wie sie sich bewähren können

 

von Stefan Rammer
„We are marching in the line of God“, sang der Chor und die „Powergirls“ fegten tanzend über die Bühne. „Körperbehinderte können mehr als nur singen oder tanzen“, sagte Karl Bischof. Der engagierte Leiter der K-Schule Grubweg begrüßte zum Projekt Job-Chance-K - Marktplatz der Betriebe. Der K-Schule geht es nicht nur um die schulische Fürsorge für körperbehinderte Schüler, sondern auch um ihre spätere Eingliederung, wenn möglich, in den normalen Arbeitsmarkt.


„Mach dich stark für starke Kinder.“ Volker Kuppler, Diözesan-Caritas-Direktor und Träger der Einrichtung, brachte es genauso auf den Punkt wie MdL Dr. Gerhard Waschler, der Schirmherr des Projekts ist, stv. Landrat Günter Kohl, Bernd Becking, Leiter der Bundesagentur für Arbeit, und Rainer Fauser von der Regierung von Niederbayern. Alle zeigten sich stolz über die ersten positiven Erfahrungen und lobten das Projekt, das bei der Integration körperbehinderter Jugendlicher hilft. Die „Job-Chance-K“ soll den Übergang von der Schule in den Beruf erleichtern. Sie appellierten daran, diesen Mitgliedern der Gesellschaft mehr als eine Chance zu geben.


„Ich würde so gerne in einem normalen Betrieb arbeiten.“ Diesen Satz seiner behinderten Tochter zitierte Günther Kastenhuber, Vorsitzender des Fördervereins. Sehr persönlich, aber deutlich drückte er aus, wie schwierig es ist, die oft bestens motivierten und begabten Schüler unterzubringen. Wie gut dies in einigen Fällen aber funktioniert, das berichteten anwesende Vertreter von Firmen und Behörden. So hat Werbefachmann Bernhard Fischer nur beste Erfahrungen gesammelt. Dunja Moser von Zweirad Seidel hatte vier Wochen lang einen Praktikanten. „Johannes hat großes Geschick bewiesen“, sagte sie. Von großer Aufgeschlossenheit, Motivation und Freundlichkeit der Schüler berichteten auch Wolfgang Stöbich (ZF), Michael Buchheit (ZAW Donau-Wald) und Michael Mandl (Bischöfliches Ordinariat). Im Ordinariat wird Petra Asenbauer zur Bürogehilfin ausgebildet. „Wir haben sie genommen wegen ihrer offenen, ehrlichen und kämpferischen Bewerbung“, sagte Mandl, der betonte, dass man die junge Frau übernehmen wolle. Petra Asenbauer selbst, aber auch Björn Fehrenz und Anton Maier berichteten dann von ihren Erfahrungen in den Betrieben. Die gewitzte, herzliche, begeisternde Art, in der sie das taten, führte den vielen Vertretern der Firmen vor Augen, welches Potenzial in den Jugendlichen steckt. „Wer schenkt, wird selbst beschenkt.“ Dieser Satz Roland Schneiders von der K-Schule machte deutlich, was viele empfanden. Karl Bischof und seine Mitarbeiter, vor allem die Arbeitsassistentin Stephanie Wagner, machten deutlich, wie wichtig es ist, dass möglichst viele ein Schnupper-, Mittwochs- oder Ferienpraktikum anbieten. In der Schule selbst stellten die Schüler in einer Ausstellung ihre Arbeitsplätze und Tätigkeiten vor.